LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Premier Juncker will nächste Woche zur Geheimdienstaffäre Stellung beziehen

Wie unsere Kollegen vom soziokulturellen Radio gestern Morgen zu enthüllen wussten, hat der Geheimdienst im gut abgeschirmten Schloss Senningen, wo die Regierung immer ihre Klausuren abhält und ab und zu auch ausländische Gäste empfangen werden, ein Geheimarchiv angelegt, über das weder die Justiz noch der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur SREL-Affäre irgend etwas gewusst haben sollen.

Auch das Staatsministerium soll nichts von diesem Geheimarchiv gewusst haben, wie Radio 100,7 gestern Abend berichtete, und soll nun die Anordnung gegeben haben, mit Ausnahme der Justiz und der „Enquête“-Kommission keinen mehr in dieses Archiv reinzulassen. Besagtes Geheimarchiv soll bereits seit 50 Jahren bestehen und Kopien auf Mikrofilm von wichtigen Unterlagen aus dem ersten Archiv des Geheimdiensts beherbergen. Dieses Archiv, das in der SREL-Zentrale in der Escher Straße untergebracht ist, ist bekanntlich versiegelt worden. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob in Senningen nicht auch Dokumente untergebracht wurden, die nicht im Hauptarchiv zu finden sind und die für den „Bommeleeër“-Prozess eine Rolle spielen würden.

DP-Präsident Meisch fordert umgehendeVersiegelung

DP-Fraktionschef Claude Meisch richtete sich gestern dann auch mit einem Brief an den Vorsitzenden der „Enquête“-Kommission, LSAP-Präsident Alex Bodry, in dem er diesen fragt, darüber zu sorgen, das Geheimarchiv umgehend versiegeln zu lassen. Auch zitiert Meisch einen Ermittler aus dem „Bommeleeër“-Prozess: „Dir kënnt Iech virstellen, dat së auswerteg Lageren hun, wou een nët drun kënnt“.

Außerordentliche Sitzung der„Enquête“-Kommission am Montag

Alex Bodry hat seinerseits für nächsten Montag eine außerordentliche Sitzung der „Enquête“-Kommission einberufen, um zu beraten, wie die Ausschussmitglieder sich jetzt aufgrund der neuen Enthüllungen verhalten sollen.

Premier Jean-Claude Juncker, der momentan zusammen mit Finanzminister Luc Frieden in Washington weilt, will sich seinerseits laut Radio 100,7 nächste Woche zu diesem neuen Moment zu Wort melden, wie ebenfalls zum Gespräch von ihm und Luc Frieden mit der damaligen SREL-Spitze über eine mögliche Verbindung zwischen der Nato-Geheimarmee „Stay Behind“ und den Bombenattentaten.

Bodry ärgert sich über Me Vogel und spricht von Manipulation

Alex Bodry ist aber nicht nur in der „Enquête“-Kommission, sondern auch auf „Facebook“ tätig, und dort hat er sich jetzt heftig über Me Gaston Vogel geärgert. „Momentan get d’ganz Land manipuléiert. Vum Meeschter Vogel iwert Deeler vun der Press bis hin zu fréieren Agenten vum Geheimdinscht. Dat alles ass schlechten Duerftheater“, so der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses.

KPL: Spitzeldienst abschaffen

Die Kommunistische Partei Luxemburg bekräftigte ihrerseits gestern noch einmal ihre Forderung nach einer Auflösung des Spitzeldienstes.