LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Marie-Josette Reinert erzählt von ihrer Zeit als „Beauty Luxembourg 1970“:Eingeweiht waren anfangs nur die Freundinnen

Nur ihre engsten Freundinnen waren eingeweiht, als sich Marie-Josette Reinert im Jahr 1970 dazu entschied, an der Wahl zur „Miss Frontière“ teilzunehmen. Prompt schaffte es die Schönheit aus Esch/Alzette auf den dritten Platz. Dieser erste Erfolg ermutigte sie im gleichen Jahr dazu, bei der Miss Luxembourg-Wahl - damals noch „Beauty Luxembourg“ - mitzumachen. Auch in diesem Wettbewerb konnte sie überzeugen und wurde zur Schönsten des Landes gekürt. Dann erst wurde die Familie eingeweiht. „Eigentlich wollte ich nur meinen Freundinnen beweisen, dass ich mich trauen würde, mitzumachen. Natürlich war ich überglücklich und auch mein Vater war unendlich stolz. Als ich jünger war, wollte ich immer reiten lernen. Mein Vater aber war dagegen. Seine Begründung: Ich hätte viel zu schöne Beine“, erinnert sich Marie-Josette, genannt Josée, und lacht herzhaft.

Es folgte die Teilnahme an der Wahl zur Miss Universum

Als die damals 18-Jährige offiziell als schönste Luxemburgerin galt, entwickelte alles Weitere eine Eigendynamik. Es folgten etliche weitere Schönheitswettbewerbe. Der unumstrittene Höhepunkt war die Teilnahme an der Wahl zur Miss Universum. Das „Lëtzebuerger Journal“ war übrigens damals maßgeblich an der Selektion der Kandidatin, die unsere Farben in den USA vertreten sollte, beteiligt. „Josée Reinert besitzt alle Qualitäten um unser Land gut zu vertreten. Sie hat viel Charme und, was besonders für ihre Wahl in die Wagschale fiel, sie ist liebenswürdig einfach“, war am 17. Juni 1970 im „Journal“ zu lesen.

Für Josée begann bald darauf das große Abenteuer, das sie einen Monat lang durch Japan und die Vereinigten Staaten führte. „Um diese Reise unternehmen zu können, war das schriftliche Einverständnis meines Vaters nötig. Ich war ja gerade erst 18 Jahre alt. Natürlich war er einverstanden. Es war ein unbeschreibliches Erlebnis. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich nie gereist, und plötzlich eröffnete sich mir eine neue Welt“, erinnert sich Josée heute. Natürlich war damals einiges anders als heute, so mussten sich die Kandidatinnen beispielsweise selbst um ihre Garderobe kümmern. „Das Modegeschäft Monopol war mein Sponsor für die Miss Universum-Wahl und hat mein Abendkleid finanziert. Ansonsten wurde uns aber nicht wie heute alles gestellt, beziehungsweise mussten wir vieles aus der eigenen Tasche zahlen“, gibt die einstige Miss Luxembourg zu bedenken.

Mit Stolz blickt Josée Reinert auch heute noch auf diese Zeit zurück. Das sei längst nicht bei allen ehemaligen „Missen“ so, lässt sie uns wissen. „Viele möchten nichts mehr mit dem Thema zu tun haben, ich aber würde es immer wieder tun. Zu jener Zeit hatten solche Schönheitswettbewerbe einen schlechteren Ruf“, gibt Frau Reinert rückblickend zu.

Strenges Programm in den USA

„Es war eine schöne aber auch sehr anstrengende Zeit. In den USA wurde uns einiges abverlangt. Alles wurde bis ins kleinste Detail geübt. Das ging schon morgens um 6.00 oder 7.00 los und dauerte den ganzen Tag über. Auf dem Programm standen Gesangsunterricht, Choreographie einstudieren, am Mikrophon sprechen, sich richtig bewegen usw. Es war alles andere als einfach. Ich erinnere mich daran, dass zwei Mädchen einen Nervenzusammenbruch hatten. Die Miss France musste sogar aufgeben, weil sie es einfach nicht mehr schaffte. Außerdem wurden wir streng kontrolliert und hatten ständig Aufpasserinnen um uns. Rausgehen oder alleine etwas unternehmen, war uns nicht gestattet. Unsere Anwesenheit war bei vielen Veranstaltungen Pflicht“, beschreibt die heutige Rentnerin das damalige Erlebnis.

Kein Konkurrenzkampf sondern eine schöne Erfahrung

Der Druck sei zwar groß gewesen, einen regelrechten Konkurrenzkampf gab es laut Josée Reinert aber nicht: „Alles lief sehr kollegial ab. Weil ich so viele Sprachen kannte, verstand ich mich mit vielen Mädchen außerordentlich gut. Konkurrenzkampf, eine gegen die andere, nein, das gab es überhaupt nicht. Alle waren sehr nett. Ich weiß nicht, ob das heute auch noch so ist“. Warum das Interesse an den Miss-Wahlen heute nicht mehr so groß ist, versteht die dreifache Großmutter indes nicht. „Ich frage mich, warum heute nicht mehr Mädchen teilnehmen. Wir haben so viele hübsche Frauen in Luxemburg“, bedauert sie. „Ich habe so viele Länder gesehen, so viele Menschen kennen gelernt, ohne Miss-Wahl hätte ich das alles wohl nicht erlebt, jedenfalls nicht mit 18“, erzählt Josée und schwelgt in Erinnerungen.

Spätes Glück und Auswanderung nach Spanien

Irgendwann ging diese schöne Zeit aber zu Ende. „Ich hatte damals einen Freund. Irgendwann stand ich vor der Wahl: Entweder weitermachen oder Heiraten und Kinderkriegen. Ich war sehr verliebt und habe mich für letzteres entschieden, geheiratet und mich später um unsere zwei Kinder gekümmert. Das Thema Mode hat mich aber nicht wieder losgelassen und so habe ich dann wieder angefangen zu modeln, dann auch selbst Modeschauen für große Geschäftsketten organisiert und den Mannequins einiges beigebracht. Meine beiden Jungs waren übrigens immer mit großer Begeisterung dabei“, erinnert sich die Miss Luxembourg 1970. In gewisser Weise war ihre damalige Erfahrung also eine Art Sprungbrett für die spätere Karriere. Heute lebt Josée Reinert in Spanien. Nach der Pensionierung ihres zweiten Ehemanns, einem General der NAMSA, den sie 1994 kennen gelernt hat, genießen beide das Leben im sonnigen Süden in vollen Zügen.