HELMSINGEN
CLAUDE KARGER

Lehrreiche Tour: Der Römerpfad in Helmsingen

Sie möchten entdecken, wie es vor rund zwei Jahrtausenden in Helmsingen aussah? Dann folgen Sie dem Blick des Römers auf dem grünen Wegweiser mit dem großen „R“ ab der Kreuzung Rue Prince Henri/Rue Jean Schaack und der 1990 in der Nähe entdeckten Römervilla. Hier am Fuße des „Sonnebierg“ befand sich ein wahrer Palast mit rund 50 Zimmern. Doch nicht nur der Umfang der Anlage deutet darauf hin, dass hier eine reiche Familie lebte: Bei den Ausgrabungen wurden eine Menge außergewöhnlicher Relikte entdeckt, fein verzierte Haarnadeln und Kleiderspangen etwa und mehrere hundert Münzen aus verschiedenen Jahrhunderten.

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Einzigartige „Raschpëtzer“

Mit Sicherheit verstecken sich noch andere Schätze aus der Römerzeit im Alzettetal und insbesondere an den Hängen des Tals, wo die Gehöfte angesiedelt waren, um Überschwemmungen zu entgehen und möglichst direkt an Quellen zu kommen. A propos Wasser: in Helmsingen befindet sich ein ganz außergewöhnliches Zeugnis römischer Ingenieurskunst. Nämlich die „Raschpëtzer“ genannte unterirdische Wasserversorgungsleitung, die um 130 n. Chr. in den Sandstein getrieben wurde, um Wasser aus der „Haedchen“ genannten Senke unter dem „Pëtschend“-Plateau an den Hang des „Sonnebierg“ zu bringen. Die Forschung geht davon aus, dass hier eine Quelle durch die Leitung verstärkt werden sollte, um genügend lebenswichtiges Nass zu einer weiteren großen, noch unausgegrabenen Villenanlage in der Nähe der heutigen Stromzentrale zu bringen – oder sogar noch zu anderen Residenzen. Die Römer trieben zunächst vertikale Schächte in das Plateau und verbanden sie dann untereinander – in der sogenannten „Qanat-Bauweise“. 

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36 Meter tief in den Fels

Die Schächte, von denen man früher annahm, dass sie das Werk umtriebiger Zwerge – der „Wiichtelcher“ -  waren, werden seit Mitte der 1960er wissenschaftlich erforscht. Die in dieser Dimension in Europa wahrscheinlich einzigartige Anlage, die mindestens 600 Meter lang war, mit Schächten von bis zu 36 Metern Tiefe, hat ihre Geheimnisse aber noch nicht alle preisgegeben. An zwei Stellen am Römerweg kann man runter blicken in das unterirdische Aquädukt, das heute noch wie vor 2.000 Jahren funktioniert. Es gibt sogar eine Besuchergalerie, durch die man zur Sohle eines Schachts gelangt. Sie ist im Prinzip immer Sonntags zwischen 14.30 und 17.30 geöffnet. Man sollte sich aber beim „Syndicat d’Initiative et de tourisme“ der Gemeinde Walferdingen erkundigen. Dieses hat übrigens auch einen „Gipspfad“ in Bereldingen ausgewiesen, an dem man auf 5,2 Kilometern die Relikte eines besonderen Bergbaus entdecken kann.

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Gips und Enzian

Über ehemalige Gipsstollen läuft auch der Römerpfad in Helmsingen, der sich über 3,6 Kilometer hinzieht, zum Teil durch das Naturschutzgebiet „Sonnebierg“, ein 15 Hektar großes Areal, auf dem wegen des besonderen kalkhaltigen Bodens eine spezielle Flora gedeiht. So sprießen hier etwa Orchideen und Enziane. Genießen kann man dort auch schöne Aussichten auf das Alzette-Tal. Wetten, dass das bereits die Römer taten? Auf jeden Fall spürt man ihre Präsenz sehr deutlich, wenn man sich in dieser Gegend ein paar Stunden auf ihre Spuren begibt.