In der aktuellsten politischen Meinungsumfrage verliert die Regierung ihre Majorität und in Bezug auf Kompetenz und Sympathie befinden sich viele Regierungsmitglieder in freiem Fall. Politisch interessierte Bürger, und auch Kommentatoren, die 2013 einem politischen Wechsel aus demokratischer Überzeugung heraus vielleicht positiv gesinnt waren, werden jetzt mit einer Wahrnehmung der Politik konfrontiert, die unsere Aufmerksamkeit verdient.
Während verschiedene Spitzenpolitiker 2013 vielfach als kompetent und sympathisch erlebt wurden, ist dies jetzt keineswegs mehr der Fall, obwohl davon auszugehen ist, dass zwei Jahre Regierungszeit die Kompetenzen von Ministern auf jeden Fall erweitert. Sehr wahrscheinlich sind unsere Minister also alle kompetenter als 2013. Als politischer Kommentator muss man sich also die Frage stellen: Was lief schief, was störte eine Bevölkerung, die 2013 sehr viel Vertrauen in die CSV verloren hatte, und warum findet sich mittlerweile eine Mehrzahl der Bevölkerung nicht mehr in unserer Regierung wieder?
Sicherlich hatten die Luxemburger 2013 eher eine schwarzblaue Regierung gewählt, und nicht unbedingt das Dreierbündnis, das sich schlussendlich zusammenfand. Dies führte dazu, dass viele nach den Wahlen 2013 das ungute Gefühl hatten, diese Regierung nicht gewählt und nicht gewollt zu haben, was ein schlechter Start für Sympathiewerte gewesen ist.
Darüber hinaus sind viele Regierungsmitglieder relativ jung, was auf Anhieb attraktiv und erfrischend wirkt; allerdings haben ältere Politiker mehr Lebenserfahrung, kennen die Sensibilitäten aller Generationen, und haben mehr Erfahrung im Dialog mit verschiedenen Berufs- oder Bevölkerungsgruppen. Schlussendlich ist es nämlich der sensible Umgang mit den Menschen, der Respekt vor allen Berufsgruppen und allen Generationen, die Fähigkeit, die Betroffenen von Sparmaßnahmen mit ins Boot zu nehmen, sich als Regierung verständlich zu machen und die richtigen Wörter zu finden, die den ganzen Unterschied ausmachen.
Die relativ rasanten Schritte, die Gesellschaft ändern zu wollen, waren nicht falsch, aber auch nicht prioritär angesichts gravierender Akten wie Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit, Wohnungsprobleme, der fortschreitende soziale Graben zwischen arm und reich, die Herausforderungen der wirtschaftlichen Erneuerung sowie die Verbindung von Familie und Beruf. Ein sachlicher, vorsichtiger Umgang mit diesen Themen, eine tiefgründige Analyse der diesbezüglichen Probleme, der Dialog mit Berufsgruppen und Gewerkschaften, mit Vätern, Müttern und Großeltern, wären sicherlich ein wichtiger Ansatz gewesen. Die Politik steht jedoch, insbesondere durch ihre Mediatisierung, stets unter Druck, attraktiv „herüber zu kommen“, den richtigen stimmigen Satz im richtigen Moment zu finden, und genau diese politische Kultur wird dann realistischen Problemlösungen zum Verhängnis. Noch bleiben der Regierung drei Jahre, um der Bevölkerung Gehör zu schenken, sich mit dem Graben zwischen Politik und Bürgern auseinanderzusetzen, und an der Lösung von Problemen weiterzuarbeiten. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Gambia-Koalitionäre das weniger gut können als jene Parteien, die derzeit in der Opposition sind.


