NIC. DICKEN

„Wir werden sie jagen!“ Mit diesem drohenden Satz machte unmittelbar nach den letztjährigen Bundestagswahlen in Deutschland der AfD-Führer Alexander Gauleiter - pardon: Gauland! - deutlich, worauf sich die weiterhin stärkste Partei und vor allem die mutmaßliche Wieder-Kanzlerin Angela Merkel in den nächsten Jahren würde einstellen müssen. Im Bestreben, „uns unser Land und unser Volk zurückholen“ zu wollen, ist der rechtsextreme Protestverein schon sehr schnell selbst auf den Boden der Tatsachen, sprich der menschlichen Fehler und Schwächen, zurückgeholt worden, weil sich die Mit-Gauländerin Alice Weidel mit den Händen in fremden Kassen oder gewissermaßen mit beiden Füßen im Futtertrog hat erwischen lassen. Illegale Parteienfinanzierung passiert halt nicht nur den anderen, den „etablierten“ Parteien.

Nachdem bereits andere AfD-Exponenten wegen unterschiedlicher Delikte Bekanntschaft mit den Staatsanwaltschaften hatten machen müssen, steht nun auch urplötzlich die in der Nähe der Schweizer Grenze am Bodensee lebende Alice Weidel im Visier der Ermittler. Der Vorwurf: Annahme von, durch „Ratenzahlung“ gut getarnten massiven Geldzuweisungen aus dubiosen Quellen, die selbstverständlich auch Steuer- und andere Fahnder auf den Plan riefen. Auch wenn bis zur Klärung des Falles die Unschuldsvermutung zu gelten hat, ein Prinzip, das die AfD gerne für sich und weniger gerne für andere in Anspruch nimmt, so kann man doch die Ermittlungsveranlassung keinesfalls außen vorlassen.

Dass sie, was Finanzierungsbedarf und Vorteilsgelüste angeht, nicht weniger anfällig ist als die „Etablierten“, das hat die vorgeblich so staatsrechtsbewusste AfD nach gerade mal einem Jahr Zugehörigkeit zum Bundestag deutlich unter Beweis gestellt. Warum auch sollten Menschen, die anderen Mitbürgern mit ungleich größeren Problemen nicht einmal die Butter auf dem Brot gönnen, weniger anfällig sein für die Verlockungen des schnöden Mammon als jene, die das schon länger gewohnt sind?

Weniger um den schnöden Mammon geht es in einem Fallbeispiel der letzten Wochen, wo ebenfalls die Jäger zu Gejagten geworden sind. Bei der quasi im Namen der Staatsräson verfügten Exekution des aus Saudi-Arabien stammenden Journalisten Jamal Khashoggi gab es zunächst viele ungeklärte Fragen um dessen Verschwinden aus den Räumen des saudischen Generalkonsulates in Istanbul. Erst nach und nach fügten sich die Erkenntnisse wie Puzzle-Teile zu einem grausamen, unmenschlichen Bild zusammen, das weltweit für Entsetzen und Ekel gegenüber dem offensichtlich blind machtgeilen Wüstenstaat gesorgt hat.

Die durch massive Erdölvorkommen zu unermesslichem Reichtum gelangten Saudi-Fürsten fühlen sich gegenüber ihren Untertanen mit unbegrenzter Verfügungsmacht ausgestattet. Jetzt sind sie selbst zu Gejagten geworden, und dass sich an der Hatz jetzt sogar ein anderer gejagter Jäger, D. Trump, beteiligt, sollte sie nicht unbedingt zuversichtlicher stimmen.