LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Ex-Lehrer aus dem LTB steht wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht

Ein Mann mit Hornbrille und kurzem Haarschnitt saß gestern auf der Anklagebank. Mindestens dreizehn Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern, davon mehrere Vergewaltigungen, wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor, bei dem es sich um einen Lehrer, Christian R. (46), Ex-Direktions-Attaché des „Lycée technique de Bonnevoie“ (LTB), handelt. Der Missbrauchsfall schockierte sogar erfahrene Ermittler. Auch weil ein Jugendlicher Selbstmord begangen hat.

Ihren Anfang nahm die Geschichte bereits im Jahr 2011. Die Taten sollen sich zwischen Oktober 2011 und Oktober 2012 abgespielt haben. Dann soll der Mann der Staatsanwaltschaft zufolge noch zwischen dem 31. Oktober 2014 und dem 3. September 2016 einige Minderjährige missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft wollte nicht, dass die betroffenen Jungen vor Gericht aussagen müssen. „Kein einziges Opfer sollte erscheinen müssen.“ Mehrere Zeugen hat die Kriminalkammer aber geladen. Vier Verhandlungen sind für diesen Prozess vorgesehen.

Gestern also der Prozessauftakt gegen den 46-Jährigen vor der Kriminalkammer am Bezirksgericht Luxemburg. Am 13. März 2016 kontrolliert die Mutter eines Minderjährigen dessen Handy. Dabei stellt sie fest, dass ihr Sohn sich der Prostitution hingibt. Als sie den Sohn zur Rede stellt, will der nicht reden. Die Mutter meldet der Polizei den Fall. Die Sache führte am 26. September 2016 zu einem zweiten Ermittlungsverfahren und zu einer weiteren Hausdurchsuchung. Bei der zweiten Hausdurchsuchung fanden die Ermittler heraus, dass der Angeklagte über „Gay chat and dating - Planet Romeo“ den Jugendlichen Geld für Sex angeboten hat. Im Computer fanden die Ermittler außerdem Nacktfotos von männlichen Jugendlichen, die angeschrieben wurden, um sich der Prostitution hinzugeben. Es ging um Oralsex und vieles mehr. Ein Polizist gab zu Protokoll, es gebe zahlreiche Aussagen von Opfern und umfangreiches Bild- und Videomaterial, das die vorgeworfenen Gewalttaten dokumentiere. Die Ermittler fanden 2.607 Kontakte, 758 E-Mails und 311 SMS im Handy des Angeklagten. Am 20. Februar 2019 wird ein 17-Jähriger bei der Polizei vorstellig. Er zeigt den Lehrer wegen Vergewaltigung an. Der Junge behauptet, R. hätte ihn festgehalten und vergewaltigt. Weiter gibt er zu Protokoll, der Professor hätte ihn „zu einer männlichen Hure gemacht.“ Dreizehn Minderjährigen, die nicht der Schulgemeinschaft des LTB angehören, soll er Geld für ihre sexuellen Dienste angeboten haben. Der Anwalt des Angeklagten, Me Sébastien Lanoue, untersucht Artikel 375-2 des luxemburgischen Strafgesetzbuches anhand einer Stellungnahme des Juristen Dr. Stefan Braun. Der Anwalt stellt fest, dass der Artikel 375-2 nicht konform zu Artikel 6 der Menschenrechtscharta sei. Es geht um das Verhältnismäßigkeitsprinzip, das nicht angewandt wird, sagt Me Lanoue, „wir wollen alle, dass die Minderjährigen, die unter 16 Jahre sind, geschützt werden.“

Der Prozess wird heute fortgesetzt.