NIEDERANVEN
PATRICK WELTER

Wie macht man Wahlkampf in einer Gemeinde die 70 Millionen Euro im Sparstrumpf hat? Da kann es nur eine Antwort geben: Auf ganz sachlichem Niveau. In unserem Gespräch mit dem ersten auf der Liste der DP in der Gemeinde Niederanven, Conny van der Zande, der seit 2014 dem Gemeinderat angehört, wollen wir daher zunächst einmal wissen, was denn in der Gemeinde gut läuft. Conny van der Zande ist 62 Jahre alt und war vor seinem Eintritt in den Ruhestand Direktor von MIELE-Luxemburg, einem Unternehmen dem er 37 Jahre angehörte.

Natürlich ist die finanzielle Lage gut, denn die Reserven sind erheblich - siehe oben. Andererseits gehört Niederanven zu den ganz wenigen „Verlierern“ der Gemeindefinanzreform, deren Einkünfte jetzt zumindest nominell zurückgehen. Allerdings verführe die gute Kassenlage auch zu Projekten wie einem „Maison Relais“ das mit Kosten von 20 Millionen Euro objektiv viel zu teuer sei, meint der Spitzenkandidat.

Auch das Alten- und Pflegeheim „Gréngewald“ am Sand , das nach Querelen mit dem vorherigen Betreiber jetzt von Sodexo gemanagt wird, laufe gut. Van der Zande erinnert daran, dass der Standort am Sand, der sich zu einem Dienstleistungszentrum der Öffentlichen Hand entwickelt hat, auf eine alte liberale Initiative zurückgeht.

Zuviel Verkehr

Ein großes Problem für die Gemeinde ist der Durchgangsverkehr. Conny van der Zande spricht von Raserei, vor allem auf der Strecke von Roodt/Syre Richtung Senningerberg, respektive durch Ernster und Rammeldingen. Die anhaltend wachsenden Pendlerströme haben dafür gesorgt, dass der Verkehr, der nach Eröffnung der Trierer Autobahn auf der Nationalstraße durch den Ort zunächst zurückgegangen war, nun wieder in den Spitzenstunden drastisch zugenommen hat. Ähnliches gilt auch für die Verbindungsstraße zwischen Niederanven und Munsbach. Verkehrsentlastung tut Not, denn das geplante Pendlerparkhaus „Heienhaff“ wird nur die Hauptstadt entlasten. Die DP würde sich in einem Schöffenrat für den Bau von Lärmschutzwänden oder - wällen entlang der Autobahn stark machen, um die Lebensqualität der Anwohner zu verbessern.

Wer soll wo wohnen?

Das größte Problem der Gemeinde Niederanven sind für Conny van der Zande die hohen Preise für Wohnungen und Bauplätze. Leider können sich nur noch „Bessergestellte“ eine Wohnung oder Haus in Niederanven leisten, meinte er in unserem Gespräch. Eine Möglichkeit Abhilfe zu schaffen sieht er darin, dass die Gemeinde Baugrund verstärkt im Wege der Erbpacht abgibt. Ein anderer Weg wäre die Förderung von Wohngemeinschaften.

Ein zukünftiger Schöffenrat sei in vielerlei Hinsicht gefordert. „Wir müssen Prioritäten für junge Leute setzen“, meint Conny van der Zande. Sei es durch die Förderung von Start-ups oder Hilfen für junge Ärzte bei einer Praxisgründung in der Gemeinde, denn die Zahl der praktizierenden Allgemeinmediziner nimmt in Niederanven kontinuierlich ab. Aktuell gibt es nur noch drei in der Gemeinde. Man könnte mit kommunalen Mitteln Gemeinschaftspraxen fördern, die den einzelnen Ärzten erträgliche Arbeitszeiten und eine höhere Lebensqualität bieten würden.

Auch in Sachen „Drittes Alter“ sei Umdenken angesagt. Die klassischen Altersheime werden mehr und mehr zu Pflegeheimen, die Senioren wechseln immer später in diese Einrichtungen. Sie wollen so lange wie möglich selbstständig bleiben, stellt Conny van der Zande fest, was im Umkehrschluss bedeute, dass die Gemeinde mehr und mehr in Betreutes Wohnen investieren muss. Das tut sie bei einem anstehenden Projekt in der Rue Laach in Niederanven

Wachstum darf sein

Während die Nachbargemeinde Schüttringen auf ein moderates, um nicht zu sagen gebremstes, Wachstum setzt , sieht Conny van der Zande kein Problem im weiteren Ausbau des Gewerbegebiets „Syrdall“. Seiner Meinung nach könnte ein Ausbau die kommunalen Einnahmen in den Jahren 2020 oder 2021 wieder auf das gewohnte Niveau anheben.

Bedauerlich ist es für den Spitzenkandidaten der DP, dass der Schöffenrat den Wegzug der Firmensitze von Cargolux und Luxair einfach so hingenommen hat.

Berg und Tal

Auch in Sachen Busverkehr läuft nicht alles wie gewünscht, meint Conny van der Zande. Das System des kommunalen Rufbusses „Charly“ sei zwar verbessert worden, aber noch immer kranke die Gemeinde daran, dass der Öffentliche Personenverkehr mit den RGTR-Bussen nur auf zwei Achsen quasi parallel in Ost-West Richtung verläuft. Eine Nordsüdverbindung zwischen den einzelnen Ortsteilen fehlt, eine Buslinie sollte im Halbstunden- oder zumindest im Stundentakt alle Ortsteile anfahren

Im Zusammenhang damit stehe vielleicht auch die geringe Nutzung des Jugendhauses, die Jugendlichen aus Rammeldingen und Ernster haben kaum eine Möglichkeit ins Jugendhaus zu kommen, erläutert der Spitzenkandidat weiter. Im Moment liege die Nutzungsquote des Hauses im Promillebereich.

Abhilfe in Sachen Verkehr könnte man gerade für ein junges Publikum mit dem Aufbau eines Miet-eBike-Systems schaffen, was zum einen den Anschluss an die Trambahn Richtung Hauptstadt ermögliche und zum anderen deshalb eBikes, weil die Topografie der Gemeinde für typische Radfahrer ungeeignet ist.

Gute Stimmung

Conny van der Zande beschreibt die Stimmung im Gemeinderat als gut, die Zusammenarbeit funktioniere und alle Fraktionen arbeiteten im Sinne der Bürger. Wobei die Wahl 2017 einen wichtigen Einschnitt darstellt. Mit nun amtlichen 6.150 Einwohnern steigt nämlich die Zahl der Sitze im Rat von elf auf dreizehn. Womit die absolute Mehrheit bei sieben Räten liegt

Die DP Liste, die mit Conny van der Zande antritt, reicht altersmäßig von 29 bis 66 Jahren, was einen Durchschnitt von 49 Jahren entspricht. Er bedauert, dass neben neun Männern nur vier Frauen auf der Liste kandidieren, aber viele Frauen seien beruflich, privat und im Vereinsleben so ausgelastet, dass sie nicht noch ehrenamtlich Politik machen können.

Grundsätzlich setzt die DP setzt auf mehr Transparenz bei den kommunalen Entscheidungen und einen höhere Bürgerbeteiligung. Ebenso auf einen besseren Bürgerservice, der schon mit flexiblen Öffnungszeiten in der Gemeindeverwaltung zu erreichen wäre.

Nur vordergründig ländlich

Steckbrief Niederanven

Niederanven gilt gemeinhin als eine der reichsten Gemeinden im Land, das liegt vor allem daran, dass große Teile des Flughafens und des Büroviertels in dessen Umfeld zum Territorium der Gemeinde gehören. Selbst das neue Straßenbahndepot am östlichen Rand von Luxemburg-Kirchberg, steht zum Teil auf Niederanvener Gebiet. Zu Niederanven gehören die Ortschaften und Weiler: Ernster, Hostert, Niederanven, Oberanven, Rameldange, Senningen, Senningerberg, Stafelter und Waldhof. Die Fläche beläuft sich auf 4.136 Hektar, die Einwohnerzahl liegt aktuell bei 6.150 Bürgern. Zurzeit wird der Schöffenrat von CSV und LSAP, mit Bürgermeister Raymond Weydert an der Spitze gestellt. DP und Déi Gréng bilden die Opposition.