LUXEMBURG
JEFF KARIER

Chucklefish Games ist mit „Wargroove“ ein großartiges Rundenstrategie-Spiele gelungen

Glänzende Augen werden wohl jene bei der Ankündigung von „Wargroove“ bekommen haben, die in den frühen 2000ern Spiele wie „Advance Wars“ auf dem Game Boy Advance gespielt haben. Denn genau diese hat sich der Titel aus dem Haus Chucklefish Games als Vorbild genommen, aber einige eigene Ideen hineingepackt. Angefangen bei dem Szenario.

Denn wir befinden uns bei „Wargroove“ in einer Fantasy-Welt, die dabei eine recht klassische Story erzählt. Diese ist reizend und in gelungenen Zwischensequenzen erzählt, jedoch nur Mittel zum Zweck. Denn das Kampfsystem ist das Herzstück des Spiels.

Taktische Feinheiten

Dieses ist auf den ersten Blick recht simpel, gewinnt aber durch kleine Feinheiten taktische Tiefe. Getreu dem Schere, Stein, Papier-System sind Einheiten entweder effizient oder anfällig gegen andere. Möchte man etwa die Kavallerie des Gegners aufhalten, wählt man am besten Speerträger. Sind fliegende Einheiten das Problem, sind Alchemisten eine sehr gut Wahl. So muss man seine Truppen entsprechend auswählen, um eine Antworten auf die Angriffe des Gegners zu haben beziehungsweise um dessen Verteidigung zu knacken.

Da im Laufe der Kampagne immer neue Einheiten hinzukommen, wird man zu Anfang nicht erschlagen und es warten auch nach Stunden des Spielens noch Neuheiten auf den Spieler. Toll ist auch, dass jede Einheit andere Konditionen hat, um kritischen Schaden zu verteilen. So verbreiten Speerträger den meisten Schaden, wenn sie beieinander stehen. Drachen fügen hingegen Einheiten, die auf einer Straße stehen, verheerenden Schaden zu. Dies hat entscheidenden Einfluss darauf, wie wir unsere Einheiten bewegen und verleiht dem Spiel eine zusätzliche taktische Facette. Außerdem ist jeder Kommandant nicht nur an sich schon eine starke Einheit, sondern verfügt über eine individuelle Spezialfähigkeit, die weitere Möglichkeiten eröffnet.

Dass die KI in den meisten Fällen nicht kopflos agiert und sich oft geschickt außerhalb der Reichweite unserer Einheiten bewegt, sorgt außerdem für eine echte Herausforderung. Das kennt man aus anderen Strategiespielen wesentlich schlechter.

Ebenfalls sehr gelungen ist das Design der Karten. Diese werden mit der Zeit immer komplexer, größer und somit auch anspruchsvoller. Hinzu kommt ein Missionsdesign, das hin und wieder für etwas Abwechslung sorgt. So muss man in einigen Missionen mit vorgegebenen Einheiten sein Ziel erreichen, in anderen sich in einer vorgegebenen Zeit durch die Karte kämpfen.

Am Ende jeder Mission wartet eine Bewertung der eigenen Leistung, wobei etwa die Zahl der Züge sowie die verlorenen Einheiten berücksichtigt werden. Hier scheint es zumindest gefühlt nicht ganz ausbalanciert zu sein. So haben wir bei einigen Missionen ohne Probleme ein S, die Höchstnote, bekommen, bei anderen selbst im dritten Versuch und viel Planung kamen wir nicht über ein B hinaus.

Neben der Kampagne gibt es unter anderem noch den Arcade Mode, in dem man einen Kommandanten auswählt und auf speziellen Karten gegen den Computer antritt. Auch gibt es Puzzle, spezielle Szenarien, die man lösen muss. Das Entwicklerteam ist jedoch sehr bemüht, das Spiel weiter zu verbessern. So bietet der Patch 1.2 einige großartige Verbesserungen. So kann man in Missionen einen Checkpoint setzt. Wenn man also scheitert, muss man nicht von vorne beginnen, sondern ab diesem Punkt. Das war auch nötig, denn einige Missionen können eine Stunde oder Länge dauern. Muss man wieder ganz von vorne beginnen, kann dies frustrieren.

Auch wurde die Anzeige für die Effizienz oder Anfälligkeit gegenüber anderen Einheiten überarbeitet. Hinzu kommen einige Änderungen im ebenfalls enthaltenen und sehr guten Multiplayer, die neue Möglichkeiten eröffnen.

Mächtiges Werkzeug für Kreative

Ein Großer Pluspunkt ist der umfangreiche Editor, der in Kombination mit einer passionierten Community viele weitere Stunden Spaß mit „Wargroove“ verspricht. Denn mit diesem kann man sogar ganze Kampagnen samt Handlung und Zwischensequenzen erstellen. Da das Spiel Crossplay zwischen PC, Switch und Xbox One unterstützt, lassen sich die selbsterstellten Inhalte miteinander teilen. Nur PS4-Nutzer schauen hierbei in die Röhre, wie eigentlich immer.

Alles in allem ist „Wargroove“ ein großartiges Spiel, das durch die Patches eigentlich perfekt ist. Besonders auf der Switch hatten wir viel Spaß, da man das Spiel immer und überall spielen kann und uns an die guten alten Game Boy-Zeiten erinnert hat. Jeder, der etwas für Rundenstrategie und Pixelgrafik übrig hat, muss zugreifen. Besonders, da es lediglich 16,99 Euro kostet.

Getestet auf Switch und PC.