LUXEMBURG/MARIENTAL
DANIEL OLY

Drei Tage geteilter Sattel beim Inklusionsprojekt „Tandem Together“

Drei Tagesabschnitte, knapp hundert Kilometer Strecke, 14 Teilnehmer - und ein geteilter Sattel mit einem gemeinsamen Ziel: Eine bessere Inklusion. Um dafür zu werben, startete am vergangenen Dienstag das Projekt „Tandem Together“ vom SNJ-Zentrum im Marienthal auf seine dreitägige Reise Richtung Luxemburg-Stadt.

Mit dabei sind 14 Jugendliche unterschiedlicher Nationalitäten, die sich gemeinsam Tandem fuhren. Die Idee ist denkbar einfach, wie Projektkoordinator Max Wagner vom SNJ erklärte: „Wenn die jugendlichen zusammen arbeiten müssen, um auf dem Tandem zu bleiben, dann entsteht schon mal der erste Teil der Kooperation, des Zusammenseins. Sie müssen ihre gemeinsame Sprache finden, ein gemeinsames Niveau, bei dem beide glücklich sind.“

Koordination und gemeinsame Sprache

Am Montag wurde im Marienthal erstmal geschnuppert: Die Jugendlichen kannten sich nicht, und gemeinsam auf dem Tandem sitzen war offenbar nicht so leicht. Die ersten Runden liefen deshalb eher holprig. Ob das gut geht? Gut versorgt sind sie jedenfalls, denn Trainer des SNJ stehen ihnen zur Seite. Wagner erklärt, das Projekt sei im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem „Hariko“ und „I am not a refugee“ entstanden: „Sie haben die Idee gebracht, das vom SNJ bereits angebotene Programm mit Tandem-Kursen, mit einem Projekt zur Zusammenführung von Schutzbedürftigen zu verknüpfen“, meint er.

Das ganze Projekt ist denkbar inklusiv geplant: Es wird auch von einer zweiten, neunköpfigen Gruppe an Jugendlichen begleitet, die für das Event einen Kurzfilm anfertigen werden. Alle Anwesenden waren bereits am Montag guter Dinge, bevor die erste Etappe am Dienstag vom Mariental nach Erpeldingen führte - meist querfeldein, versteht sich. Ein Kraftakt.

Motivationsschub vor dem Ende

Nach den dreitägigen Strapazen waren die Teilnehmer am Donnerstagnachmittag sichtbar erleichtert, als sie die Ziellinie in Bonneweg am „Hariko“ überquert hatten. „Es war richtig, richtig schwer“, verriet ein Teilnehmer aus Afghanistan im Gespräch - und klagte wie die meisten Tandemfahrer mit einem lachenden Auge über leichte Schmerzen. „Jeden Tag rund sieben Stunden zu zweit auf dem Tandem, das schlaucht doch sehr“, seufzte er.

„Dennoch war es eine großartige Erfahrung“, versicherte er. Der Ansicht war auch eine der Damen im Gespann: „Ich dachte nicht, dass ich das schaffen würde“, sagte sie. „Deshalb bin ich richtig stolz auf mich und auf uns alle.“ Auch die Teilnehmerin der Mediengruppe, die sich um das Filmen der Tandemtour kümmerte, freute sich: „Ich habe hier sehr viel lernen können!“

Für Motivation sorgten auch namhafte Partner wie Außenminister Jean Asselborn, Ex-Profi Andy Schleck oder Weltumradler Yannis Bastian. Letzterer gab den Teilnehmern am vorletzten Tag neuen Mut, als er ihnen von seiner langen Reise erzählte.

Die Teams, die auf den Streckenabschnitten gemeinsam durch Dick und Dünn mussten, sind eigenen Aussagen zufolge über die Tage richtig zusammen gewachsen. „Ich wusste vorher nicht, dass ich das kann“, meinten ein weiterer Tandem-Radler. Sein Partner stimmt zu: „Dann hat sich aber sehr schnell der nötige Teamgeist gebildet.“

Der SNJ-Trainer Marcel Gengler ist entsprechend zufrieden mit dem Resultat: „Es gab zwar unterwegs das ein oder andere kleine Problem, aber letztendlich ging es immer weiter“, sagte er. „Wir haben manchmal an mehr Zusammenarbeit appellieren müssen, aber insgesamt war es ein voller Erfolg!“