ESCH/ALZETTE
DANIEL OLY

Mehr Effizienz und gesteigerte Kapazitäten im Mittelpunkt des Klimapakt-Tages 2019

Eigentlich liegt Luxemburg auf dem sehr guten 6. Platz im Pro-Kopf-Ranking der Photovoltaikanlagen in der EU. In der Realität steht es aber noch immer nicht rosig um die nachhaltige Zukunft, auch wenn sich immerhin alle Gemeinden des Großherzogtums zur Teilnahme am Klimapakt-Programm bis 2020 verpflichtet haben. Trotzdem muss die Effizienz rauf- und der Anteil an fossilen Brennstoffen herabgesetzt werden, damit es was mit dem Klimaschutz wird.

Klimapakt europaweit vorbildlich

Anlässlich des 7. Klimapakt-Tages hatte die Stadt Esch deshalb zusammen mit dem Nachhaltigkeits- und dem Energieministerium sowie mit „MyEnergie“ eingeladen, um über die Klima-Zukunft und die gemeinsamen Pläne bis 2030 zu sprechen. Hintergrund der Sitzung war auch der „Klimapakt 2.0“, der die Energiepläne bis 2030 auf den Tisch bringt. Natürlich war die Minettemetropole Esch als Austragungsort weise gewählt: „Wir sind nicht nur eine Uni- und Kulturhauptstadt“, meinte der erste Schöffe der Stadt Esch bei der Eröffnung. „Wir sind auch eine Klimastadt, denn wir haben ein hervorragendes Resultat erreicht und sind jetzt im Gold-Rang des Klimapaktes.“ Dieser Rang belohnt Städte, die 75 Prozent der Ziele umgesetzt haben - Esch ist eine von nur neun Gemeinden, die dieses Privileg innehaben. „Wir haben viele herausragende Projekte, investieren viel in den Photovoltaikanlagen - Minister Turmes kann dies bestätigen“, schmunzelte er. Daneben habe die Gemeinde viel Wasser durch ein Audit seines Schwimmbades einsparen können und setze inzwischen auf Fernwärme für die Heizungen der Stadt, deren Hitze aus den Hochöfen der Stahlindustrie gespeist wird. „Wir haben so viele Vorzeigeprojekte die verdeutlichen, dass sich ein Einsatz für den Klimapakt lohnt“, fasste er zusammen.

Mit der Überzeugung steht er nicht allein da; Claude Turmes, Energieminister, erklärte vor Ort, welche Rolle die Gemeinden bei der Umsetzung nachhaltiger Ziele und der Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien spielen können. „Selbst die beste Regierung schafft den Kampf gegen den Klimawandel nicht allein. Es braucht auch die Gemeinden. Deshalb ist der Klimapakt ein Modell, nicht nur für Luxemburg, sondern für ganz Europa“, betonte er. Mit dem neuen Klimapakt werde sich jetzt ein nochmals ambitiöseres Ziel bis 2030 gegeben. „50 Prozent weniger CO2. 40 bis 44 Prozent Effizienz. 25 Prozent erneuerbare Energien. Wir wollen vorne mit dabei sein, mit Schweden oder Spanien“, meinte Turmes. Denn eine gesteigerte Effizienz sei das einzige Mittel, um Luxemburgs derzeitige Dynamik in der Wirtschaft zu erhalten und trotzdem ein positives Klimaziel zu erreichen. „Unser Energiebedarf ist zu gigantisch, um weiterhin ineffizient zu arbeiten.“

Neue Gesetze und mehr Hilfen

Zu diesem Zweck sollen einerseits effizientere Gebäude von den öffentlichen Einrichtungen vorgelebt, andererseits aber auch aggressivere Strategien bei der Photovoltaik und der Windkraft umgesetzt werden. „Mehr Windmühlen, bessere Preise für Solarenergie, eine bessere Begleitung bei der Planung“, fasste er zusammen. Ein wichtiger Bestandteil sollen neue und bessere Indikatoren sein, samt effizienter erfasster Daten. Das soll bei der Planung ebenso helfen wie ein verbesserter Arbeitsrahmen für Gemeinden, die enger mit Partnern wie dem SIGI, dem Klimabündnis oder der Umweltberatung EBL kooperieren könnten.

Helfen sollen auch neue Gesetze, die Dinge bei der Umsetzung vereinfachen sollen und mehr Spielraum zulassen, wenn es zum Beispiel um die Renovierung bei Gebäuden geht. „Da gibt es noch sehr viel aufzuholen“, merkte Turmes an. Zudem müsse schärfer kontrolliert werden, ob energiesparende Bauvorhaben auch tatsächlich planmäßig umgesetzt würden. Turmes kündigte hierfür politische wie auch organisationelle Hilfen an, um stichprobenartige Kontrollen zu ermöglichen.

Mehr Bürgerbeteiligung steht ebenfalls auf der Agenda. Gemeinden soll stärker unter die Arme gegriffen werden, um auch Mitbürger dazu zu ermuntern, eine aktive Rolle einzunehmen - etwa über stärkere Kooperationsmaßnahmen, mehr Förderungsgelder oder über neue Regeln für den Eigenbedarf bei der Photovoltaik.

Auch Umwelt- und Nachhaltigkeitsministerin Carole Dieschbourg zeigte sich vorsichtig optimistisch im Bezug auf das vorläufige Resultat des Klimapaktes bis 2020. „Es ist positiv, dass wir vom ,Über das Klima sprechen‘ längst zum ,Etwas am Klima ändern‘ voran geschritten sind.“ Der derzeitige Klimapakt sei deshalb eindeutig ein positiv aufgenommenes Instrument, das von den Gemeinden mit Feuereifer umgesetzt wurde. „Das muss jetzt erweitert werden, um bis 2030 neue, weitere konkrete Pläne zu umfassen. Das Leitmotiv muss lauten: Mehr Kompetenz, mehr Zusammenarbeit, mehr Effizienz.“ Die geplante Reduktion von Treibhausgasen bis 2030 von mehr als 50 Prozent gehe nur mit den Gemeinden, betonte sie. „Denn gemeinsam mit den Gemeinden heißt auch, gemeinsam mit den Bürgern… eine Transformation, die nur zusammen zu schaffen ist.“ Mit herauf geschraubten Anforderungen sieht sie aber ein positives Resultat in der Zukunft. „Dafür werden die Gemeinden und Bürger nochmals besser beraten, damit sie es nochmals besser umsetzen können“, meinte sie. „Der Wille zum Wandel ist nämlich unverkennbar. Bei den Gemeinden wie bei dem Bürger.“ Große Projekte sollen so gemeinsam schneller weitergetrieben werden können. „Besonders in Bereichen wie dem Wasserwesen und bei Energiefragen sind wir bislang noch immer viel zu weit auseinander“, gab sie als Beispiel an. Hier müsse es noch mehr Vorgaben und Planung geben, damit Gemeinden stärker zusammen arbeiten.

Ein neues Mittel soll die „Solar Challenge“ sein. Der Wettbewerb für Gemeinden sucht den Betreiber, der bis Oktober 2020 das am stärksten gewachsene Photovoltaiknetz auf die Beine stellen kann. „Das soll Anreize schaffen“, meinte Turmes. Auch sollen Energiekooperativen in Zusammenarbeit mit Eurosolar Lëtzebuerg und myenergy gefördert werden. Diese könnten Gemeinden in Zukunft erlauben, große Fläche auf einem Dach in Gemeindebesitz schneller zur Energiegewinnung nutzbar zu machen. Für die Gemeinden bieten die Energie-Experten dabei eine Komplettberatung und Vermittlung.