LUXEMBURG
SVEN WOHL

Wie Pen and Paper-Rollenspiele einem ermöglichen, neue Welten zu entdecken

Pen and Paper-Rollenspiele, das bedeutet so viel wie: ein Papierblätterwald, Stifte, einige klobige Regelbücher und Würfel, die man noch nie zuvor gesehen hat. Dazu eine gewaltige Prise Fantasie und eine nette Gruppe an Mitspielern und schon taucht man in eine andere Welt ein. Ein Mitspieler mimt den Spielleiter und erzählt die Geschichte, in denen die anderen Spieler, mehr oder weniger regelkonform, als Hauptfiguren agieren. Eine Geschichte kann kurz und knackig sein, die nächste episch und Jahre überdauern.

Strippenzieher und Schauspieler

„Am Anfang hatte ich unglaublich viel Respekt davor und auch Bammel, dass ich etwas falsch machen würde“, erzählte Sara B. mit Blick auf ihre ersten Runden. „Doch das Wichtigste ist, dass man Spaß und eine gute Gruppe hat.“ Eine Gruppe finden ist tatsächlich meistens der erste Schritt, wenn man sich an Rollenspiele heranwagen möchte. Persönlich hatte sie zuerst mit anderen Rollenspielen, zunächst in Foren Erfahrungen gesammelt. Später hat sie dann über die „Science Fiction & Fantasy Society Luxembourg“ Freunde gefunden, die Spiele organisierten. Vor allem, dass man gemeinsam eine Geschichte erfindet, hat sie fasziniert. Das ist ein Aspekt, der sowohl die Spielleiter wie auch die Spieler anzieht.

Lovecraft und „Heroquest“

„Als Spielleiter steht man auf der Seite des Schöpfers einer erdachten Welt und man ist quasi der Strippenzieher“, schildert Ben B. Er ist seinerzeit über das Rollenspiel „Call of Cthulhu“, basierend auf dem Stoff des Horror-Schriftstellers H. P. Lovecraft, gestolpert: „Ich war sofort vom Konzept begeistert und verfiel auch gleich dem ganzen H. P. Lovecraft-Universum, in dem das Rollenspiel stattfindet.“ Wie verschieden die Schnupperphase ausfällt, sieht man bei Olivier S.: Er hatte seine erste Berührung mit dem Hobby über „Heroquest“, einem Brettspiel, das bereits erste RollenspielElemente beinhaltet. Nach mehreren Kontakten zur lokalen Rollenspielszene Anfangs der 1990er, wurden ihm die Regelbücher von „Advanced Dungeons and Dragons“ der zweiten Edition ausgeliehen. „Mich fasziniert die Tatsache, dass man seiner Fantasie freien Lauf lassen kann“, erzählt er. Bei normalen Brettspielen oder bei Rollenspielen auf dem Rechner oder der Konsole werden einem immer Grenzen gesetzt.

Potenziell unendlich

„Pen and Paper Rollenspiele sind potenziell unendlich und immer wieder neu.“ Der Einstieg wird leichter Heute gestaltet sich der Zugang zum Hobby ein Stück weit leichter, als in den 90ern. Olivier S. empfiehlt, sich online umzuschauen, schließlich gibt es auch hier mehrere Facebook Gruppen. Zuvor sollte man sich allerdings auch überlegen, in welches Genre man am liebsten einsteigen möchte. Weil eben für jeden was dabei sein soll, gibt es hier mittlerweile eine unglaubliche Auswahl. Auch wenn der Platzhirsch „Dungeons and Dragons“, direkt neben dem deutschen „Das schwarze Auge“, am bekanntesten ist, gibt es unzählige System und Settings. Eine Empfehlung hat hier Gérard K. parat: „Für jeden, der neu ins Hobby einsteigen möchte, würde ich empfehlen, dass man in einer Welt spielt, die man vielleicht schon vorher kennt.“ Tatsächlich gibt es mehrere Systeme, die Settings anbieten, die der breiten Maße bekannt ist: „Star Wars“, das erwähnte „Call of Cthulhu“ oder „Star Trek“ sind nur einige wenige nennenswerte Beispiele. „Das führt dazu, dass man sich nur mit den Regeln als Fremd-Element herumschlagen muss, und oft erkennt man dann auch, was die Regeln in dieser Welt eigentlich bedeuten.“

Mal mehr, mal weniger komplex

Die Regelwerke, die bestimmen, wie Spieler mit der imaginären Welt interagieren, können mal mehr und mal weniger komplex sein. „Dungeons and Dragons“ beispielsweise setzt auf ein System mit zahlreichen unterschiedlichen Würfeln, wobei der zwanzigseitige Würfel, der jede Haupthandlung bestimmt, wohl der wichtigste sein dürfte. Individuelle Fähigkeiten, Ausrüstung und dergleichen werden auf einem Charakterbogen festgehalten, den man am besten nur mit Bleistift bekritzelt. Daneben wird noch viel Papier gebraucht, um Notizen zu nehmen. Optional, dafür aber stilvoll, sind Figuren, mit denen sich die Kämpfe ein Stück weit plastischer darstellen lassen. Wer sich für das Hobby interessiert und dennoch etwas Hemmungen hat, dem sei empfohlen, sich ruhig an Veteranen zu wenden. „Die meisten von ihnen sind sehr freundlich und helfen gerne“, meinte dazu Sara B., wobei Olivier S. meint, dass man keine Angst haben dürfte, diese anzusprechen. Rollenspieler sind relativ rar und Interessierte sind stets willkommen. k Eine gute Anlaufstelle ist unter anderem die Facebook-Gruppe der Science-Fiction and Fantasy Society Luxembourg: facebook.com/groups/SFFSLux