LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Grenzgemeinden beider Seiten wollen am Wochenende Zeichen gegen deutsche Grenzkontrollen setzen

Am Samstag ist Europatag und die europäischen Fahnen hängen entlang der Mosel auf Halbmast. Dank der Entscheidung eines deutschen Innenministers aus dem fernen Bayern mit Dienstsitz im noch ferneren Berlin. Die anhaltenden und bis zum 15. Mai ausgeweiteten Grenzkontrollen der deutschen Bundespolizei an den Grenzübergängen von und nach Luxemburg stoßen auf völliges Unverständnis. Nicht nur bei den luxemburgischen Bürgermeistern und anderen Politikern bis hin zu Außenminister Asselborn, sondern auch auf der deutschen Seite wo Bürgermeister und Abgeordnete Sturm gegen die Maßnahme laufen. Aber von der Eifel oder vom Saarland aus sind die Wege nach Berlin sehr lang, auch die politischen.

Einig über Unverhältnismäßigkeit

Rechts und links der Grenze ist man sich einig, dass nichts an dieser Maßnahme verhältnismäßig ist und das jahrzehntelange Zusammenleben gefährdet. Auf ein Handy-Video über das Verhalten eines übereifrigen Bundespolizisten auf der Grenzbrücke Ralingen-Rosport reagierten beide Seiten entsetzt. Anlässlich des Europatages wird in vielen luxemburgisch-deutschen Grenzgemeinden gemeinsam gegen die anhaltenden Grenzkontrollen protestiert.

Beispielsweise gibt es morgen, Freitag, den 8. Mai, eine Protestaktion gegen die deutsche Grenzschließung auf der alten Grenzbrücke zwischen Echternach und Echternacherbrück. Um 12.00 treffen sich dann der Echternacher Bürgermeister Yves Wengler und der Gemeinderat der Abteistadt mit dem Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Joachim Streit, und dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Südeifel (Irrel/Neuerburg), Moritz Petry, und weiteren politischen Vertretern aus dem nahen Deutschland.

Keep Schengen alive!

Einen Tag später, dem Europatag am 9. Mai treffen sich die Vertreter der Stadt Grevenmacher mit Bürgermeister Léon Gloden mit ihren Nachbarn aus der Gemeinde Wellen und deren Ortsbürgermeister Hans Dostert um 11.00 auf der Brücke über die Mosel. Trotz aller aktuellen Widrigkeiten wird die „Maacher Musek“ die Europahymne als Zeichen des Zusammenhalts spielen. Schengen, das Symbol für ein grenzenloses Europa, steht aufgrund der Situation medial im Mittelpunkt. Derzeit wird der Schengener Bürgermeister Michel Gloden von Anfragen internationaler Medien regelrecht überflutet. Diese Aufmerksamkeit will man am Samstag auf ganz besondere Art nutzen: Ähnlich wie in den anderen Grenzorten arbeiten auch hier die Bürgermeister von Schengen und Perl zusammen. Sie werden die Europa-Flagge am Europa-Denkmal nicht auf Halbmast setzen, sie werden sie ganz einholen und stattdessen eine neue Flagge mit dem Slogan „Keep Schengen alive“ hissen. Nicht nur an der Mosel tut sich was. In Düdelingen laden Bürgermeister und Schöffen ebenfalls für Samstag 11.00 zu einem kleinen Festakt „Fir een Europa mat oppene Grenzen - Für ein Europa ohne Grenzen“ auf den Rathausplatz ein. Dort werden auch Gemeindevertreter aus der französischen Nachbargemeinde Volmerange-les-Mines als Gäste erwartet.