LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Wie viele Genossenschaften - „associations agricoles“ - sind aktiv?

Erst die bäuerlichen Genossenschaften haben in unserer kleinräumigen Landwirtschaft dafür gesorgt, dass es mit der Landwirtschaft und den Landwirten aufwärts geht. Der große Vorreiter des Genossenschaftsgedankens war Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der so die Bauern im Westerwald aus ihrer bitteren Armut herausführte.

Die beiden liberalen Abgeordneten André Bauler und Gusty Graas haben sich auf die wichtige Rolle der landwirtschaftlichen Genossenschaften besonnen, die in den verschiedensten Bereichen der Landwirtschaft tätig seien und auch Arbeitsplätze generierten. Um detaillierte Auskunft über den Stand der Dinge zu erhalten, richteten sie eine parlamentarische Anfrage an Landwirtschafts- und Weinbauminister Romain Schneider (LSAP).

Bauler und Graas wollten wissen, wie viele bäuerliche Genossenschaften es noch gibt, auf welchen Gebieten sie aktiv sind und wie viele Personen von den Genossenschaften beschäftigt werden. Nach welchen Kriterien werden die Verbände finanziell vom Staat gefördert? Wie haben sich die Zuschüsse seit 2010 entwickelt?

115 „associations agricoles“

Laut Landwirtschaftsminister Schneider werden im Handelsregister 115 Genossenschaften (associations agricoles) geführt, die der großherzoglichen Verordnung von 1945 über Genossenschaften entsprechen. Die Mehrheit davon sind kleinere Zusammenschlüsse, die kein oder nur wenig Personal beschäftigen. Dazu zählen etwa 45 Lokalvereine und Maschinengenossenschaften. Während sich die ersteren um den gemeinsamen Einkauf aller Produkte kümmern, die für einen landwirtschaftlichen Betrieb notwendig sind, beschränken sich die anderen, umgangssprachlich oft „Maschinenring“ genannt, mit dem gemeinsamen Ankauf und Betrieb von landwirtschaftlichen Spezialmaschinen.

Unter den Begriff der „associations agricoles“ fallen auch rund 30 Sektionen des Gartenbauvereins CTF. Im Weinbau gibt es zwölf Spritzgenossenschaften für die Pestizidbehandlung der Weinberge per Helikopter.

Der Minister zählt noch zehn Einkaufsgenossenschaften auf, ohne sie einer landwirtschaftlichen Sparte zuzuweisen. Dazu kommen fünf Verbände für die gemeinsame Aufzucht von Großvieh und drei Kleintierzüchtervereine.

Einige Verbände nannte Schneider namentlich, die offensichtlich nicht ganz in das Schema passen: Die sind die Bio-Bauere-Genossenschaft (BioG), CTF (Coin de Terre et du Foyer), die Luxemburger Saatbaugenossenschaften, die Luxlait, den Maschinen und Betriebsring (MBR) und Synplants (Eislécker Setzgromperen).

Die finanzielle Förderung der verschiedenen landwirtschaftlichen Zusammenschlüsse erfolgt nach bilateralen Abkommen und sind entweder Beiträge zu den Personal- und Betriebskosten oder fördern den Absatz bestimmter landwirtschaftlicher Produkte. Punktuell können auch Forschungsprojekte, Veranstaltungen oder Ankäufe finanziell unterstützt werden.

Laut Minister Schneider kann die exakte finanzielle Förderung der Genossenschaften über die letzten Jahre hinweg nicht konkret dokumentiert werden, da die Summen aus differierenden Budget-Artikeln resultierten. Für das Jahr 2018 nennt der Minister eine Gesamtfördersumme von 2.070.000 Euro, die aus zwei Haushaltstiteln gespeist wurde. Schneider bezeichnet die Förderhöhe der „associations agricoles“ als relativ konstant.

Big Player fehlen

Was für den Beobachter sehr auffällig ist, dass in der Auflistung des Ministers mit Ausnahme der „Luxlait“ die Big Player unter den Genossenschaften fehlen. Beispielsweise werden weder die Winzergenossenschaften der Mosel mit ihrem Zusammenschluss „Domaines Vinsmoselle“ noch „De Verband“ genannt. Letztere ist zwar mittlerweile ein regelrechter Agrarkonzern - im Rahmen der Großregion - aber doch noch immer ein genossenschaftlicher Betrieb oder zumindest ein Betrieb in genossenschaftlichem Besitz.