LUXEMBURG
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Erste Wohngenossenschaft Luxemburgs nimmt auf dem Kirchberg Konturen an -Die Mitglieder wiesen am Samstag Fläche des Projekts „Réimerwee“ aus

Kurz nach 14.00 am Samstag auf Kirchberg zwischen dem Boulevard Konrad Adenauer und der Allée des Poiriers, unweit des Kreisverkehrs bei der Handwerkerkammer: Rund ein Dutzend Menschen hat sich auf der Freifläche versammelt. Mehr stoßen hinzu, sie haben Getränke und Äpfel im Gepäck sowie Meter- und Markierungsbänder. Man trifft sich, um das Gelände zu markieren, auf dem voraussichtlich Mitte kommenden Jahres die erste Wohngenossenschaft in Luxemburg entstehen soll. Das Prinzip: Menschen sollen sich zusammenfinden, um gemeinsam ein Bauprojekt nach ihren Vorstellungen zu gestalten und zu verwalten.

Rund 35 Wohnungen

Nach dem genossenschaftlichen Prinzip ist ökonomischer Gewinn hier kein Kriterium, den Mitgliedern der Wohngemeinschaft werden also Mieten ohne spekulative Überlegungen zugesichert. Der Entstehungsprozess des Projekts „Réimerwee“ läuft bereits ein paar Jahre, zehn bis 15 feste Interessenten nehmen teil, es gibt fast jede Woche eine Versammlung, um das Bauvorhaben zu begleiten. Seit kurzem gibt es einen ersten Entwurf, wie das Gebäude, das auf einem Grundstück des Fonds Kirchberg entsteht, der dort das Baurecht für 99 Jahre gewährt, aussehen könnte.

Könnte, denn wie Cédric Metz von der Adhoc-Geschäftsführung unterstreicht, geben ja die Mitglieder der Genossenschaft den Ton an. Rund 35 Wohnungen sind geplant, das heißt es werden noch rund 20 „Genossen“ gesucht. Wird ihr Antrag von den anderen Mitgliedern angenommen, zahlen sie eine Einlage für das Wohnrecht in einer freien Wohnung ein. Nach dem Einzug beteiligen sich die Bewohner dann mit einem monatlichen Nutzungs-Entgelt an den Kosten, die tatsächlich für die Wohnung entstehen. Kosten, die jährlich von der Genossenschaft anhand der entstandenen Ausgaben neu berechnet werden.

Gewächshaus und Gemeinschaftsräume

Wobei das „Réimerwee“-Gebäude mit etwa 2.600 Quadratmeter Nutzfläche sehr ökologisch ausgerichtet sein wird. Nicht nur bei der Auswahl der Materialien, ressourcensparender Energieversorgung oder angesichts eines geplanten Gewächshauses auf dem Dach: die Gemeinschaft wird auch so viel wie möglich teilen. So ist ein gemeinsamer Kühlraum geplant, ein zentraler Wäscheraum, eine Fahrrad-Garage, ein gemeinsames Bistro und ein Car-Sharing-System. Das alles fördert freilich auch das Zusammenleben. Das „Réimerwee“ soll zudem auch Gäste von außerhalb anziehen, indem es Kunstschaffenden Raum gibt und sogar eine kleine Bühne vorsieht.

Die Aktion am Samstag war nicht nur eine weitere Etappe der gemeinsamen Arbeit der Genossenschaftsmitgliedern, sondern auch der Auftakt einer Öffentlichkeitskampagne. Wer Interesse an dem Projekt hat, finden sämtliche notwendigen Informationen auf www.adhoc.lu