LUXEMBURG
DANIEL OLY

Treffen statt allein sein: Mit der App „Dappin“ sollen Menschen etwas erleben

Schon wieder Samstagabend, schon wieder nichts zu tun außer stundenlang aufs Smartphone zu starren, mit ein paar Freunden zu chatten oder einen Streamingdienst des Vertrauens zu konsultieren. Aber es hilft doch alles nichts: Es ist ja nichts los. Oder etwa doch? Helfen soll eine neue App: „Dappin“. Die ist ab sofort in Apples Appstore verfügbar.

Anfangs hieß die Anwendung „Be brave“. „Das klang für uns aber zu negativ, deshalb haben wir den Namen gewechselt“, erklärt Jacques-Félix Wirtz. Er hat die Jugend-
Meetup-Anwendung „Dappin“ zusammen mit einem Kollegen entworfen. Das noble Ziel: Junge Leute zusammenbringen, um gemeinsam etwas zu unternehmen.

„Wir haben es satt, dass Menschen so viel Zeit mit dem Smartphone verbringen und immer mehr vereinsamen“, meint er. Besonders die Jugend, die sich verhältnismäßig stark mit den Telefonen beschäftigt, besorgte die Erfinder. Die Anwendung soll es deshalb erlauben, auf einen Blick einen möglichen Partner zu finden, um gemeinsam ins Kino zu gehen, Sport zu machen oder in einem Restaurant etwas zu essen. „Gemeinsame Aktivitäten statt Vereinsamung“, fasst er die Aufgabe zusammen.

Alles im Blick

Funktionieren tut das wie eine typische Dating-Anwendung: Man loggt sich ein und sieht auf einen Blick, dass andere Menschen ein Angebot für eine große Auswahl an Aktivitäten eingestellt haben. „Man wählt dann aus, was man interessant findet, und kann - sofern das Angebot zusagt - auch direkt in Kontakt kommen“, meint Wirtz.

Zentraler Bestandteil des „Dappin“-Angebots ist aber auch, dass man sich bei jedem Einstellen einer Aktivität selbst mit einem mehrsekündigen Video vorstellt. Die Ursache ist denkbar einfach: „Wir wollen natürlich einerseits verhindern, dass Menschen falsche Profile einstellen“, erklärt er. Andererseits helfe das Video dabei, schneller abschätzen zu können, ob man mit diesem potenziellen Unbekannten etwas unternehmen möchte. „Im Mittelpunkt steht dabei die Qualität.“ Sagt das Angebot nicht zu, kann man natürlich auch selbst eine Aktivität stellen - und wie bei Dating-Apps üblich, müssen beide Parteien zustimmen.

Dabei ist es natürlich auch möglich, den geografischen Umkreis einzustellen. „In Luxemburg macht es natürlich Sinn, möglichst großflächig zu arbeiten. Aber wenn wir wie geplant auch in Paris oder Brüssel Nutzer haben, wollen die vermutlich eher lokal etwas unternehmen“, schmunzelt er. Entscheiden sich beide Nutzer dann dazu, etwas erleben zu wollen, geschieht die Kontaktaufnahme über ein normales Messaging-System.

Natürlich schufen die Erfinder das Konzept nicht ausschließlich aus reiner Nächstenliebe; „wir wollen ,Dappin‘ selbstverständlich auch monetarisieren, aber das Programm an sich ist und bleibt kostenlos - versprochen“, versichert Wirtz. In Zukunft sollen aber kostenpflichtige Optionen hinzugefügt werden, zum Beispiel die Möglichkeit, seine Aktivität ganz oben anzeigen zu lassen. „Solche Boost-Konzepte sind ja nicht neu“, meint er. Denkbar wären auch andere Komfort-Features, wie ein automatisiertes Sortier-System oder mehr Übersicht bei größeren Events. „Wir orientieren uns da an anderen Anwendungen wie denen im Dating-Bereich“, meint Wirtz. Zum Vergleich: Dort nutzen rund fünf Prozent aller Nutzer ein kostenpflichtiges Modell.

„Wir werden auch versuchen, eine Kooperation mit Restaurants, Bars oder Kinos anzustreben - den Orten, in denen man sich verabredet“, erklärt er. Die könnten dann ihrerseits über das Programm ein spezielles Event anpreisen, gleichzeitig könnten Nutzer direkt einen Tisch oder Sitzplatz reservieren. „In einer letzten Phase wollen wir auch angepasste Versionen von ,Dappin‘ für Unternehmen bieten, deren Mitarbeiter viel reisen und daher oft ,allein‘ in fremden Städten unterwegs sind“, meint Wirtz. Diese könnten die App dann nutzen, um ihren Mitarbeitern Kontaktoptionen zu ermöglichen.

Vorerst nur auf iOS

Die App gibt es derzeit nur für iOS-Geräte aus der Apple-Familie. „Wir haben uns ursprünglich überlegt, ob wir ein Hybrid-System haben wollen, aber aufgrund der weniger flüssigen Darstellung haben wir uns dagegen entschieden“, meint er. Eine Version für Android-Geräte (oder weitere Systeme) könne aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. „Das hängt von der Nachfrage ab. Wenn es sehr beliebt ist, wird so etwas sicher kommen.“ Programmieren würden die beiden Unternehmer die Software sowieso nicht selbst, sie haben lediglich das Design ausgearbeitet. „Die Programmierung wurde im Ausland gemacht“, erklärt er. Und die hat gedauert: Rund ein Jahr seit der ersten Konzeptversion im März 2018.

Zurück zu dem Namen: Warum also „Dappin“? „Es kommt aus dem ,Urban Dictionary‘ und bedeutet grob, den meisten Spaß zu haben, ohne betrunken zu sein“, erklärt Wirtz. „Das hat uns gefallen. Außerdem gibt es den Begriff ,Dapper‘ für besonders stilvolles Auftreten - und im Namen ist das Wort ,App‘ bereits drin.“ Einen ganz einfachen Grund gab es aber auch: Der Name war noch nirgendwo geschützt.


Mehr Informationen unter www.dappin-app.com