ETTELBRÜCK
GERHARD KLUTH

Auftakt der „B-Days“ mit Jordi Savall und Dimitri Psonis

Für den Auftakt der „B-Days“ im Ettelbrücker CAPe griff man am vergangenen Sonntag gleich in die Vollen.

Niemand geringeres als der Spanier Jordi Savall kam zusammen mit seinem griechischen Partner Dimitri Psonis auf die Bühne im nahezu ausverkauften großen Saal. Überschrieben war das Konzert mit dem Titel „Orient - Occident“. Man konnte unterschiedlich mit diesem Programm umgehen, dass Savall ohne Pause durchlaufen ließ. Einerseits konnte man sich zurück lehnen und einfach nur diese wundervoll bezaubernde Musik genießen.

Andererseits steckte hinter der Abfolge der meist relativ kurzen Stücke erklärter Maßen auch eine hoch aktuelle Botschaft, die an die Menschlichkeit in jedem von uns, aber auch an die Politik gerichtet ist. Es mag beispielsweise viele, durchaus überlegenswerte Gründe geben, der Türkei eine vollwertige Mitgliedschaft in der EU zumindest derzeit noch zu verweigern.

Es mag für Europa und die westliche Welt auch gute Gründe geben, gegenüber dem Orient skeptisch zu sein. Die Botschaft von Savall lautet: Wir haben gemeinsame Wurzeln, die uns verbinden.

Schwerer Rotwein

Bereits seit acht Jahren reist Savall mit unterschiedlichen Partnern durch die Welt, um dieses Anliegen in seiner stillen und zurückhaltenden Art vor sein Publikum zu tragen. Er unterstreicht das Verbindende und öffnet dem, der sich darauf einlässt, an vielen Stellen die Augen. Da stand auch im CAPe auf einmal Musik aus Armenien gleichberechtigt neben Kompositionen aus dem Paris des 18. Jahrhunderts, neben traditionellen Klängen aus Afghanistan, aus Istanbul und natürlich aus Spanien.

Und immer wieder wurde man dabei auf das Gemeinsame aufmerksam gemacht, ohne dass dabei der unterschiedliche Zungenschlag verloren ging. Da war man auf einmal in Spanien und sah die Menschen tanzen, man spürte die Wärme des Klimas und schmeckte den schweren Rotwein. Gleich darauf sah man den orientalischen Sänger, der mit viel Melancholie seine Weisen vortrug. Besang er die Schönheit seiner Geliebten oder war es seine Heimat, der er ein Denkmal setzen wollte?

Blindes Verständnis

Das alles hätte nicht so überzeugend sein können, wenn Savall und Psonis es nicht meisterlich verstanden hätten, mit ihren Instrumenten umzugehen.

Optimal führten sie auf Lire d’archet und Rehab (Savall), sowie auf Oud, der Santur und den verschiedenen Percussionsinstrumenten ihre Dialoge, verstanden sich blind und zeigten so, dass sie Musik und Botschaft restlos verinnerlicht hatten.

Es war ein großer und auch spannender Abend. Auch wenn Savall auf eine Pause verzichtete, an keiner Stelle ließ die spürbare Anspannung bei den Zuhörern nach. Auch das ein Prädikat, das zu erreichen nicht jedem Musiker möglich ist. Entsprechen groß war die Begeisterung am Ende dieser Reise durch Orient und Okzident.