LUXEMBURG
MM

Umsatz und Gewinn klaffen weiter auseinander

Dass zur Jahreshauptversammlung der „Fédération Nationale des Hôteliers, Restaurateurs et Cafetiers du Grand-Duché de Luxembourg“ (Horesca) gestern auch Arbeitsminister Nicolas Schmit eingeladen war, lag nicht nur daran, weil der Sektor mehr als 19.000 Beschäftigte zählt, rund 3.000 Betriebe umfasst und immerhin 6,5 Prozent zur Wirtschaftsleistung (BIP) des Landes beiträgt. Mit Arbeitszeitflexibilisierung, bürokratischem Verwaltungsaufwand und dadurch steigende Kosten gab es genug Gesprächsstoff.

Verbandspräsident Alain Rix wies denn auch gestern auf der Handelskammer darauf hin, dass zwar die Umsatzzahlen des Sektors steigen - wenn es auch von Betrieb zu Betrieb und je nach Lage große Unterschiede gibt -, der Gewinn wachse demgegenüber kaum. „Wenn ein Betrieb 30 Mitarbeiter hat, muss er einen davon nur mit Verwaltungsaufgaben beschäftigen“, so Rix. Das sei kontraproduktiv. Zwar mache man sich um die Hotellerie im ganzen keine Sorgen (die Zahl der Übernachtungen stieg zum siebten Mal in Folge). Aber auch hier sei nicht alles im Lot: Wenn man ein Taxi vom Findel zum Hotel nehme, sei die Taxifahrt inzwischen teurer als ein Flug nach Barcelona, kritisierte Rix.

Neben der Umsetzung von Direktiven aus Brüssel setzten den Betrieben im Gastgewerbe vor allem steigende Kosten zu. François Koepp, Horesca-Generalsekretär, veranschaulichte das an einem Beispiel: Wenn ein durchschnittliches Menü im Restaurant 31,60 Euro koste, bleibe am Ende davon nur ein minimaler Gewinn von 1,73 Euro übrig. Darum brauche man auch eine andere Lohnpolitik, obwohl der Verband nicht gegen den Index sei, solange er ein vernünftiges Maß behielte. Und was die gesetzgeberischen Vorgaben betreffe, sagte er: „Der Elternurlaub beispielsweise ist für kleine Betriebe schwer umsetzbar.“ Viele EU-Vorgaben seien ohnedies vor allem für große multinationale Konzerne gedacht, ausbaden müssten das aber am Ende mittelständische Betriebe, wie sie im Gastronomiesektor vorherrschen. „Eine Hygiene-Ampel brauchen wir nicht, denn sie wird nur zur Belastung, die niemandem etwas bringt, wie der Versuch in Niedersachsen gezeigt hat“, sagte Koepp. Was Cafés und Bistros anbelangt, zeigten hier letztes Jahr die Zahlen wieder deutlich nach unten: 2015 sank der Umsatz um acht, 2016 um weitere fünf und 2017 um nochmals 3,5 Prozent. Inzwischen zählt darum Luxemburg weniger als 1.000 Lokale.

Bemängelt wird vom Verband insbesondere, dass Investitionen im Sektor im Gegensatz zu jenen von Asbls nicht unterstützt würden. Das führe unter anderem dazu, dass inzwischen Jugendherbergen zur Konkurrenz für Pensionen oder Hotels würden. Hinzu komme, dass die „simplification administrative“ ein Bummelzug sei, während Verwaltungsvorschriften als TGV kämen. „Wenn jemand sein Hotel umbauen und vergrößern will, dauert eine Genehmigung Jahre“.

Betriebe sollen Horesca-Angebote nutzen

Den Hotel-Betrieben legt der Verband nahe, bei der Klassifikation mitzumachen. Bislang sind 30 Hotels klassifiziert, und nur noch dieses Jahr werden die Kosten dafür vom Wirtschaftsministerium übernommen. Auch das Projekt des „Wëllkomm“ biete den Unternehmen Möglichkeiten, die sie nutzen sollten, zumal das 2015 gestartete Projekt um ein Jahr verlängert wird. „Noch nie war Ausbildung so wichtig wie heute“, sagte Rix, denn „ein Betrieb ist nur so gut wie seine Mitarbeiter“. Rix verwies dabei auf die Hotelfachschulen „Lycée technique hôtelier Alexis Heck“ in Diekirch und das „Lycée technique de Bonnevoie“ - letzteres bräuche endlich ein neues Gebäude. Der Neubau soll 2020 fertiggestellt werden; mehr als acht Jahre hatte die Autorisation zuvor gebraucht. Für die Betriebe sei hier auch das „House of Training“ ein guter Ansprechpartner, sagte Rix, der appellierte: „Wir als Patronat haben da eine Verantwortung.“ Auch mit dem „House of Entrepreneurship“ habe der Verband gute Beziehungen, die die Mitgliedsbetriebe nutzen sollten.

„Europaweit werden fünfhunderttausend Fachkräfte in unserem Sektor gesucht“, sagte Koepp, „ein Sektor mit Zukunft. Wir müssen ihn darum für den Nachwuchs attraktiv machen.“

Was den Abbau von bürokratischen Hürden angeht, stimmte gestern Arbeitsminister Nicolas Schmit zu: „Die Simplifizierung muss weitergehen, viele Verwaltungsschritte dauern viel zu lange.“ Um Berufe des Sektors vor allem Schülern schmackhafter zu machen, arbeite sein Ministerium mit dem
Bildungsministerium zusammen. Zum Thema Fachkräftemangel seien auch die Betriebe gefragt, ein attraktives Gleichgewicht von Gehalt und Arbeitszeiten anzubieten.