LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die „Luxembourg Private Equity Association“ feierte den Internationalen Tag der Frau mit einer besonderen Party: zwei inspirierenden Gästen und einem Networking-Lunch bei EY

Was macht eine Vereinigung von Geldgebern, die in nicht-börsennotierte Unternehmen investieren, am Internationalen Tag der Frau? Für Rajaa Mekouar-Schneider, Präsidentin der „Luxembourg Private Equity Association“ (LPEA), war die Antwort klar: Eine Gender Party! Aber nicht irgendeine, sondern eine inspirierende.

Deshalb hatte der Verband der Privatanleger in die Räume des Gastgebers EY geladen - und rund 80 Gäste, darunter auch einige Männer, waren gekommen. Die LPEA hat seit vergangenem Jahr einen eigenen Verband für Frauen, LPEA4Women, der mittlerweile über mehr als hundert Mitglieder verfügt und sich als inklusiv und fördernd versteht, wie Leiterin Manon Aubry klarmachte.

Die „Gender Party 3.0“ war auf Mitglieder der LPEA sowie von „Women in digital empowerment“ (WIDE) beschränkt. Das 2014 gegründete WIDE führt in Luxemburg regelmäßig Coding-Kurse für Mädchen und Frauen, Bildungsinitiativen rund um technische Fähigkeiten sowie Unternehmerprogramme für Gründerinnen durch.

Mitgründerin und Direktorin Marina Andrieu verwies darauf, dass gerade mit Erfolg die dritte Auflage des Start-up-Programms für Frauen läuft und sie mit Silicon Luxembourg ein eigenes Magazin zum Thema Gender Equality herausgegeben haben.

Schon vor dem Networking war klar, dass viele inspirierende Menschen vor Ort waren. Besonders galt das jedoch für die beiden Gastredner, insbesondere, weil beide auch eine Beziehung zu Luxemburg haben.

Kapital aus Luxemburg, Team aus Paris

Fanny Leitier ist Mitgründerin der Investmentplattform GENEO, die sich auf kleine und mittlere europäische Unternehmen konzentriert. „Unternehmer sind meine Helden, weil sie Jobs schaffen und das brauchen die Leute zum Leben“, stellte die ehemalige Mitarbeiterin des französischen Finanzministeriums mit. „Ich komme aus Nordfrankreich, wo die Arbeitslosenrate bei 25 Prozent liegt. Das habe ich nicht vergessen.“ Geprägt hat sie die Finanzkrise 2008/2009. Damals arbeitete sie unter Christine Lagarde an der französischen EU-Ratspräsidentschaft. Die Krise brachte alles durcheinander. Leitier wollte für die französische Version des Chapter 11 arbeiten - und erhielt als Mentee Unterstützung von Lagarde. „Zu sechst haben wir 180 Unternehmen umstrukturiert und 600.000 Jobs gerettet. Das war eine Erfolgsquote von 90 Prozent“, sagt sie. „Damals wurde mir klar, wie wichtig Unternehmensführung ist.“ Mittlerweile hat sie ein Buch darüber geschrieben (Comment doubler la taille de votre entreprise?“ - Eyrolles, 2018).

Leitier wechselte als Generaldirektorin zu Staatsbank BpiFrance und legte dort ein Trainingsprogramm für Führungsfragen auf, an dem rund 700 kleine und mittlere Unternehmen teilnahmen. Dadurch hatte sie mit Fonds zu tun - und der Abneigung der Unternehmer diesen gegenüber. Schließlich gründete sie vor einem Jahr GENEO mit, das seither rund hundert Millionen Euro investiert hat. „Das Geld kommt aus Frankreich, Belgien und Italien, aber auch aus Luxemburg“, berichtet sie. 6,5 Prozent des Gewinns der Beteiligungen müssen diese in philanthropische Zwecke für Stakeholder investieren. Leitier sitzt in zahlreichen Verwaltungsräten und im französischen Private-Equity-Verband, der demnächst eine „Charter für Diversity“ verabschieden wird, wie sie erzählte. Ihr Rat an Frauen: „Mentoring is key!“ Ansonsten hält sie es mit ihrer Großmutter, die sich im Zweiten Weltkrieg mit einer Kneipe durchgeschlagen hat: „Einfach machen.“ Und nicht zu bescheiden sein. „Frauen in Private Equity verdienen oft nur die Hälfte dessen, was Männer erhalten.“ Ihr Unternehmen beschäftigt mittlerweile elf Mitarbeiter und hat europäische Ambitionen.

Muhammad Yunus als Idol und Partner

Wie weit man mit einer Portion Schlitzohrigkeit, Mut und Unternehmergeist kommen kann, berichtete Ludovic de Gromard. Er hat sein Unternehmen gemeinsam mit dem Nobelpreisträger Muhammad Yunus gegründet. Wie er als Nobody mit einem Essec-Diplom und etwas Berufserfahrung im Personalwesen dazu kam, verriet er: „Yunus ist der Held meiner Jugend, mein Idol. Und ich wollte ihn unbedingt treffen.“ So schlich er sich auf ein Galadinner mit 150 Gästen ein. Doch da eine Gästegruppe erst später kommen konnte, mahnte Yunus als Gastgeber zum Warten und fragte, wer noch etwas sagen wolle. De Gromard ergriff die Gelegenheit, seine Geschäftsidee vorzustellen: „Bislang stellen Unternehmen nach ihren Bedürfnissen ein. Aber es wäre viel besser, herauszufinden, welche Talente ein Mensch hat und was er möchte und danach seinen Arbeitsplatz zu suchen?“ Das kam so gut an, dass der Sozialunternehmer anschließend über viele Visitenkarten, potentielle Kunden, Geldgeber und Yunus als Partner verfügte. So gründete er Chance (www.chance.co), ein Online-Unternehmen, bei dem Menschen sowohl mit Hilfe von HR-Experten als auch von Algorithmen ihre Stärken und Talente in drei Monaten herausfinden. Dabei half dem 32-Jährigen sein Psychologiestudium. „76 Prozent der Jobs sind mit unpassenden Profilen besetzt, da läuft viel falsch“, stellt er fest. Zwei Drittel seiner Kunden sind Frauen. „Sie stellen sich eher in Frage“, findet er. Ein Netzwerk von Alumni hilft beim Finden des passenden Jobs. Der Preis hängt vom Gehalt ab. Demnächst lanciert de Gromard eine Seite für Luxemburg. Zurzeit ist er noch mit seinem neuesten Kunden beschäftigt: Dem Élysée-Palast.