LUXEMBURG
PATRICK WELTER

4,2 Quadratmeter für vier Leute und einen Motor

Der Mensch braucht Ideen, Papier und Bleistift, der Niederländer Ben Pon entwarf den VW-Bus 1948 auf einem Blatt seines Notizbuches. Alec Issigonis hatte keinen Block dabei, als er 1957 den ersten Entwurf eines „Mini” kurzerhand in einem Restaurant auf eine Tischdecke zeichnete – ein erstaunlich realitätsnaher Entwurf. Zum Glück durfte er die Tischdecke mitnehmen.

Später stellte er im Werk vier Stühle auf, forderte seine Mitarbeiter auf, Platz zu nehmen. Dann begann, man ausgehend von der Skizze und dem Platzbedarf der vier Stühle, ein Auto zu konstruieren. Issigonis steuerte dann noch einen echten Geistesblitz bei: Wenn das Auto schon Frontantrieb hat, wieso muss der Motor dann längs eingebaut werden? Also wurde das Motörchen, eine Uraltkonstruktion mit 900 Kubik und 34 PS, um 90 Grad gedreht und saß jetzt zwischen den Vorderrädern. Was einen immensen Platzgewinn für den Innenraum brachte. Ein Problem blieb: Wohin mit dem Getriebe? Geistesblitz Nummer 2 folgte: Unter den Motor! Womit Issigonis das Grundlayout aller Kompaktwagen der nächsten Jahrzehnte konzipiert hatte, millionenfach kopiert und variiert. In der Bedeutung eigentlich nur mit dem von Wilhelm Maybach entworfenen ersten „Mercedes“ von 1901 zu vergleichen, das erste „richtige“ Auto mit einem tiefen Schwerpunkt.

Aber der „Mini“ wäre kein englisches Auto, wenn die Truppe um Issigonis bei aller Genialität nicht doch noch eine „Sollbruchstelle“ mit eingebaut hätte: Motor und Getriebe haben nur einen Ölkreislauf. Was jedem im Getriebe abgeriebenen Metallspan die Freiheit gab, durch den ganzen Motor zu treiben, um an einer Stelle seiner Wahl den größtmöglichen Schaden anzurichten.

Die Konstruktion von Issigonis, der auch schon den englischen Käferkonkurrenten Morris Minor entwickelt hatte, brachte es fertig, bei einer Außenlänge von 3,05 Metern und einer Breite von 1,41 Metern vier Erwachsene unerwartet bequem zu transportieren. Zum Vergleich: Der aktuelle „Mini“ aus dem Hause BMW ist in seiner kürzesten Version 3,81 Meter lang und 1,72 Meter breit. Was einem Längenzuwachs von 25 Prozent und einem Breitenzuwachs von 22 Prozent entspricht.

Das Arbeiterauto

Das Auto war in seiner aller ersten Ausführung so simpel wie möglich gestrickt. Da man bei der BMC, der „British Motor Corporation“ wusste, dass der Rest der Welt auf der falschen – der rechten -Straßenseite fuhr, setzte man den Tacho und die wenigen Bedienungsknöpfe in die Mitte des Autos, rechts und links flankiert von großen Ablagen. So wurde der zusätzliche Aufwand für die Produktion von Linkslenkern auf die Montage von Lenksäule und Pedalen beschränkt. Die Türscharniere saßen ebenfalls außen, aus Kostengründen. Außerdem verfügte das geplante „Arbeiterauto“ nur über Schiebefenster an den vorderen Türen. Apropos Türen, da man keinen Fensterhebermechanismus unterbringen musste, gab es eine ziemlich große Ablage, dafür aber nur eine dünne Pappscheibe vor dem Türblech und als besonderen Clou eine simple Leine, um die Tür von innen zu öffnen. Der Koffer-„Raum“ sollte bis zum Produktionsende nach 41 Jahren die Ausmaße einer Bierkiste behalten und auch noch im letzten Produktionsjahr 2000 öffnete sich der Kofferraumdeckel wie bei einem Vorkriegsauto nach unten…

Die schrullige Kiste kam im August 1959 wahlweise als „Morris Mini-Minor“ oder als „Austin Seven“ - ein sehr großer Name - auf den Markt. Hieß aber vom ersten Moment an Mini. Nach 5.387.861 Exemplaren und 41 Jahren Bauzeit kam dann mit einem Mini Cooper 1.3 i das Ende des Ur-Minis im Jahr 2000.“

Foto: IZ - Lëtzebuerger Journal
Foto: IZ

„Jeder kennt doch Mini“
Philippe Dondelinger, Manager Mini bei Bilia-Edmond, über die Faszination des Kultfahrzeugs

Ob es der 3- oder 5-Türer ist, der „John Cooper Works“ oder auch der „Clubman“ oder „Countryman“: Der Mini begeistert in all seinen Variationen - und zwar seit nun 60 Jahren. Doch worin liegt diese Begeisterung, diese Faszination? Für Philippe Dondelinger, Manager Mini bei Bilia-Edmond Luxembourg sarl, ist klar: „Es ist die lange und beständige Geschichte, es ist der Spaß mit dem Kart-Feeling, eben eine gelungene Kombination.“

Nach seinen Ausführungen kann man die Mini-Fans im Alter von 17 bis 88 finden, „es geht wirklich über Generationen hinweg“, so Dondelinger, natürlich selbst auch Mini-Fahrer und absoluter Fan.

Mini-Fahrer grüßen sich

Der Mini werde in Luxemburg gerne als Drittfahrzeug genommen, als Stadtwagen oder auch als Ferienauto, nicht zuletzt, weil Mini so innovativ sind - und persönlich abgestimmt werden können“. Vintage kombiniert mit neuer Technik, das gefällt den Hipstern. Im Bereich der Personalisierung sei BMW nun einmal auch Vorreiter gewesen, sagt Dondelinger. Und im Bereich Technik und Innovation war es ja BMW, die mit den Runflat-Reifen auftrumpften. Die sind so gestaltet, dass die Reifenwulst selbst bei Druckverlust an der Felge fixiert bleibt. Dadurch läuft man nicht Gefahr, dass der Reifen abspringt und das Rad beschädigt wird. Der Reifen kann für eine Weile, nachdem das Loch entstanden ist, selbst seine Form aufrechterhalten. „Plattfüße kennen wir also nicht“, sagt Dondelinger schmunzelnd.

Mini bedeutet auch Unterhaltung für Dondelinger, „und zwar in einer Community“, was man durchaus mit der MX5-Gemeinschaft vergleichen kann. „Auch wenn heute nicht mehr so unter den Mini-Fahrern gegrüßt wird, wie es vor einigen Jahren der Fall war.“

Dondelinger mystifiziert den Mini. „Er ist etwa wie der Porsche 911, den gibt es auch noch immer“, auch wenn der Mini nicht im gleichen Preissegment mitspielt wie der Porsche 911. Diese Mystifizierung versteht man, wenn man sich die Philosophie von BMW anschaut. Denn so wie in der Designphilosophie der BMW Group sich die Unternehmenskultur widerspiegelt und Ausdruck gelebten Unternehmensgeistes ist, so beruht die Philosophie vor Ort auf einer gewissen Verbindung zwischen Mensch, hier dem Verkäufer, und Produkt, wie sich auch eine Bindung zwischen dem Fahrzeug und seinem Besitzer entwickelt.

Mini verkörpere so seine ureigenen Werte in Form von intelligenter Raumnutzung, individualisiertem Styling und sportlichem Handling.  (IZ)

In Anlehnung an das pulsierende Lebensgefühl

Mini präsentiert „60 Years Edition“

Um das Jubiläum zu feiern, wurde in begrenzter Auflage der Mini „60 Years Edition“ geschaffen, der als 3- und 5-türige Version angeboten wird. „Es ist die perfekte Verbindung von Tradition und dynamischer Modernität“, wie es offiziell heißt. Das äußere Erscheinungsbild der „60 Years Edition“ passt dabei perfekt zum Innenraum, sodass ein stimmiges Ganzes entsteht. „In Anlehnung an die sechziger Jahre und das pulsierende Lebensgefühl dieser Zeit wurde für die spezielle Edition die Karosseriefarbe ‚British Racing Green‘ neu geschaffen“, sagt Philippe Dondelinger, Manager Mini bei Bilia-Edmond Luxembourg sarl. Charakteristische Jubiläumsakzente und Zierelemente lassen den Geist des Originals in einem modernen Ambiente wieder aufleben – und garantieren seine Exklusivität. Die Projektion des „60 Years-Emblems“ wurde entsprechend überall aufgegriffen und strahlt auch vom Außenspiegel. Es soll „ein Sinnbild für die reiche Entwicklungsgeschichte und Historie des Mini“ sein. Zur Serienausstattung der Editionsfahrzeuge gehören ein Sport-Lederlenkrad sowie Sportsitze in der Lederausführung Mini Yours Leder Lounge 60 Years und der exklusiven Farbe „Dark Maroon.“