LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Das Leben von Physiker Stephen Hawking in „The Theory of Everything“

Der englische Physiker und Astrophysiker Stephen Hawking dürfte den meisten Leuten ein Begriff sein. Sein Buch „A Brief History of Time“ war 237 Wochen in den Bestsellerlisten in Großbritannien.

Sein Leben und Wirken wurde filmisch von James Marsh im Film „The Theory of Everything“ aufgearbeitet. Das Drehbuch basiert auf der Autobiographie „Travelling to Infinity“ von Jane Hawking, der Frau des Genies.

Mit eisernem Willen gegen die Krankheit

Wir schreiben das Jahr 1963: Der hochbegabte Stephen Hawking (Eddie Redmayne) studiert an der Universität von Cambridge und ist ein Student wie alle anderen. Er trinkt gerne mal ein Glas und mag hübsche Mädels - ganz speziell Jane Wilde (Felicity Jones). Beide verlieben sich ineinander und verbringen ein paar schöne Momente zusammen, ehe bei Stephen die unheilbare Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) diagnostiziert wird.

Der behandelnde Arzt gibt ihm höchstens zwei Jahre zu leben. Doch Stephen hat einen extremen Willen und wird von Jane unterstützt. Der Rest ist Geschichte: Beide heiraten, haben drei Kinder zusammen, und Stephen wird zu einem der führenden Wissenschaftler in Sachen Kosmologie, Relativitätstheorie und der Physik der Schwarzen Löcher, obwohl er seit 1968 im Rollstuhl sitzt und seit 1985 einen Sprachcomputer benutzen muss, um zu sprechen.

Geniale Schauspielergarde

Absolut überragend ist der Brite Eddie Redmayne als behindertes Genie. In seinem Make-up ähnelt er Hawking fast wie ein Zwillingsbruder.

Er speckte etliche Kilos ab und beobachtete die Bewegungsabläufe bei ALS-Erkrankten. Seine Motorik unterscheidet sich kaum von der eines Behinderten. Seine Gesichtsmimik ist echter als die traurige Wirklichkeit bei den Erkrankten. Zu Recht wurde er mit dem Golden Globe als bester Darsteller ausgezeichnet. Ob er den Oscar gewinnen wird, erfahren wir am 22. Februar.

Das physische Spiel von Felicity Jones ist sicher einfacher als das ihres Partners. Sie kann als liebende, besorgte und energische Frau problemlos überzeugen, wie auch in ihrer Affäre mit dem Musiklehrer Jonathan (Charlie Cox), die zur Scheidung führt.

Mehr auf die Details eingehen

Regisseur Marsh verzichtet auf allzu emotionsgeladene Szenen, um nicht ins Kitschige abzurutschen. Ihm gelang mit der Hilfe der talentierten Schauspielergarde eine gute Mischung aus rationaler Beschreibung der Fakten aus Hawkings Leben und einer dezenten Gefühlsatmosphäre, welche die Zuschauer bedrückt, ohne ihnen den letzten Tropfen aus den Tränendrüsen zu quetschen. Sicher hätte Marsh etwas mehr auf einige Details eingehen können, wie zum Beispiel die Folgen der Trennung aus der Sicht des Wissenschaftlers.

Die 123 Minuten Laufzeit hätte der Regisseur gegen Ende des Films etwas kürzen können, weil nichts Neues zu sagen bleibt. Insgesamt bietet „The Theory of Everything“
dennoch eine ungewöhnlich interessante Geschichte.