Während der Sommermonate kocht die politische, soziale und wirtschaftliche Aktualität in Luxemburg traditionell auf etwas kleinerer Flamme. Echte Langeweile ist dafür aber nicht aufgekommen und verschiedene Äußerungen und Begebenheiten haben nicht nur für Gesprächsstoff, sondern auch für eine gewisse Beunruhigung und Erwartungshaltung in der Bevölkerung gesorgt. Nachdenken und Überlegen sind auch in den Ferienwochen nicht unbedingt tabu und gravierende Probleme und Herausforderungen sind durchaus dazu angetan, uns über den Urlaub hinaus zu beschäftigen.
So löste die Ankündigung einer merklichen Preiserhöhung für die Bewohner von Altenheimen und eines akuten Bedarfs für zusätzliche Beiträge zur Pflegeversicherung, verbunden mit der Sorge um die künftige Finanzierbarkeit des bestehenden Systems, echte Betroffenheit aus. Immerhin sind dessen Schwächen im Umfeld einer Gesellschaft, die zusehends altert und eine deutlich stärkere Beanspruchung erwarten lässt, seit Jahren schon hinlänglich bekannt.
Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es aussehen würde, wenn Luxemburg nicht Jahr für Jahr einen deutlichen Zuwachs seiner Bevölkerungszahl von außerhalb der Landesgrenzen zu verzeichnen hätte, der für eine neue Dynamisierung der demographischen Entwicklung gesorgt hat. Dennoch tut man sich im Lande weiter schwer mit dem Thema der Zuwanderung. Zwar gelten begüterte Familien als neue Mitbürger sogar offiziell als willkommen, nicht zuletzt weil man sich von ihnen ein zusätzliches Betätigungsfeld für den Finanzplatz erwartet. Auf die tatsächliche soziale Zusammensetzung der in Luxemburg zugereisten Neubürger hat man aber kaum Einfluss und die Beachtung der Rechte von Bürgern aus EU-Staaten genau wie auch die Wahrung von humanitären Regeln im Umgang mit Menschen aus anderen Herkunftsländern zwingen zu Kompromissen in diesem Bereich. Nur zu selten wird der Nutzen der kulturellen statt finanziellen Bereicherung gesehen, der mit diesem Vorgang verbunden ist.
Anstatt uns vor Überfremdung zu fürchten täten wir vielleicht besser daran, in der ethnologischen und kulturellen Vermischung etwas Positives zu erkennen, das uns auch in der Vergangenheit, vor allem im gesamten Verlauf des 20. Jahrhunderts, wirtschaftliches Erstarken ermöglichte, auf dem der einmalige soziale Wohlstand, der in den letzten 50 Jahren festgestellt werden kann, begründet wurde.
Aktuelle Beispiele verdeutlichen uns, wohin es führen kann, wenn Länder und Regionen trotz EU-Zugehörigkeit an Attraktivität verlieren und weder für begüterte noch für bedürftige Zuwanderer interessant erscheinen. Ganze Landstriche im ansonsten bei Zuwanderern hoch im Kurs stehenden Deutschland leiden unter akuter demographischer Ausblutung, weil junge Leute in attraktivere Regionen abwandern und andere keinen Grund sehen, deren Platz einzunehmen. Freuen wir uns also, dass dies in Luxemburg keineswegs der Fall ist und der „melting pot“ weiter funktioniert. Auch das „alte“ Luxemburg war schon aus Vielfalt entstanden.


