LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ministerin Carole Dieschbourg hält akute Trinkwasserknappheit für unwahrscheinlich

Angesichts des gerade herrschenden Wetters mag die Statistik überraschen, aber denken wir an die zurückliegenden Sommer… Laut einer internationalen Studie werden die Trinkwasserreserven Luxemburgs als überraschend niedrig eingestuft.

Gleich zwei parlamentarische Fragen befassen sich mit dieser Problematik. Sowohl die CSV-Abgeordnete Diane Adehm als auch François Benoy, Abgeordneter der Grünen, haben sich mit ausführlichen Fragen an Umweltministerin Carole Dieschbourg gewandt. Wobei die Fragestellung von Adehm weniger wissenschaftlich und damit auch allgemeinverständlicher als die von Benoy formuliert ist.

Adehm wollte wissen, wie sich die Regierung den „mittel bis hoch eingeschätzten Trinkwassermangel“ erklärt? Im Juli 2018 habe sich die Ministerin noch anders geäußert und eine Sensibilisierungskampagne zur Trinkwassernutzung angekündigt. Wie verläuft diese? Welche neuen Ressourcen will die Regierung erschließen und was will sie im Falle akuter Trinkwasserknappheit tun? Ministerin Dieschbourg antwortet außergewöhnlich lang und umfassend auf die Fragen der Oppositionsabgeordneten. Zunächst bestreitet sie die Zahlen des „World Ressource Institute“ nicht, diese würden mit eigenen Erkenntnissen übereinstimmen. Seit einigen Jahren würden Messungen zur Entwicklung des Grundwasservorkommens durchgeführt.

Engpässe in Hitzeperioden

Dieschbourg spricht von einer „endlichen Menge“ an Trinkwasser. Derzeit werden 176.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag produziert (Stausee und Quellen). Das wirtschaftliche Wachstum des Landes kann die Ressource Wasser irgendwann verknappen. Hinzu kommt, dass ein Teil der Grundwasserversorgung aus Brunnen und Quellen nicht ins öffentliche Netz gehen kann, da sie zu hoch mit Nitraten und Pestiziden belastet sind. 2018 konnten so 5,5 Milliarden Liter potenzielles Grundwasser nicht für den Verzehr freigegeben werden. Zum Teil seien aufgrund des Bevölkerungswachstums auch lokale Netze unterdimensioniert, was heute schon zu Engpässen in Hitzeperioden führt. Bei der Planung neuer Baugebiete müsse dieses Faktum in Zukunft berücksichtigt werden. Die sogenannte Trinkwasserkampagne ist laut Dieschbourg immer noch in Planung, dabei sollen Industrie- und Handwerk mit einbezogen werden. Außerdem setzt man technische Lösungen und verschieden Wasserqualitäten. Wörtlich heißt es in der Antwort von Dieschbourg dazu: „Es werden Projekte mit verschiedenen öffentlichen Bauträgern, als sogenannte Pilotprojekte, mit Grauwasser und Regenwassernutzung geplant. Große Baugebiete sind bereits jetzt, während der Planungsphase an Synergiekonzepten von Energie-, Wasser- und Stromverbrauch interessiert. Eine Vertiefung des technischen Knowhows erfolgt im kommenden Jahr, durch Besuche von ähnlichen Pilotanlagen im Ausland.“

Aufbereitung von Moselwasserist die Lösung

Zu den möglichen Trinkwasseralternativen führt die Ministerin aus, dass eine Aufbereitung von Moselwasser die Lösung ist, die sich am ehesten anbietet. Derzeit würden - von der Regierung finanzierte - Langzeituntersuchungen über die Qualität des Flusswassers durchgeführt. Eine akute Trinkwasserknappheit hält die Ministerin für unwahrscheinlich, dennoch gebe es einen Notfallplan. Im Falle eines Falles kommen Schutz, neue Technologien und neue Ressourcen zum Einsatz. Insbesondere im industriellen, technischen und landwirtschaftlichen Bereich soll dann auf Regen- und Grauwasser - gering verschmutztes Abwasser - zurückgegriffen werden.