LUXEMBURG/ECHTERNACH
PIERRE WELTER

Echternacher „Schoolleaks“-Affäre: Vier Personen müssen sich verantworten

Im vergangenen Jahr sollen drei Lehrerinnen im Vorfeld eines Examens vertrauliche Testfragen des Grundschulzyklus 4.2 illegal in Umlauf gebracht haben. Von dieser Tat sollen eine Reihe von Schülern profitiert haben. Der beispiellose Vorfall hatte das luxemburgische Schulsystem erschüttert und im Land für politischen Zündstoff gesorgt.

Damals mussten die Tests nachgeholt werden. 5.000 Schüler mussten zusätzliche Prüfungen absolvieren. Die Tests waren dazu bestimmt, um festzustellen, wer in den klassischen oder technischen Sekundarunterricht wechseln kann.

Im Zuge der Affäre wurden insgesamt vier Personen aus dem Lyzeum in Echternach suspendiert. Der „Conseil de discipline“, der dem „Ministère de la Fonction publique“ untersteht, hatte gegen sie ermittelt. Doch vor Gericht ist das Strafgesetz maßgeblich. Nun müssen sich drei Lehrerinnen sowie der Ehemann einer Lehrerin ab Mittwochmorgen, 9.00, vor dem Bezirksgericht Luxemburg wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses verantworten. Die Anklage führt dazu aus, dass Pädagogen die rechtliche Verpflichtung haben, ihnen anvertraute Geheimnisse nicht unbefugt an Dritte weiterzugeben. Sie sind verpflichtet, diese Bestimmungen einzuhalten.

Beamtenstatus: Droht der Verlust?

Ob die Lehrerinnen um ihren Beamtenstatus bangen müssen und ob sie ihn bei einem möglichen Schuldspruch verlieren, ist derzeit noch offen. Bis dahin gilt allerdings für sie, rein juristisch gesehen, die Unschuldsvermutung.

Offen wird wohl bleiben, warum die Lehrerinnen einigen Schülern gegenüber so hilfsbereit gewesen sein sollen. Das Bildungsministerium hat mittlerweile die Prozeduren für die Zustellung der gemeinsamen Tests verändert. Wie in manch anderen Ländern erhalten die betroffenen Klassenlehrer die Fragebögen und ihre Korrekturblätter erst am Morgen des Testtages.