LUXEMBURGSVEN WOHL

Literaturkritik: „Die kleine Zeitzeugin - Satirische Glossen“ von Michèle Thoma

Eine Kritik zu einer Glossensammlung zu schreiben stellt sich als herausfordernd und leicht zugleich heraus. Denn üblicherweise finden die Leser sehr schnell heraus, ob der Schreibstil sie anspricht oder nicht. Auf der anderen Seite gibt es nicht sonderlich viel, worüber sich schreiben ließe.

Doch die Sammlung von Michèle Thomas Glossen mit dem Titel „Die kleine Zeitzeugin“, die in der luxemburgischen Wochenzeitung Lëtzebuerger Land erschienen sind, weiß glücklicherweise zu überzeugen und lässt sich genießen - wenn auch in Maßen.

Volle Sprachkraft

Das liegt zum einem an einem vibrierenden Schreibstil, der facettenreich daher kommt und in kurzen Schüben Witz, Charme und pointierte Bemerkungen vermittelt. Damit wäre schon einmal das Hauptziel einer solchen Glosse erfüllt, denn genau dies soll sie ja eigentlich tun. Die Sammlung reicht dabei vom Jahr 2007 bis heute und bringt es immerhin auf 200 Seiten.

Dabei werden freilich nicht alle Glossen mit eingebunden, sondern immer nur die besten. Sowohl nationale als auch internationale, kulturelle als auch politische Themen sind hier zu finden. Inhaltlich werden die Thema mal leicht und locker, mal ernster und sarkastischer aufgegriffen, doch es bleibt lobenswerterweise meistens im gleichen stilistischen Gehege. Dabei handelt es sich um eine Konsistenz, die anderenorts oft vermisst wird.

Was vielleicht ein wenig stört, aber das liegt eher an der literarischen Gattung, ist die Tatsache, dass die Unmenge der hier gesammelten Texten bei längeren Sitzungen etwas schwerfällig wirkt.

Die sprachliche Wucht, die hier abgeliefert wird, kann einen dann schon mal erschlagen. Wer also nach Literatur sucht, die in einem Ruck gelesen werden soll, dem kann hiervon nur abgeraten werden. Nein, „Die kleine Zeitzeugin“ eignet sich eher dazu, das Buch sporadisch in die Hand zu nehmen, ein oder zwei Glossen zu lesen. Dann können sich die Windungen der Sprache auch vernünftig entfalten.

Langweilige Aufmachung

Die Ausstattung des Buches kann übrigens nur mit dem Wort „nüchtern“ beschrieben werden, denn abseits des Covers werden hier einfach so die Texte abgedruckt. Diese schnörkellose Vorgehensweise mag zweckgemäß sein, doch im Jahr 2013 erwarten sich viele Leser dann doch ein kleines Extra mehr. Ein Vor- oder Nachwort hätte hier etwas Mehrwert geschaffen. Dennoch lohnt sich mindestens das testweise Reinlesen in diese Sammlung durchaus.

Immerhin bietet das Buch mit seinem Sammelcharakter zugleich einen bemerkenswerten Querschnitt durch die verschiedensten Themen, die Luxemburger bewegt haben und unterstreicht sie auf eine eigene, verspielt-bissige Art und Weise, die in der luxemburgischen Presselandschaft oft vermisst wird.


Michèle Thoma, „Die kleine Zeitzeugin - Satirische Glossen“, ist beim Ultimomondo Verlag erschienen und hat 208 Seiten. Preis: 22 Euro. ISBN: 978-2-919933-86-0