LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Urteil: 14 Jahre Haft für Bombenbauer mit psychischer Störung

Zu einer Haftstrafe von 14 Jahren Gefängnis (davon vier auf Bewährung mit Auflagen) ist am Mittwoch ein 41-jähriger Mann verurteilt worden, der im Herbst 2016 ein Anschlag mit einer Rohrbombe auf seinen Vater verübt hatte. Der Vater überlebte den Anschlag. Die Kriminalkammer des Bezirksgerichts Luxemburg (9. Strafkammer) sprach Kim Z. des versuchten Mordes und des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion schuldig.

Begabter Bastler

Kim Z. hatte am 1. Oktober 2016 im „Steewee“ in Bergem versucht, seinen Vater (heute 70) mit einer selbst gebauten Rohrbombe zu töten. Die Bombe war im Wagen des Vaters absichtlich so platziert, dass sie tödlich gewesen wäre, hätte nicht ein „Zufall“ das Rohr nach oben verschoben. Als die Rohrbombe losging, haben die herausgesprengten Kugeln den Kopf des Vaters so um Haaresbreite verfehlt. Der Vater wurde zwar durch die Druckwelle der Bombe verletzt, jedoch nicht lebensgefährlich. Der Anschlag per selbstgebauter Rohrbombe war nach Einschätzung eines Experten nur durch Zufall mit Sachschaden ausgegangen.

Motiv Erbschaftsstreit

Laut Staatsanwaltschaft hatte Z. die Tat lange vorbereitet und es „billigend in Kauf genommen“, dass sein Vater getötet werden könnte. Die Aussagen von Kim Z. wirkten auf den Berichterstatter zynisch und menschenverachtend. Der Täter hatte während der Prozessverhandlungen keine Reue gezeigt. Stattdessen fragte er die Richterin, ob sein Vater vorgesehen habe ihm nach seiner Entlassung ein Appartement zu hinterlassen. Hintergrund des Anschlags ist ein Erbschaftsstreit über mehrere Wohnungen in Luxemburg, der den Angeklagten offenbar seit Jahren beschäftigt und der ihn in eine depressive Phase geführt haben soll. Im Prozess hatte der Verteidiger eine psychiatrische Akutversorgung seines Mandanten beantragt. Von Anfang an war klar, dass Z. psychische Probleme hat. Der Psychiater Dr. Marc Gleis hatte beim Täter eine Psychose (Paranoia) diagnostiziert. Deshalb hat die Kriminalkammer darauf entschieden nach zehn Jahren Haft, die dann noch verbleibende Reststrafe zur Bewährung unter Auflagen auszusetzen.

Der Anklage ging es im Prozess darum, den mörderischen und zynischen Charakter von Kim Z. in den Vordergrund zu rücken. Die Strategie der Staatsanwaltschaft bestand darin, Z. als Täter darzustellen, der nicht „nur“ wegen einer krankhaften Psychose, sondern auch aus eigenem Antrieb so handelte.

Der Verteidiger war mit dem Urteil zufrieden. Er war der Ansicht, dass im Urteil eine angemessene Abwägung zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft getroffen wurde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Apropos Bewährung

Eine Bewährungsstrafe ist übrigens nicht gleichbedeutend mit Straffreiheit. Wer zur Bewährung auf freiem Fuß bleibt oder nach einem Teil der Haft zur Bewährung frei gelassen wird, muss sich an Regeln halten. So sind die Bewährungshelfer verpflichtet, der zuständigen Staatsanwaltschaft alle drei Monate einen psychiatrischen Bericht über den Verlauf der Betreuungsmaßnahmen zukommen zu lassen.