LUXEMBURGCHRISTIAN SPIELMANN

Porträt des ersten luxemburgischen Muay-Thai-Weltmeisters Kevin Haas

Kevin Hass ist von Beruf Lehrer. Seine ganz große Passion ist das Muay Thai, das Thaiboxen, eine Kampfsportart, die, wie der Name es schon vermuten lässt, ihren Ursprung in Thailand hat. Am 15. Oktober 2011 erkämpfte er sich in Luxemburg den Titel des Weltmeisters der WFCA (World Full Contact Association) gegen den Franzosen Cédric Muller.

Der Thai-Boxer

Der 55-minütige Dokumentarfilm „Nak Muay“, was Thailändisch für „Thaiboxer“ ist, beginnt mit Aussagen von Kevin Haas‘ Mutter, Bekannten und Trainern. Der Höhepunkt des Films ist der Sieg über Cédric Muller in der Victor-Hugo-Halle, einem Kampf, den Haas über die von ihm gegründete MTFL (Muay Thai Federatioun Lëtzebuerg) selbst organisiert hatte. Immer wieder dringt Kritik gegenüber den luxemburgischen Sportsinstanzen durch, wie C.O.S.L. oder Sportsministerium, welche den Kampsport nicht anerkennen und daher keine finanziellen Mittel zur Verfügung stellen. In all den Jahren im Ring musste Haas seine Reisen, Trainingslager und Trainer aus der eigenen Tasche bezahlen. Mit dem gewonnenen Geld konnte nur ein Teil finanziert werden.

So erlebt man einen begeisterten Kämpfer, der mit Herz bei seinem Sport ist, aber auch einen tief enttäuschten Mann, dem die finanziellen Mittel ausgehen. Der Film endet mit einer Niederlage wegen einer Verletzung in Russland 2012 bei der Weltmeisterschaft. Seitdem hat Haas den Sport an den Nagel gehängt und widmet sich wieder seinem Beruf als Lehrer.

Von einer Idee bis zum fertigen Film

Christian Muno kannte Kevin Haas aus der Schule. Da ihn dessen Sportart interessierte, beschloss er vor gut zwei Jahren einen Film über den dreifachen Europameister zu drehen. Zusammen mit seinem Bruder Fränk und einem gemeinsamen Freund, Raoul Schmitz, begann das Projekt Form anzunehmen. Nach vielen Gesprächen mit Produzenten, war es Anne Schroeder von Samsa Film, die schließlich in dieser Idee genug Potenzial entdeckte, um den Film zu produzieren. Über den Filmfund wurde das Budget von „Nak Muay“ gesichert. Während über einem Jahr verfolgte das Trio den luxemburgischen Champion bei seinen Trainingseinheiten, Kämpfen, Siegen und Niederlagen.

Auch wenn der Film formal nicht allzu schlecht gemacht ist, merkt man doch, dass seine drei Macher keine Erfahrung im Filmemachen haben. Es fehlen die eingeblendeten Namen der Leute, die etwas über Kevin oder das Muay Thai zu sagen haben. Man hätte sich auch Erklärungen zum Sport, seiner Geschichte und seinen Regeln erwartet, aber nur lapidar wird darauf eingegangen. Der perfekte Lehr- oder Werbefilm zum Muay Thai ist „Nak Muay“ nicht.

Der Film beschreibt einen Mann, der mit Herz und Seele ein Kämpfer ist, der Gefühle hat und den leider finanzielle Probleme zur Aufgabe zwangen. Vielleicht bringt der Film die Verantwortlichen zum Umdenken, denn außer Fußball und Radsport gibt es noch andere Sportarten - und das noch mit Weltmeistern. Der Dokumentarfilm startet nächsten Mittwoch im Kino.