BENOÎT NIEDERKORN

Am 20. März 1933 erteilte Heinrich Himmler den Befehl zur Errichtung des ersten offiziellen Konzentrationslagers, dem KZ Dachau. Dieses erste systematisch aufgebaute Lager sollte eines von vielen werden, in dem die Juden Europas ihrem Leidensweg entgegentreten sollten. Daneben waren aber auch politisch Andersdenkende oder auch Kriegsgefangene aller Nationen ein Teil des Lagers. Darunter gab es auch eine kleine Gruppe luxemburgischer Gefangener: Mitglieder der „Luxemburgischen Freiwilligen Kompanie“. Auch dieser Teil der Geschichte sollte nicht vergessen werden, wie der Konservator des Diekircher Nationalen Militärmuseums betont.

„Nach der deutschen Besetzung Luxemburgs wurde die gesamte damalige 450 Mann starke Kompanie im Dezember 1940 nach Weimar quasi ‚zwangsrekrutiert‘ und zu einem deutschen Polizeibataillon umfunktioniert. Im Laufe ihres Leidenswegs widersetzte sich über die Hälfte der Kompanie dem deutschen Dienst und 225 wurden deswegen zeitweise in verschieden Konzentrationslagern interniert. 37 Soldaten dieser fast vergessenen luxemburgischen ‚Vorkriegs-Armee‘ wurden ab 1942 auch ins KZ Dachau eingewiesen und sollten ihre Heimat erst nach Kriegsende wiedersehen. Im Gedenken an die Opfer der Besatzung und den Grauen in den Lagern ist es wichtig, auch diesen Teil der Geschichte nicht außer Acht zu lassen. Auch im Großherzogtum: Neben der kollektiven Erinnerung an die Opfer der jüdischen Gemeinschaft, der Resistenzler und Zwangsrekrutierten gilt es auch die kleineren Personengruppen, wie die der ‚Freiwillligen Kompanie‘ oder der Luxemburger die in den Reihen der Alliierten als Soldaten für die Freiheit Europas kämpften, nicht zu vergessen.

Das nationale Militärmuseum in Diekirch begrüßt daher, dass die derzeitige Regierung die Initiative ergriffen hat und eine neues ‚Comité pour la mémoire‘ ins Leben gerufen hat, das neue Wege in der Erinnerungskultur gehen soll. Neben der weiteren Festhaltung des Komites an der ‚Journée de la commémoration nationale‘ werden wir zwar den Generationen gerecht, die über die Jahre hinweg diesen Gedenktag gepflegt haben und mit der Niederlegung von Blumen an die Opfer des Weltkrieges erinnern. Im digitalen Zeitalter braucht es aber auch neue Methoden um ein Interesse bei der jüngeren Bevölkerung zu wecken. Denn die Zeitzeugen sterben aus, sie ‚historisieren‘ sich - und damit verblasst der Kontakt zur Vergangenheit und das Verständnis für die großen Leiden dieser Zeit immer mehr.

Neue Wege in der Erinnerungskultur zu gehen, bedeutet mit den ‚digital tools‘ unserer Zeit zu experimentieren und den Kontakt mit der Jugend in ihrem derzeitigen sozialen Umfeld zu suchen. Eine Möglichkeit bestünde darin, die Erlebnisse der letzten Zeitzeugen nochmals eingehend in Bild und Ton für die Nachwelt zu sichern und daraus ‚interaktive‘ Geschichten mit Hilfe von zeitgenössischen Fotos und Filmaufnahmen zu kreieren. Abseits der primären Geschichtslehre im Bildungswesen gilt es die Vergangenheit lebhaft wiederzugeben und diese auf den sozialen Netzwerken zu verbreiten, wo auch die Jugend unserer Zeit sich überwiegend aufhält und sie somit zu erreichen! Das ist einer der Wege, die das Militärmuseum verfolgt: Wir versuchen, die Geschichte und ihre Bezeugungen durch unsere Arbeit am Leben zu erhalten. Denn auch dieser Teil der Geschichte Europas darf nicht in Vergessenheit geraten - heute mehr denn je.“