GOEBLINGEN/MIECHER
CLAUDE KARGER

Zu Besuch beim Archäologie-Camp am gallo-römischen Gutshof in Goeblingen/Miecher

Punkt 9.00 rappelt es. Jemand klopft an das Gestänge des Zelts, unter dem die Teilnehmer des bereits 29. Archäologie-Camps am gallo-römischen Gutshof in Goeblingen/Miecher ihre Mahlzeiten einnehmen. Die jungen Leute, die um die Feuerstelle sitzen, lassen sich nicht lange bitten: Schaufeln, Hacken, Schubkarren und anderes Ausgräbermaterial werden wieder dorthin gebracht, wo die Abtragungsarbeiten am Vortag eingestellt wurden. Unter der Aufsicht von erfahrenen Mitgliedern der „Georges Kayser Altertumsforscher“, gehen die Teenager an die mühselige Ausgrabungsarbeit.

Denn Archäologie ist nicht nur körperlich anstrengend, sondern erfordert auch besondere Konzentration, denn auch das kleinste Indiz kann wichtige Informationen über die Geschichte dieses Ortes liefern, an dem nun seit über 55 Jahren gegraben wird, der seine Geheimnisse allerdings noch längst nicht preisgegeben hat.

Ungewiss noch ist etwa, wie genau die Verteidigungsanlage um das so genannte „Herrenhaus“ direkt am Waldrand verlief. Vor allem das versuchen die 29 Teilnehmer am Archäologie-Camp und ihre Betreuer herauszufinden. Wobei jeder natürlich darauf erpicht ist, einen wichtigen Fund zu machen. Schließlich wurden in diesem Teil des Gutshofs unter anderem schon Fragmente von Statuen, ein Rasiermesser und ein Silberlöffel gefunden. Und wer weiß schon, was einst alles an Müll in den Verteidigungsgräben gelandet ist. Unrat, der heute wichtige Hinweise auf das Leben vor zwei Jahrtausenden geben könnte. Ein wahrer Schatz wurde auf dem schätzungsweise rund fünf Hektar großen Gutshof auch schon geborgen: in den Überresten eines Wohnhauses wurde ein eingemauerter Topf mit 2.772 Münzen aus dem dritten Jahrhundert gefunden. Sie waren dort wahrscheinlich im Zuge eines drohenden Überfalls versteckt worden und wurden danach nie mehr geborgen.

Portalgebäude im Feld?

Bislang sind acht Gebäude des Gutshofs freigelegt, darunter ein rezenteres und ein älteres „Herrenhaus“, sowie vier, die wirtschaftlichen Funktionen zugeordnet werden können: Eine Metzgerei, eine Schmiede, eine Brauerei und ein Depot, das auch als Stall gedient haben könnte. Derzeit interessieren sich die Ausgräber verstärkt für das Feld, das genau vor dem Herrenhaus aus dem 3. Jahrhundert liegt. Laut GKA-Präsident Jacques Bonifas wurde hier eine Ecke eines bislang unbekannten Gebäudes gefunden, sowie Spuren, die auf ein Portalgebäude hindeuten könnten. Mit Bodenradar-Spezialisten der Uni Leuwen will man sich kommende Woche ein genaueres Bild darüber verschaffen. Archäologie-Camps, das ist klar, wird es jedenfalls hier noch eine ganze Menge geben.