LUXEMBURG
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„Fuersch mat un eiser Geschicht“ - Nationalarchiv lädt wieder zur Mitarbeit per „Crowdsourcing“ ein

Crowdfunding“ kennen viele, also Spendenaufrufe in Internet um ein Projekt oder ein Unternehmen zum Laufen zu bringen. „Crowdsourcing“ dagegen ist ein Begriff, der bisher noch seltener gebraucht wird. Dabei ist die Sache viel einfacher. Beim „Crowdsourcing“ wird nicht nach dem guten Geld, sondern nach der Bereitschaft zum Mitmachen des „Internet-Schwarms“ gefragt. Insbesondere bei Aufgaben, wo viele helfende Hände und Augen nützlich sind. Hobbyastronomen, -geographen oder -historiker sind prädestiniert dafür. Laien haben schon geholfen Sternenkarten durchzusehen und wichtige Entdeckungen zu machen, Luftaufnahmen zu analysieren oder sich durch gescannte Akten zu wühlen.

Geschichte der kleinen Leute

In Luxemburg lädt jetzt das National-Archiv zum zweiten Mal zu einer „Crowdsourcing“-Kampagne ein.

Wieder geht es um die Geschichte des „Départements des Forêts“, das zwanzig Jahre zum revolutionären, später kaiserlichen, Frankreich gehörte. Das Departement umfasste ganz Luxemburg, einen Teil der Herrschaft Bouillon und den Osten der Eifel um Bitburg. Auf der Ebene der Feldherrn und der Diplomatie sind die napoleonischen Kriege gut erforscht, aber was tat sich beim Fußvolk?

Wer waren die Männer aus Ardennen und Eifel, die nach der Einführung der Wehrpflicht 1798 unter der Trikolore bis Moskau marschieren mussten und in vielen Fällen nicht zurückkamen.

Erfolgreiches „Crowdsourcing“

Zwei „Crowdsourcing“-Aktionen zu den Wehrpflichtigen der Jahre 1798 bis 1814 aus der Großregion hat es bereits gegeben. So hat der „Verein für Landeskunde im Saarland“ Anfang des Jahres rund 7.000 Sterbeakten aus napoleonischer Zeit veröffentlicht. Mitarbeiter des Vereins haben Tausende dieser Dokumente digitalisiert, die rund 200 Jahre lang als verschollen galten und 2015 in Berlin wiederentdeckt wurden.

Zusammen geht es schneller

Schon 2018 hatte das luxemburgische Nationalarchiv dazu aufgerufen, sich 3.036 digitalisierte Sterbeurkunden von napoleonischen Soldaten, die aus dem ehemaligen „Département des Forêts“ stammten, online anzusehen und zu analysieren. Die Überschrift dieses ersten „Crowdsourcing“ Projektes in Luxemburg lautete „Fuersch mat un eiser Geschicht“. Ein Aufruf der nicht verhallte. Binnen einer Woche wurden die Akten von der „Crowd“, also der interessierten „Menge,“ durchforscht und die gewonnen Informationen in die Online-Datenbank des Nationalarchivs eingepflegt.

Noch mehr Akten

Gestern rief das National-Archiv in einer Pressemitteilung zu einem zweiten „Crowdsourcing“ auf. Über die Internetseite crowdsourcing.anlux.lu können sich Interessenten an einer weiteren Aktion unter der Überschrift „Fuersch mat un eiser Geschicht“ beteiligen. In diesem Fall geht es nicht um Sterbeakten, sondern um die Einberufungsunterlagen.

Auch eine Art von Zwangsrekrutierten

Im Nationalarchiv liegen 19 Register der jährlichen Übersichtstabellen der Wehrpflichtigen des „Département des Forêts“ aus den Jahren 1798 bis 1814. Diese können ab sofort indexiert werden. Es handelt sich um mehrere tausend Seiten, die zahlreiche Informationen über „unzählige 20- bis 25-jährige Männer beinhalten, die (…) nach der Einführung der Wehrpflicht im Jahre 1798 zum Kriegsdienst eingezogen wurden.“

Für einen Archivar wäre die Bearbeitung dieser Listen eine Lebensaufgabe, mit Hilfe von interessierten Historikern, Ahnenforschern, Studenten, Schülern und Geschichtsfreunden lassen sich die Listen deutlich schneller aufarbeiten. Das Nationalarchiv meint, dass Dank der Indexierungsplattform die zahlreichen Informationen, die in den Registern enthalten sind, transkribiert und online zur Verfügung gestellt werden können. Was insbesondere Recherchen in der Ahnenforschung und der Militärgeschichte Luxemburgs erleichtern wird.

Wie macht man mit?

Laut Nationalarchiv ist die Sache ganz einfach: „Um bei diesem Projekt mitzumachen, müssen Sie (unter crowdsourcing.anlux.lu ) ein Konto erstellen, ein Register im Online-Viewer öffnen, die Informationen der Registerseite in das dafür vorgesehene Formular einfügen und die erfassten Informationen speichern, damit diese direkt an das Nationalarchiv weitergeleitet werden können.“

crowdsourcing.anlux.lu