LUXEMBURGMARC GLESENER

Richterin verschärft den Ton - Homosexuelle Beziehung war Grund für Geibens Aus bei Gendarmerie

Für angeregte Debatten sorgte gestern ein neuer Bericht der Kriminalpolizei zu den Aussagen, die Ted Wormeringer während der dritten Prozesswoche gemacht hatte. Eine Zeugin widerlege nun mit ihren Angaben Teile dieser Erzählungen. Erschwerender Umstand: Wormeringer hatte unter Eid ausgesagt. Zur Erinnerung: Der Möbelhändler erklärte im Zeugenstand, Geiben habe sich bei ihm, Wormeringer, in dessen Geschäft in Bereldingen als Bombenleger geoutet. „Es müsse nun ein für alle Mal klar sein, dass nicht jeder hier auftreten kann und unter Eid Geschichten und Lügen erzählen darf“, stellte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter klar. Dies gelte für Belastungs- und Entlastungszeugen. Me Gaston Vogel gab seinerseits zu verstehen, dass er allen Zeugenaussagen auf den Grund gehen möchte. Das sei seine Pflicht. Er verachte allerdings anonyme Aussagen. „Wer etwas zu sagen hat, soll dies namentlich tun und gegebenenfalls auch in den Zeugenstand treten“, so der Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, falls notwendig juristische Schritte wegen Verdachts auf Falschaussage einzuleiten. In diesem Sinne werde nun der Bericht der Kriminalpolizei zu den Wormeringer-Aussagen geprüft.

Demission aus rein privaten Gründen

Zentrales Thema war gestern immer noch die „Spur Geiben“. Chefermittler Carlo Klein berichtet unter anderem von den Anhörungen Geibens. Dabei habe der ehemalige „Brigade mobile“-Chef untermauert, dass seine Homosexualität bzw. seine Beziehung einziger Grund für das Aus bei der Gendarmerie waren. „Ich demissionierte aus rein privaten Gründen. Eine offene Beziehung zu meinem Freund wäre nicht mit meiner Aufgabe in der Gendarmerie vereinbar gewesen“, zitiert Klein aus dem Verhörprotokoll Geiben. Interessant waren Carlo Kleins Ausführungen über ein Gespräch der Ermittler mit dem ehemaligen „Brigade mobile“-Vize und Geiben-Vertrauten Jos Steil. Steil starb am 15. Juli 2004 nach einer schweren Krankheit. Eine richtige Anhörung gab es nicht. Den ermittelnden Beamten war es lediglich möglich, ein klärendes Gespräch mit Steil zu führen, dies nur wenige Tage vor dessen Tod. Bei dem Treffen in Steils Wohnung gab dieser an, der ehemalige Gendarmerie-Chef Aloyse Harpes habe Geiben Mitte der 80er Jahre verdächtigt, einen Banküberfall in Hollerich verübt zu haben. Später dann habe sich herausgestellt, dass die Waldbilliger Bande diese Tat begangen hatte.

Was sollte die Schulung beim FBI?

Steil erzählte den Ermittlern auch, vom Geheimdienst beschattet worden zu sein. An einem Samstag, als Geiben ihm einen Besuch abstatten wollte, habe er einen SREL-Mann identifiziert. Zum Treffen mit Geiben sei es nicht gekommen, der Geheimdienstler sei abgezogen. Steil beschrieb Geiben als überaus sensiblen Menschen. Er habe sich bei ihm, Steil, ausgeweint, weil er die Gendarmerie wegen seiner Homosexualität hatte verlassen musste. Auf seinen eigenen Wechsel von der BMG ins Gendarmerie-Kommando angesprochen, meinte Steil, er sei abgezogen worden, um hierarchisch Platz für jüngere Offiziere zu machen. Steil war am 16. November 1979 zur Sondereinheit gekommen, die er Mitte der 80er Jahre verlassen musste. Die Frage, in was genau Geiben bei seiner Schulung beim „Federal Bureau of Investigation“ (FBI) ausgebildet worden war, wurde gestern von den Verteidigern thematisiert. Aus dem Ermittlungsdossier geht wenig über den Aufenthalt an der FBI-Akademie in Quantico im US-Bundesstaat Virginia hervor.

Dasselbe gilt für die Pentagon-Kontakte Geibens. Darüber stehe nichts in den Akten, empörte sich Vogel und verlangte Klärung. Aufgearbeitet werden müssten zudem die Verbindungen zwischen Geiben und dem Mann (Ian Pavitt), der einst für „Clandestine Operations“ bei der US-Botschaft in Luxemburg verantwortlich war. Der Prozess wird heute (ein vorläufig letztes Mal) mit der Aufarbeitung der „Spur Geiben“ fortgesetzt. Carlo Klein wird dann weiter im Detail auf die Anhörungen Geibens durch die Kriminalpolizei eingehen. Danach ist „Stay Behind“ angesagt. Hier sind ab kommender Woche Zeugenanhörungen geplant. Premierminister Jean-Claude Juncker und Minister Luc Frieden sollen voraussichtlich am Mittwoch, dem 15. Mai aussagen. Am darauffolgenden Montag soll dann Ex-Premier Jacques Santer als Zeuge an der Reihe sein.