LUXEMBURG
ISABELLE SCHMOETTEN

Schule soll Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung unterstützen und ihnen bei der Entfaltung ihres vollen Potenzials behilflich sein, damit sie ihren Platz in der gesellschaftlichen Gemeinschaft finden. Isabelle Schmoetten, Beauftragte für sozio-politische Projekte in der feministischen Bibliothek CID | Fraen an Gender, erklärt, wieso gendersensibler Unterricht auch in unseren Schulen seinen Platz haben sollte. 

„Das CID | Fraen an Gender ist nicht nur Fachbibliothek, sondern auch Kompetenzzentrum für Feminismus- und Genderwissen in Luxemburg und setzt sich seit vielen Jahren für gendersensiblen Unterricht ein. Gendersensibel bedeutet, dass Geschlechterrollenbilder kritisch hinterfragt und aufgebrochen werden.

Erst vor einigen Wochen wies die vor allem aus Schülerinnen und Studentinnen bestehende Organisation ‚Voix de Jeunes Femmes‘ darauf hin, dass das offizielle Literaturprogramm der Gymnasien nicht nur größtenteils männerdominiert ist, sondern auch feministische Fragestellungen und Themen rund um soziale und biologische Geschlechter so gut wie nicht existent sind. Zum selben Schluss kamen die an einer Gruppendiskussion teilnehmenden jungen Leute, wie im Band ‚Mit den Haien streiten. Frauen und Gender seit 1940‘ (capybarabooks 2018) nachgelesen werden kann. Nicht nur würde die Schule Fragen um die Gleichstellung der Geschlechter nicht angehen, Materialien und Lehrpersonen würden oft sogar sexistische Stereotypen reproduzieren. Allein an einem Mangel an gutem pädagogischen Material kann es nicht liegen. In Luxemburg entwickelt und auf Luxemburg bezogen wurden unter anderem die sogenannten praxisorientierten KEK-Mappen: Mit diesen können Kinder und Jugendliche Künstlerinnen, Komponistinnen und Schriftstellerinnen entdecken. Diese in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium produzierten Bände können kostenlos im CID abgeholt werden. Darüber hinaus verfügt die Bibliothek über umfangreiches Material für Lehr- und Erziehungspersonal, um Geschlechterbilder zu hinterfragen und Kinder dabei zu unterstützen, sich frei und selbstbewusst zu entwickeln.

Allerdings nützt das alles nichts, wenn Feminismus als Thema und gendersensible Pädagogik als Prinzip nicht in offizielle Lehrpläne eingehen und nicht Teil der Haltung Lehrender ist. Damit einschränkende und vorurteilsbeladene Geschlechterbilder aus Erziehung und Schule verschwinden, müssen Fachkräfte diesbezüglich geschult werden, was in der Grundausbildung der luxemburgischen Lehrkräfte zurzeit kaum bis nicht der Fall ist.

Umso mehr freut es uns, dass sich nicht nur die Schülerinnen und Schüler selbst für mehr Feminismus und Genderthemen in der Schule einsetzen, sondern dass es auch auf politischem Plan Bewegung gibt. Die neue Ministerin für die Gleichstellung von Frauen und Männern, Taina Bofferding, hat es sich zur Priorität gesetzt, die Gleichstellung der Geschlechter in Ausbildung und Lehre fest zu verankern. Laut Koalitionsprogramm liegt das Bildungsministerium auf gleicher Linie. In unseren Augen mehr als nur ein Hoffnungsschimmer!“