MILWAUKEE
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USA: Der Parteitag der Demokraten beginnt

Dieses Jahr wird sich alles ein bisschen anders anfühlen: Die US-Demokraten haben ihre Anhänger darauf vorbereitet, dass vom eigentlichen Mega-Event des Wahlkampfs 2020 nicht mehr viel übrig geblieben ist. Wenn Joe Biden diese Woche offiziell zum Herausforderer von US-Präsident Donald Trump ernannt wird, wird es kein Meer an Menschen, Flaggen, Luftballons oder Konfetti geben. Der Nominierungsparteitag von Montag bis Donnerstag wird sich wegen der Corona-Pandemie vielmehr wie eine Video-Konferenz anfühlen. Die Demokraten wollen „Amerika vereinen“, so ihre Botschaft. Aber wird es ihnen auch gelingen, Geschlossenheit zu demonstrieren?


Das Spitzenduo

Biden, der acht Jahre lang unter Barack Obama Vizepräsident war, will im Falle eines Wahlsiegs am 3. November Kamala Harris zur ersten Frau und ersten Schwarzen auf dem Stellvertreterposten machen. Die 55-jährige Senatorin galt als sichere Wahl: „Ihre Geschichte ist Amerikas Geschichte“, fasst Biden zusammen. Harris ist die Tochter von Einwanderern aus Indien und Jamaika und gilt seit Langem als Hoffnungsträgerin der Demokraten. Sie weiß, wovon sie redet, wenn sie sich in der aktuellen Debatte um Rassismus äußert - und dürfte ein hohes Identifikationspotenzial bei einer wichtigen Wählergruppe der Demokraten haben. Ihr wird zugetraut, schwarze Wähler zu motivieren, die für einen Sieg gegen Trump wichtig sein dürften. 


Im Zeichen von Corona


Die Corona-Pandemie hat den Wahlkampf der Demokraten ausgebremst. Biden bestritt seine Auftritte lange vor allem von seinem Keller aus, den sein Team in eine Art Fernsehstudio umgewandelt hatte. Von Trump wird er dafür immer wieder verspottet. Doch gefahren ist Biden bislang gut damit, dass er der Pandemie Rechnung getragen hat und es - anders als sein Rivale im Weißen Haus - nicht mit Großveranstaltungen versuchte. Zumindest sprechen Umfragen dafür: Biden liegt derzeit vor Trump - was sich bis zur Wahl im November aber noch ändern könnte. 
Die Planungen für den Parteitag warfen die Demokraten schon früh um. Erst verschoben sie die Veranstaltung um einen Monat nach hinten, dann wurde das Programm in Milwaukee (Wisconsin) nach und nach eingestampft. Publikumswirksames Programm soll es nun nur in den Abendstunden geben. Normalerweise hätten Biden und Harris ihre Nominierung vor Tausenden Delegierten und Zehntausenden Gästen entgegengenommen. Nun werden prominente Redner per Video zugeschaltet. Nicht einmal Biden reist an den ursprünglichen Veranstaltungsort. Wo er am Donnerstagabend (Ortszeit/Freitagfrüh MESZ) seine Nominierungsrede halten wird, ist noch unklar.


Ex-Präsidenten und Ex-Gegner


Beim Nominierungsparteitag kommen die wichtigsten Vertreter und prominentesten Gesichter der Demokraten zu Wort. Zum Auftakt wird die ehemalige First Lady Michelle Obama zu hören sein - ihre Rede wurde laut „New York Times“ bereits im Feriendomizil der Familie auf der Insel Martha's Vineyard aufgezeichnet. In den folgenden Tagen werden sich ihr Mann und Ex-Präsident Barack Obama, der frühere Präsident Bill Clinton und seine Frau Hillary äußern, die 2016 gegen Trump angetreten war. Mit Spannung wird auch die Rede von Bernie Sanders erwartet. Der linke Senator war der letzte aussichtsreiche Gegner Bidens im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. 
Sanders hatte bei der Bekanntgabe seines Rückzugs angekündigt, bei den restlichen Vorwahlen auf den Wahlzetteln zu bleiben, um weiter Delegiertenstimmen zu sammeln und sich so zumindest noch inhaltlichen Einfluss beim Parteitag zu sichern, wo auch über den programmatischen Kurs debattiert wird. Biden hatte Sanders diese Mitsprache zugesichert. Beide Teams haben Arbeitsgruppen gegründet, um zusammen an inhaltlichen Konzepten zu arbeiten. Sanders hat eine klar linke Agenda, Biden gehört zum moderaten Flügel der Partei. 
Sanders war nicht der einzige Konkurrent Bidens um die Kandidatur. Insgesamt stehen mehr als zehn ehemalige Präsidentschaftsanwärter auf dem Programm, darunter die Senatorin Elizabeth Warren und der ehemalige Bürgermeister Pete Buttigieg. Harris, die auch zum Kreis der ehemaligen Rivalen gehört, hatte den Vorwahlkampf am Mittwoch als den am härtesten umkämpften in der US-Geschichte bezeichnet. 
Demonstrative Einheit statt Drama
Bidens Hauptversprechen ist es, das Land nach den polarisierenden Jahren unter Trump zu einen. Umso wichtiger ist es, dass die eigene Partei Geschlossenheit demonstriert - anders als beim Parteitag 2016. Dieser war vom parteiinternen Wettkampf zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders überschattet worden. Der linke Senator trat auf dem Parteitag offiziell gegen Clinton an - Parteistrategen hatten eine Kampfabstimmung nicht verhindern können. Ihre Lager waren nach dem Vorwahlkampf tief zerstritten, was noch unmittelbar vor dem Parteitag zum Rücktritt der damaligen Parteichefin geführt hatte. Das Rennen der Präsidentschaftsanwärter war dieses Jahr früh entschieden. Biden hatte bereits Anfang Juni erklärt, dass er alle nötigen Stimmen zusammen hat, um sich die Kandidatur der Partei zu sichern.


Die Störfaktoren


Die Demokraten hoffen, aus der Not der Pandemie eine Tugend machen zu können und mit dem ganz anderen Parteitag mehr Zuschauer zu gewinnen. Die Technik dürfte dabei die Hauptherausforderung sein. Versprochen haben die Organisatoren einen Nominierungsparteitag, auf dem «weniger Menschen hinter Podien - und mehr Leute in Wohnzimmern, in Fabriken, in Kleinunternehmen, in Schulen und auf Stadtplätzen» zu sehen sein werden. „Es wird wahrlich eine Convention in ganz Amerika sein.“
Für Ablenkung dürfte Trump sorgen, der in der Parteitagswoche mehrere Bundesstaaten besuchen will. Am Montag will er ausgerechnet in Wisconsin auftreten. Zudem will er auch in Minnesota und Arizona sprechen. Die Bundesstaaten sind bei der Wahl besonders umkämpft - die sogenannten Swing States lassen sich keiner Partei eindeutig zuordnen. Die Republikaner halten ihren Parteitag eine Woche nach den Demokraten ab, das Programm ist noch weitgehend unklar.