ESCH/ALZETTE
CHRISTIAN BLOCK

Ab heute nutzt das CHEM in Esch-Alzette einen Scanner ausschließlich für Covid-19-Fälle

Der „rote“ Kreislauf schließt sich: Ab heute Mittag nutzt das „Centre Hospitalier Emile Mayrisch“ (CHEM) in Esch/Alzette einen Computertomographen exklusiv zur Diagnose und bei der Behandlung von Covid-19-Patienten. Das bedeutet, dass der Scanner direkt über reservierte Aufzüge vom „roten“ Notaufnahmebereich aus angesteuert werden kann. Über einen improvisierten, vom „Service technique“ zusammengezimmerten Flur werden Patienten in die Anfang April per Kran im Innenhof des CHEM abgelegten Container gebracht. Ein CT-Scan kann positiv sein, also eine Covid-19-Infektion in den Lungen nachweisen, wenn der Test per Nasenabstrich noch negativ ausfällt, erklärt Dr. Serge Meyer, Verantwortlicher der CHEM-Krisenzelle. Eine solche Infektion gebe zudem ein sehr charakteristisches Bild ab.

Dr. Serge Meyer (r.): Binnen fünf Minuten landen die Ergebnisse des CT-Scan im Krankenhausnetz und können vom Arzt abgerufen werden - Lëtzebuerger Journal
Dr. Serge Meyer (r.): Binnen fünf Minuten landen die Ergebnisse des CT-Scan im Krankenhausnetz und können vom Arzt abgerufen werden

Der Scanner soll sowohl bei der Diagnose wie auch im Laufe der Behandlung, etwa bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustands des Patienten, eingesetzt werden.

Die physische Trennung der Patienten ist im vorgelagerten Bereich bereits gewährleistet: Der „Urgence“-Bereich des Krankenhauses ist zweigeteilt: der rote Bereich für Notfälle mit Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus, gekoppelt an eine spezifische Intensivstation, der grüne Bereich für alle anderen.

Am Freitag wurde das Gerät – eines von vier neu bestellten im Land - von der Abteilung für Strahlenschutz abgenommen. Seit Dienstag ist die Maschine für reguläre Patienten im Einsatz, um die medizinisch-technischen Radiologieassistenten mit dem neuen Gerät vertraut zu machen.

Ab heute wird es deutlich ruhiger zugehen im Container, wo es spürbar wärmer ist als im restlichen Gebäude. Zwei Mitarbeiter des Spitals werden sich hier aufhalten, um die Maschine zu bedienen und dem Patienten zu assistieren. Die entstandenen Aufnahmen landen binnen weniger Minuten im Krankenhausnetz, sodass der Arzt meistens schon bescheid weiß, bevor der Patient wieder zurückgebracht wurde.

Prozedur im Eingangsbereich des Krankenhauses für Mitarbeiter: 
Desinfizieren, Maske aufsetzen und sich die Temperatur messen lassen - Lëtzebuerger Journal
Prozedur im Eingangsbereich des Krankenhauses für Mitarbeiter: Desinfizieren, Maske aufsetzen und sich die Temperatur messen lassen

Knapp die Hälfte der Covid-19-Betten belegt

Stand Mittwochmittag wurden 61 Covid-19-Patienten im CHEM behandelt, davon zwölf auf der Intensivstation. Damit bleibt dem Krankenhaus bei einer Kapazität von insgesamt 134 Betten (davon 54 Reanimationsbetten) noch einiges an Luft. Doch wie es weitergeht und ob der Höhepunkt der Pandemie erreicht ist, könne man nicht vorhersehen. Einerseits wurden Dr. Meyer zufolge in der vergangenen Woche täglich genauso viele Covid-19-Patienten aufgenommen wie wieder entlassen werden konnten: sechs bis sieben. Andererseits: „Seit zehn Tagen beginnt die Ausgangssperre zu bröckeln“, lautet die Einschätzung Meyers mit Blick auf den Verkehr auf den Straßen oder den Andrang im Supermarkt, sodass eine zweite oder überhaupt eine wirkliche Infektionswelle nicht ausgeschlossen werden könne. Der Eindruck Meyers scheint sich draußen zu bestätigen: Recht viele Autos sind auf den Straßen unterwegs. Man hat den Eindruck, dass mehr Menschen unterwegs sind, als zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen.

Zutritt zum „roten“ Bereich: Covid-19-Patienten sollen nicht mit anderen in Kontakt kommen - Lëtzebuerger Journal
Zutritt zum „roten“ Bereich: Covid-19-Patienten sollen nicht mit anderen in Kontakt kommen
Nunmehr 69 Sterbefälle

Zahl der Covid-19-Infizierten bei 3.373

Die Lage bei den Coronavirus-Infektionen am Mittwochnachmittag in Luxemburg stellte sich wie folgt dar: bis dahin wurden 3.373 Menschen positiv auf Covid-19 getestet (66 mehr als am Dienstag).
2.760 der positiv Getesteten sind Gebietsansässige. Das Durchschnittsalter liegt bei 46 Jahren.
Die Zahl der Sterbefälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg auf 69 (+2). Das Medianalter der Opfer liegt bei 84 Jahren.
Derweil sind 191 Patienten wegen des Erregers hospitalisiert, davon 33 in Intensivbetreuung. Zu dieser Zahl hinzurechnen muss man noch neun Patienten aus dem französischen Grand Est.
526 Personen konnten bereits aus der Klinik entlassen werden. Insgesamt wurden seit Ausbruch der Krise 30.723 Tests durchgeführt.  LJ
Der improvisierte Flur verbindet das Gebäude mit dem Container 
Fotos: CB - Lëtzebuerger Journal
Der improvisierte Flur verbindet das Gebäude mit dem Container Fotos: CB