LUXEMBURG
ROSELINE LENTZ

Am heutigen 11. April ist Welt-Parkinson-Tag. 1997 wurde dieser Aktionstag durch die „European Parkinsons Disease Association“ – in Erinnerung an den Geburtstag von James Parkinson, der 1817 erstmals die Krankheit beschrieb – ins Leben gerufen. Die Parkinson-Krankheit ist eine der bekanntesten und häufigsten Erkrankungen des Nervensystems.

„Unter den neurodegenerativen Erkrankungen zählt Parkinson zu der zweithäufigsten und betrifft etwa 1.000 Menschen und ihre Familien im Großherzogtum. Die Symptome sind sehr verschieden und sind von Person zu Person, aber auch von Moment zu Moment, anders ausgeprägt. Oft verstehen sogar langjährige Mediziner nicht, welche Zustände, gute und schlechte, diese Menschen tagtäglich erleben.

Das Begegnungszentrum ,La Tulipe‘ in Leudelingen, ein Angebot der luxemburgischen Parkinsonvereinigung, versteht sich als Begegnungsort der Selbsthilfegruppen für Familien, die von Parkinson oder verwandten Krankheiten betroffen sind. Hier wird den betroffenen Familien geholfen, den täglichen Umgang mit der Krankheit zu verstehen und zu meistern und so sich selbst, aber auch die Gesundheitskasse zu schonen. Hilfe zur Selbsthilfe wird groß geschrieben, da die Menschen oft den Eindruck haben, allein gelassen zu werden.

Das Konzept, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und findet mittlerweile selbst Nachahmer im Ausland. Die Wissenschaft hat den Nutzen von Selbsthilfe und sportlicher Betätigung bewiesen. Auch die Kostenersparnisse die durch diese Form der ,Krankheitslehre‘ entstehen, sind längst bewiesen und sind den meisten offiziellen Stellen bekannt.

Allgemein gesehen haben wir in Luxemburg in puncto Kostenrückerstattung eines der großzügigsten Gesundheitssysteme weltweit. Zusätzlich hat die Regierung des Großherzogtums in den vergangenen Jahren zahlreiche Gesetze und Abkommen verabschiedet, die Menschen mit einer Behinderung schützen und unterstützen sollen, unter anderem die UN-Behindertenrechtskonvention.

Insgesamt bietet sich also ein erfreuliches Bild, sollte man denken, doch weit gefehlt: Neurodegenerative Krankheiten werden immer wieder falsch verstanden und stellen die betroffenen Personen zu oft vor nahezu unlösbare Hürden.

Die Gesetzeslage scheint ganz gut, doch oft werden einfachste Hilfestellungen verweigert, eben wegen dieses Mangels an Wissen über diese Krankheiten. Auch scheint es, als ob die offiziellen Stellen untereinander nicht vernetzt genug wären, um Menschen mit neurodegenerativen Krankheiten die Hilfe zugutekommen zu lassen, die sie benötigen. Es fehlt ganz einfach, trotz Gesetzeslage, an Kohärenz in den Abläufen und an Anerkennung für diese Krankheiten.

Unserer Meinung nach ist die Ausarbeitung eines gesonderten Status für neurodegenerative Krankheiten unumgänglich. Zudem sollten sich die offiziellen Stellen mit den betroffenen Personen und ihren Vertretern zusammensetzen und Vorgehensweisen entwickeln, welche den Rechten der Bürger, die durch Verfassung, Gesetze und Konventionen garantiert werden, entsprechen.

Auch kranke Menschen sind vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft. Die Vereinigungen sind das Rückgrat des luxemburgischen Sozialsystems und verkörpern gelebte Solidarität und Zusammenhalt. Ihr Wissen sollte genutzt werden!“