JOS BOURG

Der Verein Protransplant versucht seit dem Jahr 2011, mehr Aufmerksamkeit auf die Organspende zu lenken. Dass die Spendenbereitschaft in Luxemburg so niedrig ist, liegt aber auch am nicht vollständig umgesetzten Gesetz.

„Seit 2011 haben wir im politischen Bereich viel auf den Weg gebracht. Für uns ist es eine große Ehre, dass wir inzwischen unter der Schirmherrschaft des Großherzogs und der Großherzogin stehen. Außerdem haben wir vom Justizministerium das Statut des öffentlichen Nutzens erhalten. Wir haben vieles erreicht, aber in reinen Zahlen ist die Spenderbereitschaft in Luxemburg immer noch sehr schlecht. Im Eurotransplantraum von acht Ländern steht Luxemburg an letzter Stelle, in der Weltrangliste an sechsletzter Stelle vor Ländern wie Saudi-Arabien, in denen Organspende aus religiösen Gründen nicht üblich ist. Laut der offiziellen Statistik von Eurotransplant kommen in Luxemburg auf eine Million Menschen im Jahr hochgerechnet nur fünf Spender. 

Die Spendenbereitschaft ist in Luxemburg auch teilweise so niedrig, vor allem weil das Gesetz von 1982, welches an sich gut ist und 2015 modifiziert wurde, nicht eingehalten wird. Das Problem ist das Fehlen von drei großherzoglichen Reglementen und insbesondere in Bezug auf Artikel 15. Dieser nimmt Ärzte in die Pflicht und gibt ihnen Rechtssicherheit. Die Ergänzung der großherzoglichen Reglemente wurde uns im Vorjahr von Ministerin Lydia Mutsch zugesichert, doch bisher wurde das Reglement nicht geschrieben und so lange wird es keine Änderung in Luxemburg geben. Eigentlich müsste jeder potenzielle Spender aufgezeichnet werden und in jedem großen Krankenhaus müsste es einen Koordinator geben, der Dossiers über hirntote Patienten anlegt und aufführt, ob transplantiert wurde und wenn nicht, warum dies nicht der Fall war. Das Gesetz von 1982 sieht zudem vor, dass jeder Beamte, der einen Pass oder einen Personalausweis ausstellt, gleichzeitig das Dokument für die Entscheidung über die Organspende ausgibt. Allerdings setzen die in Luxemburg vielleicht nur zehn Gemeinden um. Damit sich mehr Leute mit diesem Thema auseinander setzen, führen wir dieses Jahr jeweils zweistündige Aufklärungskonferenzen an allen klassischen und technischen Lyzeen durch. Mehr als 90 Prozent der Schüler nehmen einen Organspendeausweis zum Ausfüllen mit.

Jeder sollte seinen Organspendeausweis ausgefüllt bei sich tragen. Diejenigen, die nicht spenden wollen, kreuzen eben die Option des Nichtspenders an. Das macht es im Notfall für die Familie einfacher. Wenn sie einen geliebten Menschen verliert, steht sie unter dem enormen Stress, in kurzer Zeit zu entscheiden. Auch wenn jemand Organspender ist, wird die Familie trotzdem befragt. Aber egal, ob man dafür oder dagegen ist, man sollte das unbedingt in der Familie thematisieren, damit die Wünsche eines jeden bekannt sind. Denn selbst im hohen Alter von 70 und 80 kann man noch Organe spenden, es gibt keine Obergrenze.

Meine Meinung ist, dass wenn das Gesetz endlich unter Dach und Fach ist, 20 Jahre vergangen sind und die Schüler von heute voll im Leben stehen, ist das Problem gelöst. Laut einer Studie gibt es keinen Organmangel, wenn nur 55 Prozent der Menschen spenderbereit sind.“