DIFFERDINGEN
NICO PLEIMLING

Sea Shepherd Luxemburg zählt 300 Unterstützer und 23 aktive Freiwillige

Yasmine Hémès, 1963 in Düdelingen geboren, ist Direktorin der noch jungen Organisation Sea Shepherd Luxemburg asbl. Neben dieser Verantwortung arbeitet sie als Grafikdesigner, in ihrer Freizeit taucht, reist und liest sie gerne. Im „Journal“-Interview geht sie tiefer auf die Aktivitäten ihrer Organisation ein.

Sea Shepherd Luxemburg existiert erst seit rund 16 Monaten. Wie kam es zur Gründung der Vereinigung?

Yasmine Hémès Den Ausschlag zur Gründung von Sea Shepherd Luxemburg am 24. Juni 2013 gab, für mich persönlich, der Film „Bekenntnisse eines Öko-Terroristen“ über Paul Watson, den Mitbegründer von Sea Shepherd Conservation Society. In diesem Dokumentarfilm von Peter Jay Brown wird beschrieben, was wir Menschen unseren Meerestieren und damit auch den Meeren antun. Die Zahlen zur Ausbeutung der Meere sind erschlagend. Hier nur ein Beispiel: 100 Millionen Haie werden jährlich getötet. Davon allein über 70 Millionen als Beifang in riesigen Fangnetzen. Den anderen werden lebend die Flossen abgeschnitten, dann landen sie noch lebendig, aber bewegungslos, zum grauenvollen Tod verurteilt, wieder im Meer. Mit den Flossen wird eine geschmacklose Suppe gekocht, die Haifischflossensuppe.

Mit den Haien, die nur noch aus einem Restbestand von zehn Prozent in den Meeren anzutreffen sind, heben wir das natürliche Ökosystem weltweit auf. Die Haie sind die Umweltpolizei der Meere und säubern diese. Die Aussage von Sea Shepherd Global „Wir bringen die Gesetze aufs Meer“ und die direkten Aktivitäten auf den Meeren, die dazu notwendig sind, haben meinen Entschluss, mich fortan für Sea Shepherd einzusetzen, mehr als bestätigt.

Da Sea Shepherd eine Meeresweltorganisation ist, habe ich Kontakt zu unseren Freunden aus Deutschland aufgenommen. Die Ideen und Gedanken in Luxemburg eine Ländergruppe zu gründen, führten zu Gesprächen mit dem „Director“ aus Deutschland, Maddy Madison, und Dr. Geert Vons, Direktor aus den Niederlanden, an denen sich Patrice Bamberg, Sekretärin von Sea Shepherd Luxemburg und ich selbst beteiligt haben.

Wird Ihre Vereinigung ab und in Frage gestellt, da Luxemburg keinen direkten Zugang zum Meer hat?

Hémès Genau das war die Frage, die wir uns zu Anfang auch stellten. Aber erstaunlicherweise oder, weil die Menschen in Luxemburg ein großes Umweltbewusstsein haben, lautet die Antwort Nein. Wir werden eigentlich sehr selten darauf angesprochen. Und wenn, dann erklären wir, dass ohne die Meere kein Leben auf unserer Erde möglich ist.

Welche Anforderungen müssen potenzielle Mitglieder erfüllen, um aufgenommen zu werden?

Hémès Was die freiwillige Arbeit zu Lande anbelangt, eigentlich nur die, sich für Sea Shepherd und unsere Aktionen bewusst einzusetzen und das auf friedvolle Art und Weise. Wir sind eine sehr aktive Organisation, die sich trotzdem an die Gesetze hält. So können Unterstützer anfangs beim Merchandising-Stand oder in unserem Streetteam mitmachen. Wenn sie vollen Einsatz zeigen, können sie Freiwillige von Sea Shepherd Luxemburg werden.

Was unsere freiwillige Arbeit bei unseren Operationen anbelangt, kann jeder sich beteiligen. Dazu muss er einen Fragebogen ausfüllen und unterschreiben, dass er sich an die Bestimmungen von Sea Shepherd Global hält. Unsere Arbeit kann sehr emotional sein. In Taiji (Japan) zum Beispiel, wo unsere Freiwilligen seit 2010 jährlich von Oktober bis Februar die Bucht bewachen. Jahr für Jahr werden dort bis zu 3.000 Delfine - in ganz Japan sterben jährlich 20.000 Tiere - in die Bucht getrieben. Die schönsten unter ihnen werden ausgewählt, um sie zu dressieren und dann für sehr viel Geld an Delfinarien zu verkaufen.

Die anderen werden grauenvoll getötet. Eine Eisenstange wird ihnen ins Rückenmark gerammt, um sie bewegungsunfähig zu machen. Das entstandene Loch wird mit einem Holzpflock verschlossen, damit sie nicht ausbluten und das Meer rot färben. Danach werden sie im Schlachthaus zu Fleischportionen verarbeitet.

In Japan können wir nur als Cove Guardians vom Strand aus die Geschehnisse beobachten und darüber berichten. Alles wird von der Polizei überwacht und es ist streng verboten einzugreifen. Nun stellen sie sich mal vor, unsere Freiwilligen würden ins Meer rennen, um den Delfinen zu helfen. Sie würden sofort verhaftet und ins Gefängnis gebracht. Wir leisten harte Arbeit, der wir irgendwie gewachsen sein müssen. Sea Shepherd Global trägt die Verantwortung und muss sich auf die freiwilligen Helfer verlassen können. Jeder muss für sich entscheiden, ob er diesen Aufgaben gewachsen ist.

An welchen Aktionen waren Sie bislang beteiligt?

Hémès Als erster offizieller Volunteer aus Luxemburg war Yves Stocklausen im vergangenen Februar in Taiji. Des Weiteren waren dieses Jahr Luxemburger Freiwillige auf den Färöer-Inseln während der „Operation Grindstop2014“, an der sich insgesamt 500 Freiwillige beteiligt haben. Bei der Landcrew waren Bianca Leardini, Kevin Schiltz, Christophe Wiscourt, Jérôme Theis, Laurent Gurschké, Philippe Manderscheid, Fabrice Lazzeri und bei der Bootscrew bin ich aktiv. Momentan ist Solveig Harper für Luxemburg in Taiji.

Wie gefährlich sind die Einsätze?

Hémès Wenn wir von den Einsätzen auf unseren Schiffen in der Antarktis sprechen, ziemlich gefährlich. Vor zwei Jahren wurde unser Schiff, die Bob Barker, zwischen zwei japanischen Walfangschiffen eingeengt. Dieses Jahr hat uns ein Walfangschiff gerammt. Bei unserem Einsatz auf den Färöer Inseln wurden 15 Sea Shepherd-Freiwillige verhaftet und vier unserer Boote konfisziert, als sie einen Grindwalfang stoppen wollten. Unsere Leute kamen nach zwei Tagen frei, müssen sich aber vor Gericht auf den Färöer Inseln verantworten. Unsere Schiffe werden weiterhin festgehalten.
Glauben Sie persönlich, dass das Leben in den Meeren erhalten werden kann oder sind Aktionen von Organisationen wie Sea Shepherd nur ein Tropfen auf dem heißen Stein?

Hémès Einen Tropfen auf dem heißen Stein wäre es, wenn die Menschen alle ignorant wären, aber nein, unsere Einsätze zeigen den Menschen da draußen, dass wir alle etwas tun müssen um unsere Welt zu schützen.

Unsere Einsätze, die allerdings nur möglich sind durch die Unterstützung unserer Spender, haben schon sehr viel bewirkt. Wir werden auch weiterhin alles daransetzen, das Bewusstsein zu stärken, dass die Ausbeutung von einigen wenigen unser aller Schaden ist - ein irreparabler Schaden.

Hier sei erwähnt, dass die Volunteers von Sea Shepherd, wenn sie zu Aktionen, Operationen aufbrechen, dies aus ihrer eigenen Tasche zahlen. Die Spendengelder sind lediglich dazu gedacht unsere Schiffe zu reparieren, in Stand zu halten und den nötigen Treibstoff zu kaufen. Genau daran sieht man, wie groß der Wille ist sich einzusetzen - wie bewegend das Thema Meerestiere und Meereswelt ist.

Welchen Beitrag können die Bürger in Luxemburg leisten?

Hémès Alle Menschen, die unsere Petition „Contre les massacres inutiles, insensés et barbariques de baleines pilotes (globicéphales), dauphins et autres cétacés aux Iles Féroé“ unterschrieben haben, haben ihren ersten Beitrag geleistet. Die Petition wurde mit 4.654 Unterschriften bestätigt und wir werden am 15. Dezember vor unserem Parlament vorsprechen. Danke an dieser Stelle für die Unterstützung all denen, die unsere Petition unterzeichnet haben.

Welche Aktionen sind in den kommenden Monaten geplant?

Hémès Wie dieses Jahr werden wir auch 2015 im Mai wieder einen „Run for the oceans“ organisieren. Dann wird neben dem Lauf ein Tauchertruck bereitstehen, wo alle Interessierten sich am Schnuppertauchen üben können.

Dann bitten wir alle Leute jetzt am 16. November zum SkatePark Schmelz in Düdelingen zu kommen - Treffpunkt um 13.30 beim großen Parkplatz von der ARBED - dort wird ein Video von allen Sea Shepherd Freunden, Sympathisanten, Mitgliedern von der Filmfirma Pulsa Pictures gedreht, das künftig für Sea Shepherd Luxemburg stehen wird und in den Kinos einen Aufruf finden soll. Uns stehen Gespräche bevor im Luxemburger Umweltministerium auf Einladung vonMinisterin Carole Dieschbourg. Des Weiteren haben wir eine Einladung vom Grünen-Europaabgeordneten Claude Turmes erhalten und werden in Brüssel im Europaparlament ein Gespräch haben, zusammen mit unserem Sea Shepherd Global-Präsidenten Alex Cornelissen und dem Direktor aus den Niederlanden, Geert Vons. Außerdem wird dieses Jahr mit einer riesengroßen Überraschung abgeschlossen, auf die ich mich persönlich sehr freue. Dazu aber mehr Ende November oder Anfang Dezember. Und zu guter Letzt steht noch unsere Generalversammlung am 12. Dezember an.


www.facebook.com/SeaShepherdLuxemburg