LUXEMBURG
ANA PINTO

Im Kampf gegen häusliche Gewalt bleibt noch viel zu tun – gesetzlich wie auch präventiv. Davon ist Ana Pinto, die häusliche Gewalt selbst erlebt hat, überzeugt und regt in einer Petition viele Verbesserungsmöglichkeiten an. Die Petition kann noch bis zum 8. November unterstützt werden.

„Häusliche Gewalt ist in Luxemburg immer noch ein großes Tabuthema. Viele Menschen wissen nicht, dass in den vergangenen 18 Monaten fünf Menschen – vier Frauen und ein Mann – durch häusliche Gewalt ums Leben gekommen sind und dass auch Männer, wenngleich weniger häufig als Frauen, Opfer von häuslicher Gewalt werden. Auch die Kinder werden in diesem Kontext oft vergessen.

Oft müssen sich Opfer von häuslicher Gewalt den indirekten Vorwurf gefallen lassen, warum sie nicht beim ersten körperlichen Übergriff die Koffer packen. Man muss aber wissen, dass es sehr schwierig ist, sich aus einer solchen Situation zu befreien. Es ist ein schleichender Prozess, der psychologisch und verbal anfängt, was sehr schwierig zu beweisen ist. Wenn der erste Schlag erfolgt, hat das Opfer inzwischen meist so viel an Selbstvertrauen eingebüßt, dass es die physische Gewalt akzeptiert. Auch eine finanzielle Abhängigkeit vom Täter kann ein Faktor sein. Es besteht auch ein Informationsmangel, an wen man sich in einer solchen Situation wenden kann und diese Menschen haben nicht zuletzt einfach Angst, weil sie nicht wissen, was danach geschieht oder ob sie ihre Situation nicht noch verschlimmern.

Zwar gibt es Gesetze und auch gute. Im Juli 2018 hat Luxemburg die Istanbul-Konvention ratifiziert. Angewendet wird sie allerdingsd immer noch nicht. Die Einrichtung einer 24/24-Stunden-Hotline oder der Ausschluss eines Mediationsverfahrens in Fällen häuslicher Gewalt, was aber immer noch von Gerichten angeordnet wird, wurden etwa noch nicht umgesetzt.

Darüber hinaus könnten auch neue Gesetze beschlossen werden. In Frankreich ist geplant, Tätern eine elektronische Fußfessel verordnen zu können. In Kombination mit einem Armband könnte das Opfer dann rechtzeitig gewarnt werden, wenn sich der Täter in der Nähe befindet. Denn wenn der Täter nach einer Wegweisung doch plötzlich gegen die Tür hämmert, reagiert das Opfer nach jahrelanger psychischer Gewalt nicht mehr rational. Was denken jetzt wieder die Nachbarn? Kommt jetzt wieder die Polizei? Das sind eher die Fragen, die sich das Opfer in einer solchen Situation stellt.

Auch in der Prävention bleibt viel zu tun. Man muss Jugendliche über die ersten Anzeichen aufklären. Spezielle Weiterbildungen für Richter, Anwälte oder auch Sozialarbeiter wären ebenfalls wünschenswert.

In Spanien wurde ein spezielles Gericht geschaffen, wo binnen 15 Tagen nach einer Wegweisung der Täter vor Gericht kommt. In Luxemburg kann es Jahre dauern, bis ein Fall verhandelt wird, um dann häufig ,sans suites‘ klassiert zu werden. Und falls doch, erfährt niemand, wenn der Täter wieder aus dem Gefängnis freikommt. Luxemburg aber ist ein kleines Land. Wer schützt die Opfer?

Nicht zuletzt muss die Politik auch den Opfern zuhören. Es gibt viel Verbesserungsbedarf. Nur während der ,Orange Week‘ über häusliche Gewalt zu sprechen, reicht definitiv nicht.“

Direktlink zur Petition: tinyurl.com/Petition1388