LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Immer mehr Sozialisten fordern den Rücktritt Friedens - Parteispitze bleibt unentschlossen

Die LSAP tut sich schwer damit, eine klare Position zur Frage zu beziehen, ob der Finanzminister Luc Frieden nach den Enthüllungen der vergangenen Tage noch politisch tragbar ist. Für verschiedene Genossen lautet die Antwort ganz klar: „Nein“.

Bofferding, Moes und Fayot meutern

Während die Jungsozialisten vergangene Woche bereits Friedens Rücktritt verlangten, wandten sich die ehemaligen JSL-Präsidenten Taina Bofferding und Régis Moes, sowie Franz Fayot, der Präsident der „Stater Sozialisten“ in einem Brief an die „Kameraden“ der Partei- und Fraktionsführung.

„Les affaires Frieden et SREL constituent à notre avis des scandales qui devraient, dans n‘importe quel Etat de droit conduire à la démission du moins des ministres concernés“, schreiben die drei Genossen, „l‘ensemble de ces affaires nous amènent, en tant que membres du LSAP, à nous interroger sur l‘opportunité de continuer la coalition avec le CSV si ce dernier insiste sur le maintien du Ministre Luc Frieden,que nous considérons comme intenable, au Gouvernement. Du moins, dans cette affaire, il ne pourra pas faire confirmer - aux frais de l‘Etat - par ses copains de PwC, que tout est pour le mieux dans le meilleur des mondes“. Und weiter; „Nous sommes d‘avis que le LSAP devrait non seulement dénoncer clairement et publiquement les pratiques révélées ces derniers temps, mais qu‘il devrait en outre intervenir auprès de son partenaire de coalition pour exiger le retrait du Ministre Frieden. Si notre partenaire de coalition devait persister à maintenir M. Frieden, nous nous demandons s‘il ne conviendrait pas d‘interroger la base de notre parti sur l‘opportunité du maintien du LSAP au sein de l‘actuelle coalition“. Parteispitze und Fraktion reagierten pikiert auf diesen Vorstoß. Auf den Brief angesprochen, den unter anderem sein Sohn Franz unterzeichnete, meinte der LSAP-Abgeordnete Ben Fayot schlicht: „Kein Kommentar“.

Die Fraktion werde noch über die weitere Vorgehensweise beraten. Auf wenig Gegenliebe bei den Sozialisten stieß auch die Initiative der „déi jonk gréng“, eine Internetseite einzurichten, über die man alle sozialistischen Abgeordneten dazu auffordern kann, die Motion der Grünen zu unterstützen, die heute im Parlament vorgebracht wird. „Déi gréng“ stellen in einer Motion die Frage ans Parlament, ob es dem Minister das Vertrauen entzieht.

Die DP geht in einer Motion noch weiter und fordert ein Vertrauensvotum zur ganzen Regierung.

Die „Piratepartei“ unterstrich gestern in einer Pressemitteilung, dass durch die Skandale der CSV-LSAP-Regierung das Vertrauen in die Politik einen Tiefststand erreicht hat. Sie appelliert in diesem Sinne an alle Abgeordneten gleich welcher Couleur heute Minister Frieden und der Regierung ihr Misstrauen auszusprechen.

„Weißt du eigentlich,dass du einen Puff in Esch hast“?

Heute wird sich allerdings nicht nur Frieden erklären müssen: Auch der Premier wird sich der Frage stellen müssen, was er vom Druck auf die Ermittlungen wusste ... und was von der Beschattungsaktion und Gerüchten, die über den damaligen Staatsanwalt Robert Biever in Umlauf gebracht wurden. „Er hat mich irgendwann mal gefragt: ‚Weißt du eigentlich, dass du einen Puff in Esch hast?‘

Für mich war das einfach ein Witz oder purer Quatsch. Deswegen habe ich nicht nachgefragt. Wir haben beide darüber gelacht“, sagte Biever gestern dem „Wort“. Juncker könnte die Information aus einem Dossier über pädophile Kreise haben, mit dem sich der Geheimdienst laut Biever „illegal und illegtim“ befasste.