LUXEMBURG
MARCO MENG

Selbst kochen mit Bioprodukten: Das ist die Geschäftsidee von „Avocado“

Die in Dänemark geborene Kristina Rasmussen lebt seit ihrem vierten Lebensjahr in Luxemburg. Sie studierte Englisch und Spanisch und wurde dann Lehrerin, obwohl sie das eigentlich nie hatte werden wollen. Nach sechsjähriger Erfahrung als Marketingchefin eines Unternehmens machte sie sich endlich in dem Bereich selbstständig, der ihr wirklich am Herzen liegt: Gesunde Ernährung. Mit genauso viel Idealismus wie Realismus will Rasmussen das Selberkochen fördern und hat dazu in Niederanven die Aktiengesellschaft Avocado gegründet.

Wie kamen Sie auf die Idee, sich selbstständig zu machen?

Kristina Rasmussen Ich bin jemand, der passioniert an die Sachen herangeht, die mir am Herzen liegen. Die Möglichkeit bestand einfach nicht in einem anderen Job, wo ich nicht dazu gekommen wäre, das zu tun, was mir wichtig ist. Neben meinem Beruf hatte ich zwei Jahre lang Kurse zur Heilpraktikerin absolviert und entdeckt, dass das wirklich meine Leidenschaft ist: Gesundheit. So kam es dazu, dass ich mich selbstständig machte. Während meiner Studienzeit an der Uni hatte ich schon einen ersten Versuch gestartet mit einer Idee, die dann zwar nicht von Erfolg gekrönt war, aber wenn ich eine Idee habe, die mir gefällt, versuche ich, sie umzusetzen. Das ist wohl mein Naturell.

Dann gründeten Sie Avocado?

Rasmussen Ja. Das war allerdings nicht von heute auf morgen, sondern ist ein Prozess gewesen. Nachdem ich die Heilpraktikerkurse gemacht hatte, interessierte ich mich sehr für gesunde Ernährung, gleichzeitig wurde ich Mutter - das alles zusammen hat mich dann inspiriert, gesünder zu leben. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis hörte ich auch stets, „Ich würde ja auch gerne, aber ich weiß nicht, wie...“ und so weiter. Damit hat sich meine Idee so langsam entwickelt. Vor einem Jahr, im Januar 2014, gründete ich dann das Unternehmen, nachdem ich mich davor ein gutes Jahr darauf vorbereitet hatte. Mein Freund ist auch selbstständig, und er konnte mir aus diesem Grund bei vielem helfen. Die Finanzierung war eigentlich kein Problem, denn hat man eine gute Idee, gibt es immer Leute, die einem Startkapital geben, denke ich. Gründet man aber die eigene Firma, hat man auch etliche administrative Hürden zu überwinden, das läuft ein bisschen träge in Luxemburg. Bis ich meine TVA-Nummer erhielt, das allein dauerte beispielsweise schon ein halbes Jahr. Aber ich hatte das Glück, dass sich die Menschen in meiner Umgebung alle mit Geschäftlichem auskennen. Hätte ich das allein machen müssen, wäre es sicher nicht leicht gewesen, das ist schon nicht so einfach. Richtige Beratung findet man nur schwer, wenn man nicht wirklich „innovativ“ ist und etwas ganz Besonderes macht, und viele Startup-Hilfen - so mein Eindruck - schieben einen nur von da nach dort. Das finde ich ziemlich schade. Wie gesagt, mein Vorteil war meine Umgebung, die mir half, und zudem hatte ich es auch nicht eilig damit und konnte mir Zeit bei der Planung lassen.

Und jetzt läuft es?

Rasmussen Ich kann zufrieden sein, zumal wir auch viel positives Feedback erhalten. Dennoch liegt noch viel Arbeit vor uns. Es geht aber immer besser und wir wachsen. Wir sind jetzt mit mir drei Vollzeitangestellte, und im Laufe des Jahres werden noch ein oder zwei Mitarbeiter dazukommen. Das hängt natürlich davon ab, wie sich der Verkauf weiter entwickelt.

Was genau verkaufen Sie?

Rasmussen Eine Kollegin kreiert Rezepte, zwischen 20 und 25 die Woche, die in verschiedene Menüs aufgeteilt sind, von vegan bis Fleisch und Fisch. Um die Rezepte zuhause kochen zu können, liefern wir die gesamten Zutaten an die Kunden aus. Dabei legen wir Wert auf Bioprodukte möglichst aus regionaler Herstellung. Am Anfang waren die Leute natürlich skeptisch, aber inzwischen gewinnen wir mehr und mehr Kunden im ganzen Land. Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind, sind unsere Kunden, aber auch viele junge Leute bestellen die Essensboxen, manche ordern die Menüs unregelmäßig, andere mit Abo, je nach dem. Das sind jede Woche siebzig bis achtzig Kisten an Menüzutaten, die wir ausliefern. Bislang machen wir das nur einmal die Woche, werden in kürze aber ein zweites Lieferdatum einführen und dann folgen möglichst bald noch weitere. Je mehr, umso flexibler können wir sein und mehr potenzielle Kunden können wir ansprechen.

Machen Sie schon Gewinn?

Rasmussen Nein, wir sind ja auch noch ganz am Anfang. Es läuft zwar nach Plan und so wie gedacht, aber bis wir schwarze Zahlen schreiben, dauert es noch ein bisschen. Das ist halt so am Anfang, und ich denke, genau das ist das Risiko dabei, das viele abschreckt, eine eigene Firma zu gründen. Mir und meinen Mitarbeitern gibt es aber auch immer wieder einen Ansporn, uns noch mehr Mühe zu geben und es noch besser zu machen, damit es wirklich ein Erfolg wird. Da muss man eben einen klaren Blick bewahren. Ziel ist jetzt, in den kommenden knapp zwei Jahren zu erreichen, dass wir vier- bis fünfmal die Woche ausliefern und damit 400 Kunden pro Woche bedienen.