RONDA
INGO ZWANK

Goodyear-Reifentest auf dem „Circuito Ascari“, dem „Spielplatz der Reichen“ in Andalusien

An einem der schönsten Orte der Serranía de Ronda liegt eine Rennstrecke liegt, die so versteckt ist, dass sie selbst von so manchem Einheimischen aus der Gegend nicht wahrgenommen wird. Doch Rennsportfreunde und Kenner des Szene loben sie über alles: den „Circuito Ascari“ mit dem Ascari Race Resort in der Nähe von Ronda in Andalusien - als „Spielplatz der Reichen“. Diese Rennstrecke wird von vielen professionellen Rennfahrern gar als die beste Strecke der Welt bezeichnet. Der Ort gehört dem holländischen Multimillionär Klass Zwart.

125.000 Euro für eine Mitgliedschaft

Der hat sich hier 2000 ein Grundstück gekauft und eine Kombination aus Racing und Entspannung realisiert. Sofern man über eine gewisse Portemonnaie-Fülle verfügt, kann man sich eine Clubmitgliedschaft für 125.000 Euro gönnen. Allerdings ist der Club auf 5.000 Mitglieder begrenzt. Der Zugang ist also eine kleine Seltenheit.

Der Reifenhersteller Goodyear hat nach Andalusien eingeladen, um seine neuen Goodyear Eagle F1 Asymmetric 5-Reifen zu präsentieren, die nächste Generation an „Ultra High Performance“ (UHP) Straßenreifen. In einer der kommenden Ausgaben werde ich Ihnen diese Reifen entsprechend im Detail vorstellen. Heute soll es aber zuerst einmal um die Praxis gehen.

Steht UHP doch für schneller, größer, breiter und einen Markt für Reifen mit einem Geschwindigkeitsindex von W, Y oder Z. Fahrzeuge, die serienmäßig mit Motoren für Geschwindigkeiten jenseits der 240 km/h ausgestattet sind, gehören zum alltäglichen Straßenbild. Damit verbunden wird auch die High-Speed-Grenze immer weiter nach oben geschraubt. Früher galten 300 km/h als eine Art Geschwindigkeitsschallmauer in der Serienfertigung. Heute bringen es Fahrzeuge wie der R8 von Audi oder auch die Konkurrenz von Porsche und Co. in der Spitze locker auf über 300 km/h.

Damit versteht es sich von selbst, dass zu solchen UHP-Präsentationen auch entsprechende fahrbare Untersätze gehören. Auf besagter Teststrecke standen uns bei sommerlichen Temperaturen unter der andalusischen Sonne Schmuck- und Prunkstücke der Automobilbranche zur Verfügung.

So war für die Journalisten aus Deutschland, der Schweiz, aus Österreich und die Kollegen aus Luxemburg ein Workshop mit dem Porsche GT3 RS ausgestattet, Preis: rund 200.000 Euro und 520 PS unter der Haube. Was in Kombination auf jeden Fall bei mir eine gesunde Hemmschwelle aufgebaut hat. Mit Fahrinstruktor an der Seite widme ich mich also den Fahreigenschaften des „EF1 SS R“, in dessen Entwicklungskalender auch Luxemburg, besser gesagt die Forschungsstätte von Goodyear in Colmar-Berg vermerkt ist und einer Rennstrecke, deren Aufbau und Realisierung vom Liebhaber des Automobil- und Rennsports Zwart erfolgte. 26 Kurven, 13 Links- und 13 Rechtskurven mit Überhöhungen von bis zu 18 Prozent verleihen der Strecke das Prädikat „sehr technisch“.

Tückische Passage berühmter Rennstrecken

Um besagte Hemmungen etwas abzulegen sind daher kleine Einführungsrunden unerlässlich, will ich doch mit einem solchen lizardgrünen PS-Boliden nicht mit 80 km/h auf der Rennstrecke unterwegs sein. Ganz abzulegen sind der Respekt vor Wagen und Strecke bei mir auf jeden Fall nicht, so ehrlich darf ich sein, auch wenn ich Kurveneinlagen mit 120 und mehr km/h hinbekomme.

Doch kaum habe ich mich mit so legendäre Senna-Kurven und kleinsten Wendekreisen angelegt und selbige - nach eigenem Empfinden - samt Adrenalinspiegel bravourös gemeistert, wird mein Können wieder auf den knallharten Asphalt gebracht, erlebe ich doch eine „Taxi-Fahrt mit den Profis“, die Magen-technisch einiges abverlangt.

Durchgeschwitztes Hemd inklusive

Absolut auf Null bin ich als gefühlter Rennfahrprofi dann wieder, wenn im nächsten Workshop ein Ferrari 488 GTB 3.9 V8 wartet, Preis annähernd eine Viertel Million. Da stehen also nun 670 PS mit einem starken Turbo-Motor, samt Instruktor, der mich entsprechend heiß macht und antreibt. „Gib ruhig noch mehr Gas! … Zeig doch, was das Auto kann!“ Fast jede Kurve ist ein Nachbau einer tückischen Passage berühmter Rennstrecken wie der Nordschleife, Brands Hatch, Bathurst, Spa oder Silverstone. Der spanische Formel 1 -Rennfahrer Fernando Alonso nennt das Ascari Resort die „anspruchsvollste Rennstrecke der Welt“ - da, wo also auch ich versuche, 670 PS in einem Ferrari um die Kurve zu bringen - durchgeschwitztes Hemd inklusive.

Nach vier Workshops, die auch noch einen Offroad-Parcours beinhaltet haben, kann ich die Philosophie von Ascari auf jeden Fall unterschrieben: Bei solcher Location, mit solchen Fahrzeugen und entsprechender Bereifung ist der Hunger auf jeden Fall weiter geweckt worden, sich mit solchen Boliden auf dem Asphalt zu bewegen… daher immer wieder gerne zum „Circuito Ascari“ in die Serranía de Ronda.