LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Viele Diätversuche sind zum Scheitern verurteilt – Wie man stattdessen vorgehen soll, erklärt Ernährungsberaterin Myriam Jacobs

Ein paar Pfunde loswerden: Das steht bei vielen ganz oben auf der Liste der Neujahrsvorsätze, vor allem nach den kalorienreichen Festtagen natürlich. Es gibt viele Möglichkeiten, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, vorausgesetzt man ist motiviert und hat das nötige Durchhaltevermögen. Doch längst nicht alle Methoden zeigen auch Wirkung oder sind gesund. Wie sollte man also vorgehen? Wir haben bei der Ernährungsberaterin Myriam Jacobs nachgefragt.

Warum ist es sinnvoll, Rat bei einem Profi zu suchen, wenn man eine Diät in Angriff nehmen will?

Myriam Jacobs „Diät“ ist eigentlich die falsche Wortwahl, wie ich gleich vorab bemerken möchte. Es geht nämlich nicht darum, sich selbst auf Diät zu setzen. Damit hat ohnehin wahrscheinlich jeder schon seine Erfahrung gemacht und nicht lange durchgehalten. Ernährungsberatern geht es vielmehr darum, Menschen über eine längere Zeit zu coachen und ihnen dabei zu helfen, langsam aber sicher ihre Gewohnheiten zu ändern. Ein solches Vorgehen ist weit effektiver, als sich ständig auf Diät zu fühlen, was man letztlich nur mit Einschränkungen und Verboten verbindet. Dieses Diätdenken sollte unbedingt abgelegt werden und stattdessen eine Änderung der Gewohnheiten das Ziel sein.

Ist es schwer, Ihren Kunden zu vermitteln, dass die Pfunde nicht von heute auf morgen purzeln?

Jacobs Die meisten haben schon Versuche unternommen und wissen, dass es nicht so einfach ist. Auch auf dieses Gewichtsdenken, also die Zahlen auf der Waage, sollte man nicht zu fixiert sein. Jeder hat ein anderes Gewicht oder einen anderen Fettanteil und kann dennoch gesund sein. Man sollte sich nicht immer an dem Bild messen, das in den Medien als Ideal vermittelt wird. Wenn man das Ganze mit mehr Bewegung, Ausdauer- und Krafttraining kombiniert, ist es sogar relativ normal, dass auf der Waage erst einmal nicht viel passiert. Der Punkt ist jedoch, dass man auf lange Sicht etwas Positives für seine Gesundheit tut, wodurch sich letztlich die Körperzusammensetzung ändert: Fett wird abgebaut, Muskeln aufgebaut. Das wollen wir vermitteln, damit sich unsere Kunden eben weniger unter Druck setzen.

Von Wunder-Diäten aus typischen Frauenmagazinen darf man sich also nicht allzu viel versprechen?

Jacobs Solche Diäten haben gemeinsam, dass man auf irgendetwas verzichtet, seien es Kohlenhydrate, Fette, Fleisch, Eier oder was auch immer. Sobald man etwas bei Seite lässt und nichts anderes an seiner Stelle isst, nimmt man weniger Kalorien zu sich und nimmt ab. Allerdings schafft man dadurch ein Ungleichgewicht, was die Nährstoffe anbelangt. Und: Verbietet man sich alles, was man mag, wird es schwer. Die meisten Diäten funktionieren tatsächlich, aber immer nur am Anfang, also für eine kurze Zeit, weil sie auf möglichst wenige Kalorien setzen. Irgendwann passt sich der Körper an: Bekommt er weniger, verbraucht er nach einer gewissen Zeit auch weniger Energie, und dann ist der Punkt erreicht, wo nichts mehr passiert und die meisten Leute aufgeben.

Empfohlen wird also eine Kombination aus Bewegung und ausgewogener Ernährung?

Jacobs Das sollte immer zusammengehören. Wer nur auf Sport setzt, jedoch nichts an der Ernährung ändert, wird sein Ziel nur schwer erreichen. Wer sich nur auf die Ernährung konzentriert, riskiert Muskelabbau. Ideal ist also tatsächlich die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining sowie einer Ernährungsumstellung auf lange Sicht.

Eine Stunde laufen, nachdem man sich einmal quer über die Weihnachtsfestplatte gegessen hat, reicht dann wohl auch nicht?

Jacobs So leicht lässt sich ein Weihnachtsessen nicht wettmachen. Bei vielen kommt gerade an diesen Tagen wirklich viel zusammen, deshalb hat man ja auch meistens aus schlechtem Gewissen den guten Vorsatz, abzunehmen oder auf eine gesunde Ernährung zu achten. Es wäre besser, wenn die Basis der Motivation das ganze Jahr über ein größeres Gesundheitsbewusstsein wäre.

Total auf Süßes oder Fettiges muss man aber nicht verzichten?

Jacobs Nein, es ist letztlich immer eine Sache der Quantität. Noch dazu braucht der Körper Fette, allerdings sollte man pflanzliche Fette bevorzugen.

Wie läuft ein Besuch bei einer Ernährungsberaterin eigentlich ab?

Jacobs Beim ersten Termin werden erst einmal viele Fragen gestellt, um die Person kennenzulernen, in Erfahrung zu bringen, wie ihre Essgewohnheiten sind und wie ihr beruflicher sowie privater Alltag aussieht, wie ihr Tag demnach strukturiert ist und wie hoch die körperliche Aktivität ist. Dann wird über die Ziele gesprochen und abgewogen, ob sie realistisch sind. Anschließend werden kleine Etappen festlegt, statt großer Ziele, dies alles individuell auf die Person und ihre Gewohnheiten abgestimmt. Einen genauen Plan, an den man sich strikt halten sollte, stellen wir nicht unbedingt auf. Vielmehr geben wir Ratschläge oder Ideen, beschreiben Übungen, die man zuhause machen kann, um beispielsweise bewusster zu essen. Ein wichtiger Schritt ist auch, zu lernen, mit sich selbst zufrieden zu sein.

Was steckt hinter dem Vorurteil, dass eine ausgewogene Ernährung viel Zeit in Anspruch nimmt?

Jacobs Es steckt schon eine gewisse Organisation dahinter. Wenn man aber gleich beim Einkaufen die richtigen Entscheidungen trifft, fällt das Umsetzen später in der Praxis leichter. Die Zeit für die Gesundheit sollte man sich nehmen, vor allem wenn man sie mit der Zeit vergleicht, die wir heutzutage mit sozialen Medien, Smartphone und Fernsehen verbringen…

Apropos Smartphone, es gibt mittlerweile sehr viele Fitness- und Abnehmapps, was halten Sie davon?

Jacobs Das Angebot ist tatsächlich riesig. Manche helfen sicherlich, eine Idee davon zu bekommen, wie man vorgehen kann. Noch dazu sind diese Apps häufig mit Spaß verbunden, sie bieten Rezepte, man kann sich mit anderen Usern austauschen… Allerdings ist auch Vorsicht geboten. Man sollte sich genau anschauen, wer die App entwickelt hat, wo sie herkommt und ob diese Leute wirklich Ahnung haben. Außerdem sind solche Programme nie personalisiert. So ist es auch bei Ratschlägen in Magazinen. Der Autor weiß schließlich im Vorfeld nicht, wer sie liest. Der Ernährungsberater kümmert sich hingegen individuell um jeden Kunden. Auch hier muss man derweil aufpassen, weil es nämlich verschiedene Ausdrücke gibt. Jeder kann sich beispielsweise „Nutritionniste“ oder „Nutri-Coach“ nennen. Nur „Diététicien“ oder „Diététicienne“ ist dagegen ein geschützter Berufstitel in Verbindung mit einer Ausbildung und einer Zulassung zur Berufsausübung.

Viele Informationen sowie eine Liste der in Luxemburg praktizierenden Ernährungsberater finden Sie auf der Internetseite der „Association Nationale des Diététiciens du Luxembourg a.s.b.l.“: www.andl.lu