LUXEMBURG
SVEN WOHL

Neuheiten zur „Rentrée“ 2019 stehen in der Kontinuität der Bildungspolitik

Ganze 32 Seiten umfasst das Pressedossier von Claude Meisch (DP) zur „Rentrée“. Ein Monument dafür, dass die „Rentrée“ für keinen anderen Minister eine solch gewichtige Rolle spielt, wie für Meisch, der sich für die Bildung verantwortlich zeigt. Der Titel des Dossiers: „Zësumme wuessen - Chancë schafen, Kanner stäerken“. „Auch diese ,Rentrée‘ ist geprägt von Neuerungen“, erklärte der Minister auf der gestrigen Pressekonferenz. Doch genau so gut könnte man behaupten, dass sie im Zeichen der Kontinuität steht.

Wachsender Dialog

So zu sehen beim Wachstum: 1,4 Prozent mehr Schüler werden dieses Jahr in Luxemburg begrüßt. Gleichzeitig steigt die Zahl an Lehrpersonal um 2,3 Prozent. 287 neue Lehrerposten wurden für diese „Rentrée“ geschaffen, ohne die durch Pensionierungen oder Urlaube notwendigen Ersatze mitzuzählen. 45 neue Posten für Bildungspersonal für Kinder mit spezifischen Bedürfnissen wurden ebenfalls in der Grundschule kreiert, 35 solche Posten für die Sekundarschule. 113,5 Posten kommen in den Kompetenzzentren für die spezialisiert Psychopädagogik hinzu. Außerdem wurde im April ein Gesetz gestimmt, dass die Stagezeit von drei Jahren auf zwei Jahre reduziert.

Bekanntlich begreift Claude Meisch Bildungspolitik als einen Prozess des Dialogs. Dieser stets fortschreitende und interative Prozess findet nicht nur in den zahlreichen Besuchen des Ministers in den Schulen, wo dieser den Austausch mit den Schülern, Eltern und dem Personal sucht, Ausdruck. Auch abseits dieser Besuche habe man stets ein offenes Ohr für die Professionellen aus dem Bereich. Einen Höhepunkt stellten die fünf Diskussionsabende im März diesen Jahres dar, an denen 500 Bürger teilnahmen. „Wir können in vielen Punkten einen breiteren Konsens erreichen“, sagte Minister Meisch mit Hinblick auf die anhaltende Dialogbereitschaft im Rahmen der Bildungspolitik. Der Minister freut sich, dass dieser Austausch offen und ungezwungen geschieht.

Wirken lassen und analysieren

„Wir haben eine ganze Reihe von Schrauben angezogen“, meinte Claude Meisch zu den Reformen der vergangenen Jahre. Das Bildungsministerium befinde sich allerdings auch in einer Phase, in der man einige Reformen erst einmal wirken lässt. Dies ist bei weitem kein Selbstzweck: Das „Observatoire national de la qualité scolaire“ soll helfen, Aufschluss über die Wirksamkeit der Schulpolitik zu erhalten.

Das Observatorium ist erst im vergangenen Jahr entstanden und ein erster Bericht soll Anfang des kommenden Jahres stehen. Um die Schlussfolgerungen dieses Observatoriums auswerten zu können, wird ebenfalls untersucht, wie der „Conséil supérieur de l’Éducation nationale“ reformiert werden kann, um dem gerecht zu werden. Die Schulpolitik soll auf Fakten, Analysen und dem neuesten wissenschaftlichen Stand fußen, betonte der Minister.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit:Herausforderungen der Zukunft

Die Digitalisierung als Chance in unseren Schulen umzusetzen ist ein weiteres Ziel der Bildungspolitik. Der Minister betrachtet „Coding“ als eine Sprache des 21. Jahrhunderts, deren Logik es den Schülern auf unterschiedliche Art näher zu bringen gilt. „Coding“ soll, altersgerecht, 2020/2021 Einzug in die Grundschule halten. Hier wird es im Zyklus 4 in die Mathematik eingebaut. 2021/2022 soll das Thema auch bereits in die Zyklen 1 bis 3 integriert werden. In den Sekundarschulen werden „Coding“ und „Computational Thinking“als separate Fächer in die Stundenpläne der unteren Klassen 2021/2022 eingegliedert. In dieser Hinsicht ist es nur logisch, dass die Zeugnisse der Zyklen 2.1, 3.1 und 4.1 den Eltern in digitaler Version zur Verfügung gestellt werden. Ebenfalls wird das Diplom des Technikers im Bereich „Smart Technologies“ in verschiedenen Lyzeen des Landes ab diesem Jahr angeboten.

Dies setzt eine Aufstockung von Fachpersonal voraus. In der Grundschule wird ein neues Profil für Lehrpersonal geschaffen: das des „Instituteur spécialisé en compétences numériques“ (I-CN). 15 solcher I-CN sollen für die Rentrée 2020/2021 rekrutiert werden. Sie sollen dem Lehrpersonal bei der Umsetzung und bei der Nutzung dieser Technologien helfen.

Eine Herausforderung für das Bildungssystem und die jüngeren Generationen ist auch der Klimawandel. Im Rahmen des „ClimateXchange“ eröffnete man einen direkten Dialog mit den Schülern darüber, welche Rolle die Schule bei der Nachhaltigkeit spielen soll.

Dies hat zur Folge, dass Restopolis, welches 72 Schulrestaurants und 52 Cafeterien betreibt, Maßnahmen umsetzt, um den Plastikverbrauch stark einzuschränken. Dazu gehört die wiederbenutzbare „myCan“, welche genutzt werden kann, um Getränke aufzunehmen, oder auch wiederverwendbares Besteck, samt Transportmöglichkeit. Weitere Initiativen, die getestet werden, sind Glasflaschen in den Restaurants. Zusätzlich denke man beim Ministerium über einen Ausbau der Solarzellen auf Schulgebäuden nach, wie Minister Claude Meisch durchblicken ließ.

Schule der Menschlichkeit

„Bildung kann man nicht downloaden“, gibt der Minister zu bedenken und verweist darauf, dass in der Schule auch die menschlichen Qualitäten der Schüler gestärkt werden müssten. Denn diese Qualitäten sind es, die sich nicht einfach durch eine Maschine ersetzen ließen. Der Mensch sei „kreativ, emotional und könne querdenken“ - Qualitäten, die laut Minister keine Maschine jemals replizieren könnte. Deshalb wolle man die Vernetzung von Kultur, Vereinswesen, Musik und Sport stärken. So soll ermöglicht werden, dass jeder an diesen Aktivitäten teilnehmen kann, um seine spezifischen Interessen und Fähigkeiten zu fördern. Dementsprechend mitfinanziert das Bildungsministerium bereits für diese „Rentrée“ mehrere Pilotprojekte des „Kannerclubbus“. Damit werden außer- und paraschulische Angebote auch für jene Schüler interessant, die hier nicht auf die Transportmöglichkeiten der Eltern zurückgreifen können.