ESCH-ALZETTE
SIMONE MOLITOR

Von Summer Bar bis Squatfabrik: Escher Kufa erfindet sich neu

A new place for a new world“: Mit diesem Slogan wirbt die Escher Kulturfabrik für ihre Summer Bar, die quasi über Nacht aus dem Boden gestampft wurde. Kaum war angekündigt worden, dass Gastronomie und Kultur nach dem Lockdown wieder anlaufen dürften, wurde sie im Innenhof der Kufa mit Mobiliar vom Sperrmüll sowie Eigenkonstruktionen eingerichtet und am 27. Mai eröffnet. „Dies ist das Projekt eines ganzen Teams, jeder hat mit angepackt“, unterstrich Kufa-Direktor René Penning gestern bei einer Pressekonferenz. Das Ergebnis beschrieb er als „die Fabrik von morgen“.    
„Der ganze Kultursektor hat eine komische und harte Zeit durchlebt. Wir waren die ersten, die vom Lockdown betroffen waren, und werden die letzten sein, die ohne Einschränkungen funktionieren dürfen. Diese Zeit war zwar schwer und ungewiss, bot aber auch die Gelegenheit, zu träumen und sich neu zu erfinden“, erklärte Penning. Die Wiederaufnahme beschrieb er somit als Herausforderung und gleichzeitig Chance. „In der Kulturfabrik befinden wir uns ohnehin momentan in einer Übergangsphase und mitten in der Entwicklung einer neuen Strategie. Es gab bekanntlich Änderungen auf Ebene der Direktion und des Verwaltungsrats. Wir wollten nicht, dass dieser Ort noch länger gelähmt und ohne Leben bleibt, deshalb haben wir entschieden, uns den Umständen anzupassen, die Saison, wie sie geplant war, aufzugeben und neu zu denken. Das Virus wird uns bestimmt noch länger beeinflussen“, meinte er.

Summer Bar mit vollem Programm

Die Summer Bar biete eine gute Gelegenheit, den Strategieplan auf die Beine zu stellen. In erster Linie geht es laut Penning darum, „die künstlerische Kreation zu unterstützen und zu fördern, Künstlern und ihren Projekten Sichtbarkeit zu verleihen, und vor allem aus der Kulturfabrik einen richtigen Lebensraum zu machen“. Dazu würden die Außenbereiche aufgewertet und neu gestaltet, um sie letztlich in offene und jedem zugängliche Begegnungsorte zu verwandeln. „Die Summer Bar ist nicht nur die Erweiterung unseres Bistros ,Ratelach‘, sie ist zu einem vollwertigen Ort der Kulturfabrik mit kulturellem Programm geworden. Da wir im Moment kein Angebot in unseren eigentlichen Veranstaltungsräumen haben, stellen wir Künstlern, Musikern und DJs hier im Hof eine Plattform zur Verfügung. Hier kann man also nicht nur ein Glas trinken und einen Happen essen, sondern den ganzen Sommer über ein kulturelles Programm erleben“, führte der Direktor weiter aus.  

Ein Ort der Kreation

Längst hat sich die Kufa einen Namen als Ort der Kreation gemacht, was nicht zuletzt dem langjährigen Leiter Serge Basso de March zu verdanken ist, der vor kurzem das Zepter an René Penning übergab. 50.000 Euro wird die Kufa in diesem Sommer in die Kreation beziehungsweise die Unterstützung der Künstler investieren. In der früheren Keramikfabrik wurde zu diesem Zweck die Squatfabrik eingerichtet, die alle zwei oder drei Wochen von einem neuen Künstlerduo oder –trio belebt wird, dem das Publikum bei der Arbeit über die Schulter schauen kann. Am Ende jeder Künstlerresidenz wird ein „Get-Out“ organisiert, wo die entstandenen Kunstwerke dann auch gekauft werden können. Momentan sind die Künstler Mett Hoffmann, Nora Wagner und Irina Moons in der Squatfabrik am Werk. Ihr „Get-Out“ findet an diesem Samstag ab 18.00 statt. Am Montag beziehen Trixi Weis, Letizia Romanini und Alexandra Lichtenberger die Räumlichkeiten Insgesamt 16 Künstler werden im Sommer von diesem Residenz-Programm profitieren, das sich die Kufa 25.000 Euro kosten lässt.
Weitere Teile des für die Kreation vorgesehenen Budgets fließen in zwei „Résidences de recherche et d’expérimentation“ zugunsten der Künstler Sandy Flinto und Pierrick Grobéty. Derzeit künstlerisch in der Kulturfabrik am Werk ist darüber hinaus Lynn Cosyn, die großflächige Wandmalereien im Innern realisiert. Außerdem wird das Projekt „Kappkino“ der Asbl Openscreen finanziell unterstützt.

Ära Serge Basso de March endet

Abschließend trat Pim Knaff, Kulturschöffe der Stadt Esch/Alzette, ans Rednerpult, um vor allem Serge Basso de March für seine Leistungen während der letzten 18 Jahre zu danken. Es sei sein Verdienst, dass aus dem früheren „Schluechthaus“ einer der Hauptpole des Escher Kulturlebens geworden sei. „Serge musste damals mit einem kleinen Team bestehend aus acht Leuten und ernsten finanziellen Problemen zurechtkommen. Die lokale Kulturpolitik setzte seinerzeit weit weniger auf diesen Ort. Wir reden von einer jährlichen Beihilfe von 75.000 Euro. Das Kulturministerium steuerte den gleichen Beitrag bei. 150.000 Euro standen der Kulturfabrik also zur Verfügung. Zieht man die Gehälter für neun Mitarbeiter ab, dann bleibt nicht mehr viel für die Belebung dieses Ortes. Als Serge die Zügel in die Hand nahm, fand er das Haus nicht nur in einer prekären Situation vor, sondern auch in Konkurrenz zu zahlreichen Kultureinrichtungen, die gerade entstanden, etwa die Rockhal oder neimënster und andere Institutionen, die seine Aufgabe nicht einfacher gestalteten. Doch mit Kreativität, Ausdauer und vor allem Verstand gelang es Serge und seinem Team, aus der Kufa, das zu machen, was sie heute ist“, lobte Knaff. Von Anfang an habe er auf die vier fundamentalen Achsen - Restrukturierung, Dialog, das Grenzüberschreitende und Pädagogik - gesetzt. Das Areal des Schlachthauses sei neu gestaltet und für die Kreativen geöffnet worden. Die Mannschaft sei auf 30 Leute aufgestockt und die finanzielle Unterstützung dank seines Einsatzes erhöht worden. Heute wird die Kulturfabrik mit einer Million Euro bezuschusst und ist eine der wichtigsten kulturellen Drehscheiben der Südmetropole.  
Alle Infos unter www.kulturfabrik.lu