LUXEMBURG
SVEN WOHL

Informationen und Pillen sollen beim nuklearen Ernstfall in Cattenom schützen

Die nukleare Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 zog auch an Luxemburg nicht folgenlos vorbei. So gab sie den Anstoß zur Überarbeitung des „Kriseninterventiounsplang am Kader vun engem nuklearen Akzident“. Dieser wurde 2014 vom Staatsrat angenommen. In seiner überarbeiteten Fassung wurde er von einer groß angelegten Informations- und Sensibilisierungskampagne der Bevölkerung präsentiert. Auch wurden dabei Kaliumiodittabletten an die Haushalte wie auch an die Gemeinden verteilt. Eine weitere Überarbeitung erfolgte im Jahr 2018. Dies erklärten die Gesundheitsministerin Paulette Lenert, die Innenministerin Taina Bofferding und der Staatsminister Xavier Bettel in einer Antwort auf die parlamentarische Anfrage des adr-Abgeordneten Jeff Engelen. Die regelmäßigen Revisionen werden hierbei von einer Vielzahl an Organisationen und Strukturen begleitet.

Regelmäßige Versorgung gewisser Strukturen

Im Fokus der Sensibilisierungskampagne stand unter anderem die Vorbereitung auf einen möglichen atomaren Ernstfall im Atomkraftwerk Cattenom. „Wat maache bei Atomalarm“ war der Titel einer Informationsbroschüre, die kurz und präzise erklärt, was in einem solchen Fall zu tun ist. Sie ist immer noch auf Deutsch, Französisch, Luxemburgisch, Englisch und Portugiesisch digital verfügbar.
Was die Kaliumiodidpillen angehe, würden diese präventiv an die Einwohner Luxemburgs verteilt werden. Im Rahmen der Überarbeitung von 2014 wurden diese Pillen an sämtliche Einwohner des Großherzogtums verteilt. Schulen und Betreuungsstrukturen für Kinder haben Notfallpillen auf Reserve. Eltern von Neugeborenen erhalten pro Kind eine Packung dieser Pillen. Sämtliche Gemeinden in einem Radius von 25 Kilometern um Cattenom erhalten ebenfalls eine Reserve. Diese soll ausreichen, um in einem Fall eines nuklearen Unfalls zusätzliche Pillen verteilen zu können. Unternehmen können ebenfalls von der Santé einen Bestand der Pillen erhalten. Die Pillen werden in regelmäßigen Abständen auf Qualität und Haltbarkeit seitens des „Laboratoire national de la Santé“ (LNS) überprüft. Die nächste Kontrolle ist für 2021 vorgesehen. Bisher seien laut den Ministern bei solchen Kontrollen keinerlei Anzeichen einer Degradation festgestellt worden.

Was die zukünftige Versorgung mit Pillen betrifft, geben die Minister in ihrer Antwort ebenfalls einige Informationen: So würde das Gesundheitsministerium in regelmäßigen Abständen neue Pillen einkaufen. Diese würden in erster Linie benutzt werden, um damit die Neugeborenen wie bereits erwähnt zu versorgen. Auch würden damit die Bestände in den Schulen, Betreuungsstrukturen und in den Unternehmen angepasst werden.

Medienberichten zufolge meldete die Atomzentrale in Cattenom am Dienstag einen Vorfall der Stufe 1. Die Skala steigt bis zur Stufe 7.

Mehr Informationen zum Thema wie auch die genannten Broschüren finden Sie auf der Seite www.infocrise.lu