PARIS
MM/DPA/BLOOMBERG

Portugiesische BES belastet Crédit Agricole schwer

Die Probleme bei der portugiesischen Bank Banco Espirito Santo (BES) haben die Crédit Agricole im zweiten Quartal fast in die roten Zahlen gedrückt. Der Gewinn sei um 98 Prozent auf 17 Millionen Euro gefallen im Vergleich zu 696 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, teilte die französische Großbank gestern aus Montrouge bei Paris mit. Dabei drückte die 15-prozentige Beteiligung an der BES mit 708 Millionen Euro auf das Ergebnis. Die Crédit Agricole schrieb den Wert der BES-Aktien komplett ab - zudem belastete der Milliardenverlust bei der portugiesischen Bank das Ergebnis an sich. Die BES hatte im ersten Halbjahr wegen einer Reihe hausgemachter Probleme einen Verlust von 3,6 Milliarden Euro verbucht und musste am Wochenende vom portugiesischen Staat mit einer Kapitalspritze aufgefangen werden. Aktionäre und Gläubiger nachrangiger Anleihen müssen im Rahmen des Rettungspakets die Verluste mittragen.

Ohne Berücksichtigung des Aufwands für BES und einmalige Kosten wäre der Gewinn von Crédit Agricole im zweiten Quartal sogar auf 1,0 Mrd. Euro gestiegen, da die Risikovorsorge für Kreditausfälle sank. „Trotz der Situation von BES und den Auswirkungen auf unser Quartalsergebnis, macht der Konzern planmäßige Fortschritte bei seinem im letzten März angekündigten mittelfristigen Programm“, sagte Bankenchef Jean-Paul Chifflet in der Mitteilung.

Im Bereich Unternehmensfinanzierung und Investmentbankengeschäft stieg der Gewinn auf 261 Mio. Euro nach 251 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Dazu trugen höhere Erträge aus der Unternehmensfinanzierung bei, wie die Bank mitteilte.

Schwaches Privatkundengeschäft in Frankreich

Der Gewinn der französischen Regionalbanken sank um acht Prozent auf 235 Mio. Euro. Beim Filialnetzwerk LCL ging der Gewinn um 9,7 Prozent zurück auf 145 Mio. Euro. Die harte Eigenkapitalquote CET1 auf der Grundlage von Basel III für den Konzern lag zum 30. Juni bei 12,3 Prozent, nach 11,7 Prozent Ende März. Bei Crédit Agricole SA verbesserte sich die CET1-Eigenkapitalquote auf gleicher Basis von 9,0 Prozent auf 9,9 Prozent.

Ein weiteres Problem steht auch schon vor der Tür: Wie Chifflet in einer Telefonkonferenz mit Journalisten darlegte, führt die Bank Gespräche zudem mit US-Behörden über Geschäfte mit Ländern, die von den USA mit Sanktionen belegt sind. Wieviel Geld die Bank für die US-Untersuchung zurückgestellt hat, gab er nicht bekannt; sie weist bloss generell Rücklagen für Rechtsstreitigkeiten von 1,1 Mrd. Euro aus. Der Wettbewerber BNP Paribas hatte sich kürzlich mit den USA auf eine Strafzahlung von knapp 8,8 Mrd. Dollar verständigt.