Zwei Themen prägen seit Wochen und wohl auch noch bis in die nähere Zukunft hinein die täglichen Nachrichtensendungen, die uns aus dem großen Weltgeschehen auf die heimischen Bildschirme gesendet werden. Einmal abgesehen von den nach wie vor sporadisch aufflammenden Bürgerkriegsschauplätzen in Afrika und im mittleren Osten sind es die Bootsflüchtlinge - mittlerweile auch schon nicht mehr nur die auf dem Mittelmeer - und die Opfer der Erdbebenkatastrophe im Zentralmassiv des nepalesischen Himalaya, die Tag für Tag die Schlagzeilen der internationalen Nachrichten hergeben. Während das öffentliche Interesse für die beiden tragischen Phänomene langsam abzuebben scheint, gilt dies vor allem für das Mitgefühl mit den Betroffenen. Nicht nur die menschliche Zuwendung lässt in steigendem Maße zu wünschen übrig, sondern besonders die politische Solidarität scheint mit jedem Tag geringer zu werden.
Echt beschämend ist die Art und Weise, wie dieser Tage der neu gewählte britische Premier, Vertreter eines Landes mit langer und ergiebiger kolonialer Vergangenheit, jegliche Zuständigkeit für irgendwelche konkreten Hilfsmaßnahmen von sich weist. Dennoch muss man ihm zugute halten, wenigsten ehrlich die Dinge beim Namen zu nennen, während andere in Brüssel, Berlin, Paris,... immer noch mit salbungsvollen Phrasen das Elend der Flüchtlinge beschwören und Hilfe anmahnen, die sie konkret zu vermitteln aber offenbar nicht in der Lage sind. Man redet seit Wochen davon, die Italiener bei ihren Einsätzen im Mittelmeer und bei der Bergung und Versorgung der Flüchtlinge materiell und finanziell nicht allein zu lassen, und doch ist die greifbare Unterstützung seitens der EU-Partner zu einem kümmerlichen Nichts verkommen. Sieht so das neue Gesicht einer Staatengemeinschaft aus, die ihre ethischen und menschlichen Werte weltweit als Richtwert anerkannt wissen möchte?
In den weglosen Gebirgsketten des Nepal warten seit Wochen Menschen - auch solche, die als Bergtouristen dort unterwegs sind! - auf erste Anzeichen von Hilfe, die bis zu ihnen immer noch nicht durchgedrungen ist. Es fehlt weniger an Nahrungs- und medizinischen Versorgungsmitteln, denn vor allem an Transportmöglichkeiten, die sich in diesem Gebiet zwangsläufig auf den Einsatz von Helikoptern beschränken.
Der Hilferuf, den die UNO in den letzten Tagen abgesetzt hat, verlief bis jetzt weitestgehend ungehört. Die hochgerüsteten Armeen in den verschiedenen „zivilisierten“ Staaten diesseits und jenseits des Atlantik sind offenbar so sehr mit der Abschirmung von Putins angeblichen Hegemoniebestrebungen beschäftigt, dass sie nicht einige Dutzend ihrer gebirgsfähigen Flugobjekte für die schlimmsten Nöte der nepalesischen Bevölkerung einzusetzen vermögen. In Afghanistan und Irak wurden da schon ganz andere Maßstäbe gesetzt, selbst wenn sich von dort Europäer und Amerikaner gleichermaßen immer weniger Freundschaft erwarten können.
Gewissen und Einsatzbereitschaft für eine menschlichere Welt sehen anders aus.


