LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Trotz anfänglicher Skepsis freuen sich Abschlussschüler über einen Hauch Normalität

Seit nun mehr als einer Woche begeben sich die Schüler der Abschlussklassen wieder in ihre neu gestalteten Gebäude zurück, halten brav Abstand und fassen Computer erst nach dem Händedesinfizieren an. Wie genau der neue Tagesablauf der baldigen Schulabsolventen aussieht und wie sich die Wiedereröffnung der Schulen auf ihre Gefühlswelt auswirkt, haben die zwei Schüler Max Scheitler aus dem Lycée Bel-Val (LBV) und Cathy Mathias aus dem Lycée Nic-Biever (LNB) verraten.

Freude überwiegt Skepsis

Nach sieben Wochen Remote Learning fehlte auch Schülern der Abschlussklassen der Austausch mit Mitschülern und Lehrern, besonders so kurz vor ihren bisher wichtigsten Prüfungen. Dennoch wurde die Wiedereröffnung der Bildungsstätten nicht einfach so hingenommen, teils wurden Schüler sogar dazu aufgerufen, zuhause zu bleiben, wenn sie sich nicht sicher fühlten. Reaktionen, die die Schüler nicht wirklich verstehen konnten, freuen sich doch in erster Linie über dieses kleine Stückchen Normalität. „Nach diesen Wochen haben wir uns alle umso mehr auf das uns vertraute Gebäude und eine wirkliche Präsenz der Lehrkräfte gefreut. Dass man sich melden kann, um eine Frage zu stellen und sich richtig mit Lehrpersonal und Klassenkameraden austauschen kann. Über den Bildschirm ist das dann doch eine ganz andere Erfahrung“, erzählte Max Scheitler, der sich schnell an die neue Situation gewöhnt hatte. Er habe zwar anfangs gemischte Gefühle gehabt, war sich aber sicher, dass die Regierung sich die Entscheidung der Rückkehr zum Schulalltag nicht leicht gemacht habe. „Bei mir hat tatsächlich die Vorfreude überwogen“, erzählte der Schüler.

Ähnlich erging es auch Cathy. Ihre Freunde wiederzusehen, gebe ihr Motivation für die kommenden Wochen und auch das gewohnte Umfeld, wenn auch in ungewöhnlichem Ambiente, zurückzuhaben, verdeutliche einem noch einmal, dass man nicht alleine in dieser Situation stecke. „Die vergangene Woche hat uns noch einmal vor Augen geführt, dass ganz viele Personen in demselben Boot sitzen wie wir und, dass man in diesem Stress nicht alleine ist“, erklärt die Abschlussschülerin des LNB. Dennoch hätte man sich erst an die neuen Gegebenheiten gewöhnen müssen.

Absperrungen und Umwege

Das vertraute Gebäude war nämlich beim ersten Wiederbetreten gar nicht mehr so vertraut. „Es stand auf einmal alles Kopf, damit die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden können. Wir hatten uns das Szenario zwar in Gedanken ausgemalt, doch was wir tatsächlich beim ersten Betreten entdeckt haben, hat dieses Bild haushoch übertroffen. Wir hätten beispielsweise nicht mit den zahlreichen Absperrungen und den Metern an Sperrband gerechnet“, beschreibt Max seine Rückkehr ins Schulgebäude. Alle Räume seien mit Desinfektionsmittel ausgerüstet, insbesondere Informatiksäle, in denen sich neben jedem Arbeitsplatz ein solches Fläschchen befand. Einschüchternd wirke dies allerdings nicht – ganz im Gegenteil. „Es wirkt eher beruhigend und gibt einem nochmals die Sicherheit, dass eine Ansteckung quasi unmöglich ist“.

Doch obschon sich die Schüler überwiegend sicher fühlen, waren die Änderungen anfangs merkwürdig, da sie bekannte Orte – wenn auch nur zu Beginn – entfremdeten. „Die gesamten Gänge wurden quasi zu Einbahnstraßen, sodass wir uns erst einmal umgewöhnen mussten. Ich bin zum Beispiel am ersten Tag dreimal ins Gebäude hinein gegangen und jedes Mal wieder weggeschickt worden, weil es sich nicht um den Eingang handelte, den ich nehmen sollte. Das war anfangs einfach gewöhnungsbedürftig“, verrät Cathy. Man brauche zudem länger, um zu den jeweiligen Sälen zu gelangen, weil man Umwege einplanen müsse. Nach dem ersten Tag habe man sich aber schon daran gewöhnt.

Beide Schüler beobachteten aber trotz der gegebenen Sicherheit eine Veränderung in der Grundatmosphäre. Man rede weniger mit seinen Mitschülern, verbringe die Pausen eher getrennt voneinander, statt wie zuvor diese Zeit zum Austausch zu nutzen. Die Anwesenheit der anderen helfe aber, wieder mehr in die Schulroutine zurückzufinden.

Allem voran die Präsenz des Lehrpersonals wirke beruhigend auf die Schüler. Der Umschwung auf Homeschooling sei durchaus markanter gewesen als die Rückkehr in die Räumlichkeiten der jeweiligen Schulen, sei der klassische Unterricht doch das, was sie von klein auf kennen. Diese Art des Unterrichts, wenn derzeit auch nur noch restliche Fragen beantwortet werden und bis Donnerstag noch letzte Prüfungen anstehen, gebe ihnen mehr Sicherheit für die kommende Zeit.

Sicherheit für die Abschlussprüfungen

Diese zurückgewonnene Sicherheit gibt den Schülern eine Stütze für den Endspurt, der am 25. Mai offiziell beginnt. Dass das Programm hierfür gekürzt wurde, wurde zwar in zahlreichen Kommentarbereichen hart kritisiert, hat den Schülern aber geholfen, mit Selbstvertrauen an diesen wichtigen Lebensabschnitt heranzutreten. „Wäre das Programm nicht gekürzt worden, würde ich mich wahrscheinlich nicht so sicher fühlen, wie ich es gerade tue. Ich denke, dass alles so geregelt wurde, dass wir die Abschlussprüfungen bestmöglich bestehen können“, freut sich Cathy darüber, dass die Examen trotz der Krise stattfinden werden. Auch Max aus dem LBV ist zuversichtlich: „Ich gehe mit einem sehr guten Gefühl in die Prüfungen, da wir den Fokus in den letzten Tagen wirklich auf die reine Vorbereitung der prüfungsrelevanten Kapitel gelegt haben. Dass wir sowieso noch bis Donnerstag Prüfungen schreiben, sorgt dafür, dass unsere Lernroutine aufrechterhalten bleibt.“

Was den Schülern eher Sorgen bereitet, sind die Vorurteile jener, die versuchen den 2020er Abschluss abzuwerten. „Es war nicht unsere Wahl, von zuhause aus unterrichtet zu werden, oder weniger Stoff lernen zu müssen als unsere Vorgänger. Ich kann die Meinungen zwar irgendwo nachvollziehen, aber ebenso wünsche ich mir, dass die Leute verstehen, dass diese Situation uns genauso überrumpelt hat, wie alle anderen auch“, erklärt Cathy.