LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Banque Internationale à Luxembourg trennt Pläne von Zahlen

Es war die Kunst, möglichst nichts zu sagen. Hugues Delcourt stellte gestern die Strategien der Banque Internationale à Luxembourg (BIL) vor. Der CEO der Bank kann auf Erfahrung als Banker und eine klassische französische Ausbildung zurückblicken. Sekundiert wurde er von seinem Amtsvorgänger und jetzigem Verwaltungsratschef François Pauly - besonders dann, wenn Delcourt seine Augen vom Manuskript hob.

So ziemlich das meiste, was Delcourt ablas, entsprach Stichworten gängiger Management-Literatur: Die Stellung stärken, Innovation und Kundenorientierung ausbauen, auf die internationalen Märkte gehen. Es lohnt sich also, ein wenig genauer hinzuschauen. Die BIL Luxemburg, die während der Finanzkrise unverschuldet in eine schwierige Situation kam, ist immerhin die drittgrößte Bank im Land und beschäftig mehr als 2.000 Mitarbeiter - davon die Hälfte Luxemburger, wie Delcourt betonte.

Anders als in den Vorjahren gab es keine Bilanzpressekonferenz. Die Vorstellung der Zahlen am Freitag vergangener Woche war entkoppelt von der Strategie, die gestern präsentiert wurde. Das ist ungewöhnlich.

Im Januar hatte die BIL bekannt gegeben, dass sie über ihre schweizer Tochter die KBL Schweiz kauft - mit Niederlassungen in Lausanne, Lugano und Zürich. Die KBL will im Gegenzug die belgischen Aktivitäten der BIL übernehmen, nachdem sie bereits UBS Belgien gekauft hat.

Belgien schwieriger Markt

Der belgische Markt wird für luxemburgische Banken wegen der jüngsten Entwicklungen interessant. Die Banque de Luxembourg war die erste Bank, die nach Belgien ging, um so die Kunden vor Ort zu behalten. Denn eine belgische Politik der Steueramnestie und das Ende des Bankgeheimnisses sorgen dafür, dass die Belgier Geld aus Luxemburg abziehen. Noch 2013 galt es bei der BIL Luxemburg als gute Idee, auch eine Niederlassung in Belgien zu haben. Andererseits gilt Belgien als übersättigt mit Banken. Darüber hinaus ist der Aufbau eines Private Banking kostenintensiv. Es ist also ein hin und her an Argumenten.

So will Delcourt denn auch Belgien trotz des Verkaufs im Januar nicht verloren geben. „Wir werden unsere Wachstumsanstrengungen auf 13 Länder und Regionen konzentrieren“, sagte er. Belgien sei eine davon. Dort werde sich das Angebot aber nicht an Anwohner richten. Die Schweiz gehört zu den Zukunftsmärkten. „Sie ist wichtig für eine Reihe von Bereichen“, sagte Delcourt. Dort gibt es eine größere Vielfalt von Dienstleistungen. Um im Private Banking aufzuschließen, muss die BIL laut Marktkennern hier investieren.

Delcourt kennt den asiatischen Markt gut. Vor seinem Amtsantritt Ende September 2014 war er für das Private Banking der ABN Amro in Asien und dem Mittleren Osten zuständig. Auch aus diesem Grunde ist verständlich, dass von den 13 Ländern vier im Mittleren Osten liegen. „Singapur interessiert nicht nur Asiaten, sondern auch Kunden aus dem Mittleren Orient“, stellte Delcourt fest. Als weitere Wachstumsziele gab der BIL-Chef Länder im Süden Europas und vier Länder in Osteuropa sowie Skandinavien an. Die BIL ist seit 1982 in Singapur, seit 2000 in Dänemark und seit 2005 im Mittleren Osten aktiv.

Fintec immer wichtiger

In Luxemburg will die Bank bei Privatkunden, Unternehmen und anderen Finanzinstitutionen an Marktanteil gewinnen. Direct Banking und Digitalisierung zielen bewusst auf Privatkunden ab. Delcourt betonte den Stellenwert von Fintec. „Seit Montag bieten wir eine digitale Wiedererkennung, wie Sie sicher wissen“, sagte er. Mit BIL net und BIL mobile gäbe es weitere, wichtige Entwicklungen. Anders als andere Banken sehe die BIL die technische Entwicklung nicht als Bedrohung. „Wir wollen erstens Dienste für Kunden einführen, zweitens unseren Service nach innen verbessern und drittens interessante Kunden aus dem Fintec-Bereich gewinnen“, zählte er auf. Pauly ergänzte, die Bank sei auch Mediator, um solvente Kunden, die in Start-ups investieren wollten, mit diesen in Kontakt zu bringen.

Kleine und mittlere Unternehmen sowie der Immobiliensektor stehen bei den Unternehmenskunden im Fokus, während andere Finanzinstitutionen gezielt mit Diensten angesprochen werden sollen. „Dafür haben wir die nötige Größe“, ist der CEO überzeugt. Die Idee, sich regional breit aufzustellen und darüber hinaus dort zu wachsen, wo es sinnvoll ist, klingt nach Verwaltungsrat Pauly. Es ist keine spektakuläre Strategie, sondern eine, die Zeit braucht. Das aber steht den schnellen Erfolgen entgegen, die Bankenmanager heute vorzeigen sollen.

Christian Strasser geht nach 22 Jahren

Delcourt äußerte sich auch zu Christian Strasser. Der Luxemburger hatte 22 Jahre lang für die BIL gearbeitet und war als Vorstand für die Zweigstellen zuständig, für die er viele Ideen von der Digitalisierung bis zur Öffnung über Mittag oder am Abend hatte. Er hat die Bank aus persönlichen Gründen verlassen. Delcourt insistierte, dass die Bank seinen Weggang wirklich bedauere. Insider kennen Strasser als jemanden, der den Ideen von Pauly offen gegenüber stand. Ihm folgt möglicherweise ein Banker aus Belgien. Wie sich das Filialnetz entwickelt, muss sich noch zeigen. Dabei soll die Digitalisierung eine Rolle spielen. Eine nicht diskutierte Personalie war die des langjährigen Kommunikationschefs Tom Anen. Dessen Stelle nimmt seit März diesen Jahres Véronique Piquard ein, die vor ihrer Tätigkeit bei Deloitte im Finanzministerium und bei der Spuerkeess tätig war. Im abgelaufenen Geschäftsjahr rekrutierte die BIL 166 neue Mitarbeiter.

Da die Strategie-Pressekonferenz gesondert stattfand, wurde so gut wie nicht über Zahlen gesprochen. Pauly hielt immerhin fest, dass die Dividende mit 155 Millionen Euro höher gewesen sei als das Ergebnis. Da 2013 wegen der Altlasten keine Dividende gezahlt worden sei, sei sie diesmal etwas höher ausgefallen.