LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK MIT DPA

Zweite Phase des „Large Scale Testing“: 53.000 Tests pro Woche bis März 2021 - und Antikörpertests

Rund 60 Millionen Euro, um die Ausbreitung des Coronavirus unter Kontrolle zu behalten: So könnte man die zweite Phase des „Large Scale Testing“ zusammenfassen. Im Zeitraum von Mitte September bis März 2021 sollen pro Woche bis 53.000 PCR-Tests durchgeführt werden, eine geringere Testkapazität als in der ersten Phase. Neu ist dabei, dass die Bevölkerung in Zukunft auch zu serologischen Tests eingeladen wird. Die Blutanalysen sollen den Behörden durch den Nachweis von Antikörpern zusätzliche Daten über die Verbreitung des Coronavirus geben. 1.000 solcher Tests sind pro Woche angedacht.

In der zweiten Phase wird die Bevölkerung weiter auf der Grundlage von Stichproben getestet, gegebenenfalls kann das Monitoring eines Sektors oder einer Region auch verstärkt werden, häufen sich dort die Infektionen. Hinzu kommt die Möglichkeit, eine mobile Testeinheit in einen Betrieb oder in eine Schule zu schicken, um so binnen kürzester Zeit durchzutesten. An der Möglichkeit, bei der Einreise eine Probe entnehmen zu lassen, hält das Gesundheitsministerium weiter fest. Ein Fokus liegt auch weiterhin auf Personen mit vielen Kontakten wie Lehrern, Sekundarschülern oder Polizeibeamten.
Am Ablauf der Testprozedur ändert sich nichts weiter. Derweil gibt es in der zweiten Phase statt knapp 20 noch acht Teststationen landesweit (Hosingen, Schieren, Steinfort, Bascharage, Esch/Alzette (Kreiverkehr Raemerich), Grevenmacher und Luxemburg-Stadt (P&R Bouillon/ Walk-in & Drive-in).

Geöffnet sind sie von montags bis donnerstags von 07.00 bis 19.00, freitags bis 21.00 und samstags von 08.00 bis 15.00. Wer am Flughafen landet, kann sich die ganze Woche über zwischen 9.30 und Mitternacht einem Abstrich unterziehen. Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP), die gestern zusammen mit Premierminister Xavier Bettel (DP) der Teststation auf dem P&R Bouillon abstattete, rief erneut dazu auf, den zwei Wochen gültigen Einladungen Folge zu leisten. Das Motto der zweiten LST-Phase lautet: „Wir sind alle Teil der Lösung“.

Präzisierungen zu Belgien und der Schweiz

Angesichts steigender Infektionszahlen steht Luxemburg ab heute 16.00 für Belgien auf der „roten Liste“. Konkret bedeutet das, dass sich Reisende, die sich länger als 48 Stunde im Nachbarland aufhalten, für 14 Tage in Quarantäne begeben und sich einem Test unterziehen. Nach RTL-Informationen sollen sich Grenzgänger oder Studierende frei bewegen können. Allerdings weist das Außenministerium darauf hin, dass die Betroffenen sicherstellen sollen, ihre Situation zu jedem Zeitpunkt belegen zu können. Wer für längere Zeit nach Belgien reist oder sich dort aufhält, muss das „Passenger Locator“-Formular ausfüllen (Link nachstehend). Außenminister Jean Asselborn zufolge müssen sich Luxemburger, die ab kommender Woche die Schweiz besuchen wollen, für zehn Tage in Quarantäne begeben.

Überraschenderweise steht das Großherzogtum vorerst weiter nicht auf Roten Liste Deutschlands. Am Mittwochabend wurde auf der Webseite des Robert Koch-Instituts eine aktualisierte Liste von Risikogebieten veröffentlicht - ohne Luxemburg.

Am Rande der Pressekonferenz gestern stellte Lenert noch einige Ergebnisse der Fokustests nach der Sommerpause vor. Es seien „relativ beruhigende Resultate“. So seien im Bausektor von mehr als 5.000 Teilnehmern lediglich sieben positiv auf Covid-19 getestet worden, im Reinigungssektor betrage die Infektionsrate bei 1.200 Tests lediglich 0,13 Prozent. 50 Prozent der Schüler unter 20 waren der Einladung zum Test gefolgt. Positiv fiel die Untersuchung bei 0,06 Prozent aus. Bei den Lehrern war die Testbereitschaft höher: zwei Drittel traten zum Termin an, die Prävalenz liegt bei 0,08 Prozent. Angesichts dieser Werte sprach Lenert von „keinem hohen Risiko im Kontext der ,Rentrée“‘. Im Gesundheits- und Pflegesektor war mit einer Prävalenz von 0,08 Prozent (bei einer Beteilungsrate an den Tests von 42 Prozent) auch kein besonderes Risiko zu erkennen.

Wegen überall steigender Corona-Zahlen hat Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides die EU-Staaten dringend aufgefordert, sofort gegenzusteuern. „Das ist womöglich unsere letzte Chance, eine Wiederholung des Geschehens im Frühjahr zu vermeiden“, warnte Kyriakides gestern in Brüssel. Die Zahlen gemeldeter Corona-Infektionen seien seit August in der ganzen Europäischen Union und in Großbritannien stetig gewachsen und lägen nun teils höher als auf dem ersten Höhepunkt der Pandemie im März. Die bisherigen Gegenmaßnahmen seien nicht immer ausreichend gewesen. Deshalb müssten die EU-Staaten beim ersten Anzeichen für einen neuen Ausbruch sofort einschreiten, forderte die Kommissarin.  Dazu zählte sie verstärkte Tests, Rückverfolgung von Kontakten, bessere Überwachung der öffentlichen Gesundheit, besseren Zugang zu Schutzkleidung und Medikamenten sowie die Stärkung der Kapazitäten in Krankenhäusern.

„Pandemie längst nicht vorbei“

Auch die Chefin der EU-Seuchenbehörde ECDC, Andrea Ammon, zeigte sich besorgt. „Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, die nötigen persönlichen Schutzmaßnahmen einzuhalten, also Abstand halten, Handhygiene und zuhause bleiben, wenn man sich krank fühlt“, betonte Ammon. „Die Pandemie ist längst nicht vorbei, und wir dürfen nicht unachtsam werden.» Besonders besorgt zeigt sich ECDC besorgt über die Entwicklung in sieben Staaten. Die Entwicklung des Pandemiegeschehens in Spanien, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Ungarn, der Tschechischen Republik und Malta sorge für „große Besorgnis“ und deute auf eine hohe Sterblichkeit hin, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP. Grund ist das der höhere Altersdurchschnitt der Infizierten.

Verbände rügen Freiheitsbeschränkungen in Europa in der Corona-Krise

Greenpeace und der Bürgerrechtsverband Civil Liberties Union for Europe haben derweil einige staatliche Beschränkungen von Freiheitsrechten während der Corona-Krise als unverhältnismäßig kritisiert. „Mehr als die Hälfte der EU-Regierungen haben das Recht auf friedliche Versammlungen nicht gewährleistet“, monierten die Verbände am Donnerstag gemeinsam. Zudem bemängelten sie einen erschwerten Zugang zu Informationen und Beschränkungen der freien Meinungsäußerung. Die Verbände betonten zwar, dass befristete staatliche Beschränkungen notwendig sein könnten, um Leben zu retten und Risikogruppen zu schützen. „Aber viele Regierungen haben problematische Maßnahmen im Namen des Schutzes der Gesundheit verabschiedet.“

Regierungen mit autoritären Tendenzen in der Europäischen Union hätten bewusst versucht, die Notsituation auszunutzen, um individuelle Freiheiten und den demokratischen Prozess weiter auszuhöhlen. Als besonders drastische Beispiele nannten die Verbände Ungarn und Rumänien.

Link zum Passenger Locator Form für Belgien: travel.info-coronavirus.be/fr