LUXEMBURG
COLETTE MART

Das ist der Titel eines Weltbestsellers der britischen Schriftstellerin Taiye Selasi, welche ghanaische und nigerianische Wurzeln hat, und die Dramatik der Position schwarzafrikanischer Intellektueller in der Welt beschreibt. Luxemburg zelebrierte vorige Woche den internationalen Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung und in diesem Kontext erschienen einige durchaus interessante Presseberichte. Es erwies sich als sinnvoll, das Thema in Luxemburg klar zu benennen und es als politische Herausforderung schlechthin für die nächsten Jahre zu sehen. In der Tat wurden die Resultate einer EU-Studie zum Thema Diskriminierung dunkelhäutiger Menschen bekannt, in der Luxemburg den unrühmlichen zweiten Platz einnimmt. Das „Luxemburger Wort“ veröffentlichte Interviews mit Schwarzafrikanern in Luxemburg, aus denen sogar hervorgeht, dass an der Universität diskriminierende Aussagen gemacht werden.

Die Ausgrenzung dunkelhäutiger Menschen betrifft den Zugang zum Arbeitsmarkt und zu einer Wohnung, so dass Afrikaner oft in prekären Situationen verharren und kaum eine Chance haben, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Während es einerseits in vielen Bereichen an qualifizierten Arbeitskräften mangelt, scheinen insbesondere gut ausgebildete schwarze Männer schlechte Chancen zu haben, einen Arbeitsplatz zu finden. Eher werden Ingenieurs-und Informatikerstellen nicht besetzt, als dass ein Afrikaner eine Chance bekommt. Während Unternehmer sich manchmal offen für die Einstellung syrischer Flüchtlinge zeigen, verschließen sie sich zum Beispiel der Integration von Eriträern, die oft sehr gut ausgebildet sind. Dies bestätigt, dass wenn Rassismus da ist und zumindest unterschwellig zur Leitkultur gehört, er sich eher durchsetzt als jede rationale Überlegung, die Kompetenzen eines hochgebildeten Afrikaners zu nutzen. Rassismus ist, psychologisch gesehen, sehr eng mit der Unzufriedenheit des Einzelnen verbunden. Das Thema bleibt weitgehend Tabu, weil wir uns unserer multikulturellen Fassade rühmen, weil wir Preise vergeben für Diversität, während sich hinter dieser Fassade menschliche Dramen und Verletzungen der Menschenwürde verbergen, die nie öffentlich werden, weil die Opfer sich nicht trauen, zu sprechen. Sie haben Angst, noch zusätzlich ausgegrenzt zu werden, und überhaupt keine Chance mehr zu haben, in Luxemburg Fuß zu fassen. Sogar wenn ein Arbeitgeber keine Vorurteile hat und einem Schwarzen eine Chance gibt, muss er mit Rassismus im Betrieb rechnen und gegebenenfalls den neuen Mitarbeiter verteidigen. „Ghana must go“ von Tayie Selasi ist deshalb auf vielen Ebenen interessant. Sie beschreibt, dass die afrikanischen Studenten in Amerika heute oft die intelligentesten und fleißigsten sind, ein Platz, den vor einigen Jahren noch die Chinesen einnahmen. Gelingt ihnen aber tatsächlich der wirkliche Karrieresprung, können sie sehr leicht Opfer rassistischen Mobbings werden, werden dadurch deprimiert und schämen sich vor ihren Familien. Hier in Luxemburg bleibt sogar die afrikanische Diaspora aus der Entwicklungshilfe weitgehend ausgeschlossen, obwohl sie ein lokales Know-How hat, das nie ein Luxemburger erreichen kann. Bei uns gibt es demnach in Sachen Menschenwürde noch unheimlich viel zu tun.